“Wer Felix Nmecha für seinen Glauben kritisiert und verlangt, dass er ihn als eine Art stilles Hobby für den Hausgebrauch lebt, hat nichts verstanden. Den Glauben zu verstecken, ist für Christen schlichtweg keine Option.
Der sogenannte Missionsbefehl in Matthäus 28,18 („Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“) lässt uns Christen keine Wahl. Wie und in welcher Form er gelebt wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Längst ziehen keine Missionare mehr durch die Welt und wollen vermeintliche „Wilde“ zwangstaufen. Das schlichte (Vor)Leben von Glauben ist nichts anderes als die Nachfolge Jesu, die er Christen in der Nacht vor seinem Tod aufgegeben hat. Das lässt sich nicht an- und ausschalten, ablegen, verleugnen oder tarnen. Wer an Gott glaubt, kann davon keine Auszeit nehmen und bleibt übrigens auch dann Christ, wenn die Amtskirche nichts von ihm wissen will.
Felix Nmecha tut mit seinem gelebten Glauben mehr für das Christentum als der größte Teil der Amtskirchen. Er lebt übrigens den Geist, der unsere gesamte Gesellschaft, unser Grundgesetz von der Präambel („Vor Gott und den Menschen“) bis zur Menschenwürde-Garantie durchwurzelt. Felix Nmecha lebt die Botschaft der Feindesliebe, der Verzeihung für den „verlorenen Sohn“ und der schützenden Hand Gottes über dem Brudermörder Kain. Felix Nmecha lebt einen Glauben, der nicht „Zahn um Zahn“ vergelten will, der Dieben nicht die Hand und Ungläubigen nicht den Kopf abhacken will. Felix Nmechas nigerianischer Vater entstammt einem Land, in dem brutale islamistische Banden Mord, Folter und Entführung praktizieren.
Wenn es eine Geste gibt, die ich in den Fußballstadien der Welt sehen will, dann sind es die christlichen und nicht der erhobene Islamisten-Finger, bei dem man sich immer fragen muss, ob er einen friedlichen Islam repräsentiert oder den anderen der Milizen, Terrorgruppen, Alahu-Akbar-Rufer oder Kalifat-Freunde. Wo das Christentum westlicher Prägung das Sagen hat, können sich Muslime, die vor ihren militanten Glaubensbrüdern fliehen, sicher sein. Noch.
Was Felix Nmecha vorlebt, ist die Weltgemeinschaft der Christenheit, die niemanden aus-, sondern alle Menschen einschließt. Nicht aggressiv, nicht mit Zwang und Vereinnahmung, sondern als lebendiger, gelebter Glaube. Ich selbst habe das vor einiger Zeit in Kenia erlebt, als wir in Mombasa durch einen bedrückenden Slum gingen und plötzlich aus einer Kirche mit Inbrunst gesungene Fetzen eines Kirchenliedes (ich glaube, es war: „Holy God, We Praise Thy Name“). Plötzlich war ich kein Fremder mehr mitten in Afrika. Da war ein großes Gefühl der Wärme, der Zugehörigkeit, ja fast schon Vertrautheit. Fremde Menschen in einer Gemeinde, Gemeinschaft. Ob nun von IHM inspiriert oder einfach nur bekannt von zu Hause.
Ohne Christentum wäre dieses Land nicht, was es ist. Ohne Christentum hätten weite Teile der DDR-Opposition keine Heimat gehabt. Ohne Christentum sähen unsere Städte und Dörfer anders aus. Ohne Christentum würden wir weder „Perlen vor die Säue werfen“ (Mt 7,6) noch „anderen eine Grube graben“ (Sprüche 26,27) oder unsere „Hände in Unschuld waschen“ (Mt 27,24).” Ralf Schuler/Nius.de
