Weihnachtlicher Grippenskandal.

“Zwei Krippen machen gerade ausgrenzende Schlagzeilen. Die Heiligen Drei Könige, von denen nur der Evangelist Matthäus als Sterndeuter berichtet, gehören zu jeder Krippe. Am Tag der Erscheinung des Herrn tauchen sie an der Krippe auf. Die Tradition hat ihnen die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar gegeben. Sie stehen symbolisch für Vertreter aller drei damals bekannten Erdteile. So verwundert es wenig, wenn einer der drei, Melchior, mit dunkler Hautfarbe und oft mit bestimmten Merkmalen afrikanischer Menschen dargestellt wird. Dazu gehören krause Haare, ein Turban, dickere Lippen als man sie bei Europäern kennt. Allein die Aufzählung zeigt schon eine Inkonsistenz, die nur künstlerisch aufzulösen ist. Melchior steht mit seinen teils gar nicht zusammen passenden äußeren Merkmalen für einen ganzen Kontinent, nämlich Afrika. 

Im Ulmer Münster wurde eine solche Figur nun als rassistisch gecancelt. Die recht bekannte Ulmer Figur trug eine Federkrone und einen Ring am Unterschenkel sowie Ohrringe. Im Volksmund nannte man Melchior liebevoll den „Brezelkönig“, da er eine Brezel in der Hand hielt, die von manchen als Geschenk für das Christkind gedeutet wurde. Man erkennt daran, den denkbar dummen und ahistorischen Hintergrund jeglicher Cancel Culture. Das Ulmer Münster hat seine über hundert Jahre alte Krippe nun durch eine neue ersetzt. Der Kirchengemeinderat der Münstergemeinde hatte bereits 2023 entschieden, die Krippe an die Stifterfamilie zurückzugeben. Der Ersatz ist eine klassische Krippe des Dornstadter Künstlers Helmut Reischl aus dem Jahr 1995.

Eine weitere Krippe macht gerade Schlagzeilen. Auf dem Brüsseler Weihnachtsmarkt steht eine Patchwork-Krippe, die die Heilige Familie und alle weiteren Figuren ohne Gesichter zeigt. Die lebensgroßen Figuren sind aus Stoff gebastelt und in recht unförmige Gewänder aus Leinen, Satin und Samt gehüllt, die alle aus Restbeständen oder recycelten Materialien stammen. Der Designer habe bewusst auf erkennbare Gesichter verzichtet und die Oberflächen stattdessen als, wie es heißt, pixelartiges Patchwork aus Beige- und Brauntönen gestaltet. Die gemischten Hauttöne sollen eine inklusive Darstellung schaffen, in der sich jeder wiederfinden könne, heißt es zur Erklärung. Dem Menschen sein Gesicht zu nehmen, bedeutet ihn zu entmenschlichen. Schon der Weihnachtsmarkt, der nur noch Winterzauber heißt, ist als säkularisierte Form schon eine Reduktion. Die Dekonstruktion des Weihnachtsgeschehens durch gesichtslose Gestalten in der Weihnachtsszene treibt das noch auf die Spitze.” TE 

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