Wie ein Atheist zu Gott fand. Die Weihnachtsgans des Jahres 1960 rettete mir das Leben …

… bevor ich überhaupt geboren wurde. Ich war nämlich eine Weihnachtsüberraschung für meine Mutter. Doch als sie entdeckte, dass sie schwanger war, kam bei ihr keine rechte Freude auf, denn ausgerechnet am Heiligen Abend löste ich bei ihr derartige Übelkeit aus, dass sie keinen Bissen von der fetten Weihnachtsgans hinunterbekam.
Und genau das rettet mir wiederum das Leben. Meiner Mutter war nämlich nicht nur übel, sondern sie war regelrecht verzweifelt, denn meine Eltern hatten gerade erst geheiratet, und mein Vater stand ganz am Anfang seiner Karriere. So war meine Mutter fest entschlossen, mich abtreiben zu lassen – wäre da nicht diese Weihnachtsgans gewesen: Jetzt konnte sie mich nicht mehr verheimlichen, und unter Tränen offenbarte sie meinem Vater ihren Zustand. Für ihn war es jedoch selbstverständlich, dass ich am Leben bleiben sollte. Und so verdanke ich mein Leben in mehrfacher Hinsicht meinem Vater, meiner Mutter und der Weihnachtsgans des Jahres 1960.
Jugend “ohne Gott”
Geboren wurde ich schließlich als Sonntagskind, am 27. August 1961 in Garmisch-Partenkirchen. So verzweifelt meine Mutter anfangs über mein ungeplantes Auftauchen war, so sehr liebte sie mich hinterher. Und so erinnere ich mich an eine glückliche Jugend. Soweit ich weiß, hat Gott bei meiner Erziehung keine bewusste Rolle gespielt. Meine Eltern waren zwar nicht gegen ihn eingestellt, aber gegen “die Kirche”. So traten sie aus der Kirche aus, und Religion war das einzige Schulfach, dessentwegen ich beinahe sitzengeblieben wäre, weil ich den Unterricht ein halbes Jahr lang geschwänzt hatte, mit Zustimmung meiner Eltern.

Ich entwickelte mich zum praktizierenden Atheisten: Ich war zwar kein entschiedener Gottesgegner, aber ich sah keinen Grund, an seine Existenz zu glauben. Ich erinnere mich noch daran, wie ich unter den Büchern meines besten Schulfreundes eine Bibel entdeckte. Staunend fragte ich: “Liest du die etwa?” Ja, er las sie. “Aber du glaubst doch nicht etwa, was da drin steht?”, hakte ich nach. Doch, er glaubte es.
Ratlos, und um dieser peinlichen Situation zu entgehen, stellte ich die Bibel einfach wieder zurück an ihren Platz und verlor kein Wort mehr über dieses Thema. Gleichzeitig ahnte ich vielleicht auch, dass ich keine triftigen Gründe für meinen Unglauben nennen konnte, außer, dass Gott sich bei mir bisher noch nicht vorgestellt hatte. Die Bibel hatte ich nur einmal angefangen zu lesen, war aber im Zweiten Buch Mose steckengeblieben.
Begegnungen mit dem Übernatürlichen
Aber nicht viel später, im Alter von ungefähr sechzehn, siebzehn Jahren, fing ich an, mich für übernatürliche Dinge zu interessieren und las Bücher über Leben nach dem Tod und Hellseherei. Es war mehr Neugierde, die mich trieb, und weniger die bewusste Suche nach einem Sinn des Lebens. Eines bewirkte das Gelesene bei mir: Meine Überzeugung, es sei nur das real, was ich sehen könne, geriet ins Wanken. Zu überzeugend klang einiges, was ich da las, und außerdem gab es da Erlebnisse in der nahen Verwandtschaft, die nicht zu leugnen waren:
Der Opa meiner Frau wurde im Krieg von einer trotz Windstille auffällig nickenden Blume weggelockt, kurz bevor eine Granate in seine Stellung fiel. Später in seinem Leben konnte er, nachdem ihn auf dem Jahrmarkt eine Karussellschaukel am Kopf getroffen hatte, eine zeitlang den Tod mancher Leute und zukünftige Dinge vorhersagen. Er war froh, als das nach einiger Zeit wieder aufhörte.

