Das Drama des Menschen lässt sich in drei Sätzen beschreiben: Gott ist tot (Nietzsche). Folglich muss sich der Mensch selbst erschaffen (C. G. Jung). Genau dies schafft er aber nicht (Harari). Stattdessen stützt er sich bis heute auf die Krücken, die ihm die Religionen hinhalten. Das lässt für eine Zukunft, die massgeblich von künstlicher Intelligenz oder «brain hacking» geprägt sein wird, nichts Gutes erwarten. (M. Matuschek)
Jesus Christus predigte nicht die Gründung von grossen Institutionen, er gründet auch kein Religion. Er scharrte Anhängerschaft um sich und sendete sie später zu Glaubensverkündigung aus. Eher kommt ein Kamel durchs Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich, dieses Gleichnis von Jesus zeigt sehr deutlich, was er von Prunk und Machtentfalltung hielt. Nein, es ist der Mensch, in all seiner Sündhaftigkeit, der die Glaubensbotschaft der Liebe und Vergebung ins perverse und ihr Gegenteil verkehrte. An der Botschaft ist nichts falsches, nur wir Menschen verstehen sie noch nicht. Wiederum kann gesagt werden, dass gerade die Jahrhundertkatastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts, mit dutzenden Millionen Toten, keine wirklich religiös inspirierten Angelegenheiten waren. Der erste Weltkrieg war die Ausgeburt bösartigsten Nationalismus, der stalinistische Terror war atheistisch determiniert und das Menschheitsverbrechen Faschismus und Nationalsozialismus waren gegenüber Religion ablehnend eingestellt. Die faschistischen Regime kooperierten mit den christlichen Kirchen, zwecks Machterhalt und zu viele Kirchen machten mit. Das zwanzigste Jahrhundert zeigt doch schön, dass auch Religionsüberwindung, den Menschen nicht friedlicher macht, im Gegenteil, Mord und Totschlag hatten selten solche Auswüchse erlebt. Gerade der
atheistische Kommunist muss doch einsehen, dass seine Weltanschauung nur eins brachte: Terror, Hunger und bodenlose Verelendung! Viele Menschen hatten in diesen düsteren Zeiten nur eins, ihren Glauben, der ihnen Trost und Hoffnung gab. Bedenken wir: Ohne jüdisch-chritlche Tradition gäbe es kein kritisches Denken in der Tradition der westlichen Universitäten: das christliche Menschenbild, das Glaube und Vernunft als Gabe des Schöpfers versteht, ermöglicht gerade kritisches und auch selbstkritisches Denken. Atheistische politische Ideologien jedoch, die gerade die Religion ausrotten wollten, brachten es allein im 20. Jahrhundert auf eine grauenvolle Bilanz. Und um es nochmals deutlich zu sagen: ohne jüdisches Menschenbild der Gottesbenbildlichkeit jedes Menschen, ohne Jesus, der die Feindesliebe propagiert, ohne Paulus und Augustinus und Thomas von Aquin hätten wir noch jetzt keine “Aufklärung” und kein Absolutheitsanspruch des Respekts der Menschlichen Würde eines jeden. Ob das alle fundamentalistischen religiösen Splittergruppen immer so handhaben oder – GOTT sei’s geklagt – nicht, ändert nichts an der Tatsache, dass Gleichberechtigung, Menschenwürde und Grundrechte gerade in religiösem Boden wurzeln. Sie sind weder im Kontext kollektivistischer Philosophieströmungen Asiens entstanden noch von romantisch überhöhten Indianerhäuptlingen erfunden worden. Übrigens: Nietzsche und Jung waren Pfarrerssöhne.
