Kurz gesagt: Anderen zu vergeben beginnt mit einer Entscheidung des Willens, nicht mit einem Gefühl. Die Quellen auf soulsaver.de begründen das damit, dass Gott uns selbst eine riesige Schuld vergeben hat und Jesus die Vergebung untereinander ausdrücklich fordert. Wer es nicht aus eigener Kraft kann, darf Jesus um Hilfe bitten. Die Gefühle folgen oft erst später, und alte Gedanken können noch eine Zeit lang wiederkehren.
Warum sollen wir anderen vergeben?
Corrie ten Boom sagt in ihrem Zeugnis, die Botschaft, dass Gott vergibt, habe eine vordringliche Bedingung: dass wir denen vergeben, die uns Schaden zugefügt haben. Sie verweist dabei auf Jesus, der gesagt hat, der himmlische Vater werde uns unsere Übertretungen auch nicht vergeben, wenn wir den Menschen ihre nicht vergeben. Auch aus ihrer Erfahrung: Wer seinen früheren Feinden vergeben konnte, konnte sein Leben neu in die Hand nehmen. Wer seine Verbitterung hegte, blieb auch geistig „Invalide“ („Corrie ten Boom, ein wunderbares Beispiel für Vergebung“).
Ein weiterer Beitrag erinnert daran, dass uns eine „Unsumme“ vergeben wurde. Deshalb sollen wir nicht zögern, anderen eine Schuld „in Taschengeldhöhe“ zu vergeben, wie es das Gleichnis in Matthäus 18,23–25 zeigt („Wann hast du zuletzt jemandem vergeben?“).
Wie geht Vergebung praktisch?
- Vergebung ist eine Tat des Willens. Corrie ten Boom schreibt, Vergebung sei keine Emotion. Der Wille könne tätig sein, egal wie kalt das Herz sei (Quelle).
- Um Hilfe bitten. Sie betete: „Jesus, hilf mir! Ich kann meine Hand hochheben. So viel kann ich tun. Du musst die Gefühle dazu geben!“ Danach habe sie, so berichtet sie, Gottes Liebe und Wärme erlebt und dem früheren Aufseher von Herzen vergeben (Quelle).
- Auf Gott vertrauen, nicht auf Gefühle und Gedanken. Wenn nach der Vergebung die alten Gedanken wiederkommen, sei das nach dem Rat eines Pastors wie das Ausschwingen einer Glocke, nachdem man das Seil losgelassen hat. Die Gedanken wurden mit der Zeit schwächer und hörten auf (Quelle).
- Keine „Belege“ gegen andere aufbewahren. Corrie ten Boom verbrannte Briefe, in denen sie die Schuld anderer schwarz auf weiß aufbewahrt hatte. Sie bat Jesus darum, ihr zu vergeben, dass sie die Belege so lange behalten hatte (Quelle).
Auch nach schwerem Unrecht?
Die Quellen nennen Beispiele für Vergebung nach schwerstem Unrecht. Louis Zamperini war im Krieg in japanischer Gefangenschaft gefoltert worden. Nachdem er mit Gott ins Reine gekommen war, besuchte er später ehemalige Peiniger, umarmte sie und sprach ihnen seine Vergebung aus (Quelle). Der Beitrag verweist auf Jesu Aufforderung in Lukas 6,27–28, die Feinde zu lieben und für die zu beten, die uns beleidigen. Er fügt hinzu, dass Jesus auch die Kraft dazu gibt.
Wilhelm Busch erzählt von einem Gefangenen im Konzentrationslager, der nach dem Krieg seinen früheren Lagerleiter mit Torte zum Kaffee besuchte. Sein Grund: „Ich bin ja Gottes Kind, kann verzeihen“ (Quelle).
Häufige Anschlussfragen
Muss ich mich dabei gut fühlen?
Nein. Nach Corrie ten Boom ist Vergebung eine Entscheidung. Gute Gefühle könne man nicht bewahren, man könne sie sich nur täglich frisch von Gott holen (Quelle).
Was, wenn ich selbst auch schuldig bin?
Ein Beitrag über Yehiel Dinur und Charles Colson hält fest, dass die Sünde in jedem Menschen steckt. Colson habe Frieden mit Gott gefunden, als er Gott um Vergebung aufgrund des Blutes von Jesus Christus bat (Quelle).