Mein Schwiegervater stürzte im Münchner Hofbräuhaus aus dem zweiten Stock auf den Steinfußboden und hörte im darauf folgenden Koma, wie eine Krankenschwester beim Gespräch über ihn nicht eine Mark wetten wollte, dass er überlebt.
Die Familie meines Vaters wurde bei Kriegsende ausgeraubt, und ein stadtbekannter “Seher” konnte ihnen tatsächlich den Aufenthaltsort der Räuber nennen. Er endete mit den Worten: “Aber wahrscheinlich sind sie schon weg, wenn du hinkommst – nur einer, der ist noch da.” Tatsächlich fanden sie alles so vor, wie der Seher gesagt hatte, und im Gebüsch lag einer der Räuber – kurz vorher erschossen von seinen eigenen Kumpanen …
Aber damals blieb ich in einer Sackgasse stecken. Ich kam zwar so weit, dass ich tatsächlich an die Existenz Gottes glaubte, aber dieser Glaube war mehr intellektueller Natur. Im Kopf war ich ziemlich überzeugt, aber mit dem Herzen wusste ich nichts damit anzufangen. Außerdem: Ich war verliebt, gesund, gut in der Schule – ich brauchte einfach keinen Gott! Im Gegenteil, irgendwo tief drinnen rumorte in mir die Angst, wenn ich ernst machen würde mit dem Glauben, dann dürfte ich womöglich keine Freude mehr haben, müsste eine Mönchskutte anziehen und ins Kloster gehen.
Gott hat trotzdem versucht, zu mir durchzudringen. Nach einem Gespräch über den Glauben zum Beispiel, das ich mit einem älteren Mann in der Fußgängerzone hatte, schickte dieser mir einen sehr netten Brief und eine liebevoll verpackte Predigt-Kassette. Doch als nach wenigen Sätzen die Aussage kam: “Durch die Torheit der Predigt möchte Gott diejenigen retten, die glauben …”, drückte ich die Stop-Taste. Nein, meinen Verstand würde ich niemals an der Garderobe abgeben, um glauben zu können! Und außerdem, retten musste man mich eigentlich eh nicht, dazu ging es mir viel zu gut …

Heil wurde mir bitteres Leid!” Jesaja 38:17
Doch das änderte sich leider allzu schnell und auf sehr dramatische Art und Weise: Meine Eltern ließen sich nach ungefähr zwanzigjähriger Ehe scheiden, und meine Mutter lebte danach als eine der vielen hunderttausenden Singles in der Millionenstadt München. Dort wurde sie von ihrem “Freund” im Alkohol- und Eifersuchtsrausch brutal ermordet.
Ich leistete damals gerade meinen Wehrdienst, als der Hauptmann meiner Einheit mir die schreckliche Nachricht mitteilen musste. Auf dem Weg zurück in meine Unterkunft weinte ich fassungslos, gleich danach verdrängte der Schock alle weiteren Gefühle. Mit eigenen Händen wischte ich dann das Blut meiner Mutter auf – das war das Letzte, was ich für sie tun konnte. Wie eine Löwin hatte sie sich für uns Kinder eingesetzt, wenn es darum ging, uns zu verteidigen. Aber in ihrer größten Not hatte ihr niemand geholfen. Damit meine ich weniger, dass die Nachbarn später zu Protokoll gaben, sie hätten Hilferufe gehört – auf die aber niemand reagierte. Nein, ich meine die Zeit der Einsamkeit meiner Mutter, alleine in einem kleinen Appartment, nach außen die erfolgreiche Chefsekretärin, in Wirklichkeit aber eine verzweifelnde Frau, die in Selbstanklagen, Alkohol und Tablettensucht versank.
