Vor zehn Jahren starb Horst-Eberhard Richter, der „Psychiater der Nation“.

Horst-Eberhard Richter war Psychoanalytiker, Psychiater und Sozialphilosoph, Direktor des Psychosomatischen Universitätszentrums in Gießen, Leiter des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt a. M., Mitbegründer und Vorstand der deutschen Sektion der Ärzte gegen den Atomkrieg und erhielt zahlreiche Ehrungen für seine Forschung und seinen Einsatz für Frieden und soziale Verantwortung.

Zitate:

„Mit der psychologischen Vereinnahmung Gottes musste sich der Rebell der Neuzeit als sündenfrei erklären, weil er ohne Gnade, ohne Versöhnungschance dasteht.“

“Diese Verzweiflung äußere sich in einem Allmachtswahn, in Feindbildprojektionen Gewaltausbrüchen sowie in Schuld- und Minderwertigkeitsgefühlen. Er nannte auch ein Beispiel aus dem Freizeitbereich, das Bungee-Jumping: „Faszinierend ist die Vorstellung von der Überwindung des Todes. Man springt in den Abgrund und klammert sich in seiner Todesangst nicht an Gott, sondern ans Gummiseil, und wird gerettet.“ Die neue Computergeneration spreche von der Allmacht der technischen Intelligenz, die in 20 Jahren alle menschliche Fehlerhaftigkeit eliminiert haben werde. Die Gentechnik wolle alle Krankheiten wegzüchten und eine maßgeschneiderte Gesellschaft mit geklonten Wesen schaffen, wie sie Aldous Huxley in „Schöne neue Welt“ bereits beschrieben hat. Richter befürchtete, dass all diese größenwahnsinnigen Mächte, die auch in Politik und Wirtschaft wirksam sind, von uns nicht in ihrer Zerstörungskraft durchschaut würden.”

“Der Christ steht mit seiner Schuld vor Gott, der ihm Gnade und Versöhnung gewährt, wenn der Mensch seine Schlechtigkeiten offen eingesteht. Der Glaube ermöglicht, sich von Gott geliebt zu fühlen, und er stärkt die eigene Liebe. Der Psychoanalytiker ergänzte: „Solange sich der Mensch einer Gnade und Versöhnung spendenden Instanz (barmherziger Gott) gegenübersah, konnte er sich das eigene Böse, die Macht der Destruktivität, eingestehen. Dagegen muss der Mensch ohne Gott das Böse verleugnen; er muss sich als sündenfrei erklären, weil es für ihn keine Gnade und auch keine Hoffnung auf Versöhnung mehr gibt.“

“Zuletzt fragte ich Horst-Eberhard Richter, der unter anderen die Bundeskanzler Helmut Schmidt und Willy Brandt beriet, warum sich die Großen dieser Welt oft erst am Ende ihres Lebens zur religiösen Frage positiv äußern. Seine Antwort war beschämend: „Wenn Menschen ein gewisses Alter erreicht haben, nichts Neues mehr aufbauen können, von Tagesgeschäften entbunden, keiner Institution mehr verpflichtet, aber auch machtlos geworden sind, können sie ungeschützter reden und brauchen keine Rücksicht mehr auf irgendwelche Loyalitäten zu nehmen. Umgekehrt aber spüren sie viel intensiver die Macht der Wahrheit, die sie jetzt zu bekennen wagen.“ (pro- Medienmagazin)

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