Bei der Beerdigung meiner Mutter fühlte ich mich leer und gefühllos. Hätte man einen Stein über eine Brücke in den Fluss geworfen – es hätte mich nicht mehr oder nicht weniger interessiert. Aber das war Teil meines seelischen Schockzustandes. Äußerlich hatte ich die Hände in den Hosentaschen, aber innerlich brachen in mir Welten zusammen. Ich hatte tiefe Schuldgefühle, dass ich meine Mutter in der letzten Zeit ihres Lebens so alleine gelassen hatte. Einerseits hatte ich hilflos mit zusehen müssen, wie sie immer mehr verfiel. Andererseits hatte ich das Gefühl, sie im Stich gelassen zu haben, weil ich sie kaum einmal besucht, ihr nicht einmal zum Geburtstag gratuliert hatte.

Ich hatte das Leben eines Egoisten geführt. Das war die traurige Erkenntnis, die mich in diesen Tagen schleichend überwältigte: Du bist ein Egoist! Allerdings nahm ich dies nicht bewusst wahr und erweckte wahrscheinlich nach außen hin den Eindruck, ich könnte auch diesen Schicksalsschlag ganz gut wegstecken.
Ich weiß nicht, wohin diese Entwicklung geführt hätte, wäre mir in dieser Zeit nicht Gott persönlich begegnet. Ich erinnere mich noch genau, dass ich alleine in einem Haus mitten im Wald im Bett lag. Immer stärker stieg in mir das Gefühl der Traurigkeit hoch, ich fing an zu weinen aus Verzweiflung über den Tod meiner Mutter und mein Versagen. Ich hätte ihr so gerne noch meine Liebe und meine Dankbarkeit gezeigt, doch es war zu spät.
Aber da war noch etwas in dem Raum, und heute weiß ich, dass es der Grund war, warum ich zum ersten Mal nach langer Zeit zulassen konnte, dass meine Gefühle herauskamen: Es war Barmherzigkeit! Es ist schwer, das in Worte zu fassen, aber ich spürte, dass jemand da war, der mich durch und durch kannte – und der mich dennoch liebte! Ich fühlte mich schuldig und gleichzeitig bedingungslos angenommen. Auf einmal wusste ich, dass Gott da war. Er verurteilte mich nicht! Mein Zustand war unbeschreiblich. Nirgends fühlte ich mich so meiner Sünde überführt, wie in seiner Gegenwart. Und dennoch lehnte er mich nicht ab! Im Gegenteil, ich fühlte mich so verstanden und angenommen, wie nie zuvor.
Das war es, was mein Herz erweichte, das war der Schlüssel, der den Weg für meine Tränen wieder aufschloss. Ich weinte und weinte, und immer noch von Unglauben und Hoffnung hin und her gerissen, betete ich zum ersten Mal in meinem Leben mit meinen eigenen Worten zu Gott: “Wenn es dich gibt, dann bitte vergib mir mein altes Leben. Und gib mir ein neues Leben!”
Ich war durchdrungen von der Erkenntnis, dass ich eigentlich gar nicht richtig lebte. Ich war ein Egoist! Ich wandelte als lebende Leiche umher: Ich konnte gar nicht richtig lieben. Und ich war unfähig, mich selber aus diesem Zustand zu befreien. Ich konnte nur Gott darum bitten, mir zu helfen. Hätte ich nicht diese bedingungslose, grenzenlose Liebe Gottes zu mir gespürt, ich hätte es nie gewagt, mir meinen wahren Zustand einzugestehen, denn das wäre einem Todesurteil gleich gekommen. Und wer wird sich angesichts der Todesstrafe freiwillig schuldig bekennen, wenn er nicht die Hoffnung auf Begnadigung hat? So war es die Gegenwart der Liebe Gottes, die mir die Tür zu ihm überhaupt erst öffnete.
Während ich diese Worte betete, spürte ich, dass Gott da war und mich hörte. Ich sah keine Gestalt, ich hörte keine Antwort, aber diese Liebe, die mich überflutete, war eine stärkere Antwort, als Worte oder Bilder es je hätten sein können. Wie soll ich es beschreiben? Gott rührte meine Seele an, und das überzeugte mich stärker von seinem Dasein als intellektuelle Argumente das je vermocht hätten. Seit diesem Tag weiß ich, dass es ihn gibt: Einen gerechten und einen liebenden Gott. Und seit damals glaube ich nicht mehr nur, DASS es einen Gott gibt, sondern ich glaube AN ihn.
Nicht mehr auf der Flucht vor Gott
Von diesem Tag an begann ich, den Gott zu suchen, vor dem ich bis dahin weggelaufen war. Ich glaubte aber zu diesem Zeitpunkt weder an Jesus, noch an die Bibel, sondern nur an Gott als allwissenden, gerechten und liebenden Gott. Doch wie sollte ich ihn finden?
In meiner Unbeholfenheit fiel mir nur eines ein: Ich betete jeden Tag ein “Vater unser”, so gut es ging von Herzen. Einige Zeit später traf ich Christen an einem Büchertisch. Ein Mann, der vor mir stand, hatte ihnen eine Frage gestellt, die auch mich beschäftigte: “Wenn es doch nur einen Gott gibt – warum gibt es dann so viele verschiedene Religionen und Kirchen?” Ich weiß gar nicht mehr genau, was man ihm antwortete, ich denke: Auf ihrer Suche nach Gott erfinden Menschen verschiedene Religionen, das Gegenteil davon ist, was Gott selber von sich offenbart. Doch dann wurde ich hellhörig, denn der Mann hinter dem Büchertisch erzählte, es gebe da ein Buch, das sein Leben verändert habe. Früher wäre ich auf diese Bemerkung hin geflohen, denn ich war mit meinem Leben ganz zufrieden gewesen und hätte gar keine Veränderung. gewollt. Aber jetzt war ich an dem Punkt, wo ich genau das wünschte: Ich wollte nicht mehr so bleiben, wie ich war – ich war “hungrig und durstig”!
Zu meinem Erstaunen bot dieser Mann mir das Buch als Geschenk an. Es weckte mein Vertrauen, dass er aus seinem Glauben kein Kapital schlagen wollte, und überhaupt schien er mir ehrlich und sympatisch, und so nahm ich das Buch dankbar und offenherzig an. Es hieß: JESUS UNSER SCHICKSAL und war von einem Jugendpfarrer namens Wilhelm Busch geschrieben worden. Sogleich, noch auf dem Heimweg mit Bus und U-Bahn, fing ich an, dieses Buch zu lesen.
Mir kam es vor, als träfe ich einen alten Bekannten wieder. Ich hatte Gott in jener Nacht erlebt und in gewisser Weise persönlich kennengelernt. Und beim Lesen dieses Buches erkannte ich die Stimme dessen wieder, dem ich schon einmal persönlich begegnet war, ohne seinen Namen zu kennen: Jesus! Mit fliegenden Fahnen lief ich zu ihm über.
Ich lernte in dem Buch auch, dass ich mit Gott ganz frei sprechen kann, nicht nur vorformulierte Gebete. Das hat mir sehr geholfen: Ich kann mit Gott reden wie mit einem echten Freund oder wie mit einem guten Vater – ehrlich und offen, mit einem gewissen Respekt, aber doch so, wie mir der Schnabel gewachsen ist! Ich kann ihm alles sagen, was mich beschäftigt. Heute denke ich, dass das Reden mit Gott der entscheidende erste Schritt von einem Kopfglauben zu einer lebendigen, persönlichen Beziehung ist.
Und ist es mit uns Menschen nicht genauso: Nur wenn wir miteinander reden, können wir uns besser kennenlernen und wirklich verstehen. Wenn die Menschen immer nur über einander nachgedacht hätten, wären wir schon ausgestorben!
Außerdem wurde mir die Wichtigkeit der Bibel als Gottes Wort klar. Wenn ich bete, rede ich mit Gott. Die Bibel ist ein Weg, wie Gott mit mir redet. Und er hat offensichtlich eine Menge zu sagen! So begann ich, die Bibel richtig zu verschlingen, fing diesmal allerdings mit dem Neuen Testament an, das für Neueinsteiger auch wesentlich leichter verdaulich ist als das Alte. (von meinem Bruder Armin Held)

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