Gelten die Gebote des Alten Testaments noch für Christen?

Kurz gesagt: Die Gesetze vom Sinai wurden dem Volk Israel für ein bestimmtes Zeitalter gegeben; durch Christus hat dieses Zeitalter sein Ziel erreicht. Christen werden nicht durch Gesetzeswerke gerettet, sondern aus Gnade durch den Glauben. Als Maßstab, der Sünde aufdeckt, bleibt das Gesetz wichtig. Die jüdischen Speisegebote, etwa das Verbot von Schweinefleisch, gelten für Christen nicht mehr, und auch beim Sabbat sprechen die Quellen von Freiheit und von der Ruhe, die Gott im Glauben schenkt.

Was ist mit „dem Gesetz“ gemeint?

Der Bibellehrer Roger Liebi weist in seinem Skript „Gesetz und Gnade“ (Skript) darauf hin, dass „Gesetz“ in der Bibel Verschiedenes meint. Die Zehn Gebote bilden die Grundlage des Gesetzes vom Sinai (2. Mose 20): Die ersten vier betreffen das Verhältnis zu Gott, die übrigen das Verhältnis zu den Mitmenschen. Alle weiteren Gesetze ab 2. Mose 21 versteht Liebi als Auslegung und Weiterführung dieser Gebote. Das Gesetz selbst nennt er heilig, gerecht und gut (Römer 7,12).

Gilt das Gesetz vom Sinai für Christen noch?

Liebi beschreibt das Gesetz vom Sinai als Zeitalter „vom Sinai nach Golgatha“. Er verweist auf Johannes 1,17: „Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden.“ Ebenso nennt er Römer 10,4: „Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.“ Das Gesetz war ein Zuchtmeister auf Christus hin (Galater 3,24, Skript). Dazu passt die Videobeschreibung „Der Christ und das Gesetz“ (crosspaint.tv): Das Gesetz sei Erzieher auf Christus hin, wer in Christus gestorben ist, lebe nicht mehr unter seiner Knechtschaft.

Heißt das, das Gesetz sei bedeutungslos? Nein. Nach Liebi bringt es Sündenerkenntnis (Römer 3,20; 7,7) und weist auf den kommenden Erlöser hin. Die Videobeschreibung „Für wen gilt das Gesetz heute?“ sagt ebenso, es mache den Menschen „durstig“ nach Gnade und gehöre darum in jede Verkündigung des Evangeliums (crosspaint.tv). Für Christen spricht Liebi vom „Gesetz des Christus“, das aus Liebe zu Gott durch die Kraft des Heiligen Geistes gelebt wird, nicht als Werksgerechtigkeit.

Warum rettet das Halten der Gebote nicht?

Der Artikel „Die Gnade Gottes“ erklärt: Wer die Zehn Gebote vollkommen halten könnte, hätte keine Rettung nötig. Gnade gilt denen, die das Gesetz gebrochen haben. Die Erlösung ist ein Geschenk, das man im Glauben annimmt, kein Lohn für gute Werke (Römer 4,4–5). Kommen eigene Verdienste hinzu, ist Gnade nicht mehr Gnade (Römer 11,6; so auch in „Viele singen ‚Amazing Grace‘ …“).

Dürfen Christen Schweinefleisch essen?

Ja. Der Artikel „Was sagt die Bibel zum Veganismus aus moralischen Gründen?“ erklärt: Schweinefleisch war nach dem mosaischen Gesetz verboten (3. Mose 11,7), die Juden sahen es als zeremoniell unrein an. Unter dem Neuen Bund gehe es um geistliche Heiligkeit. Jesus sagte, nicht was in den Mund hineingehe, verunreinige den Menschen, sondern was aus dem Mund herauskomme (Matthäus 15,11). Paulus war überzeugt, dass nichts von sich aus unrein ist (Römer 14,14), und warnte vor Menschen, die gebieten, sich von Speisen zu enthalten (1. Timotheus 4,1–4: „… alle Kreatur Gottes ist gut, und nichts ist verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird“). Petrus wurde durch eine Vision korrigiert: „Was Gott gereinigt hat, das mache du nicht gemein“ (Apostelgeschichte 10,15). Die Speisevorschriften in Apostelgeschichte 15 versteht der Artikel als Rücksicht in einer Übergangszeit. Er mahnt zugleich zur Rücksicht auf andere (Römer 14,20).

Auch der Beitrag „Gottes Speiseplan“ von crosspaint.tv betont, dass die Bibel keinen festen Speiseplan vorgibt, und warnt vor Verboten bestimmter Speisen (crosspaint.tv).

Müssen Christen den Sabbat halten?

Der Artikel „Die Welt dreht sich auch ohne uns“ erklärt, Gott habe Israel das Sabbatgebot als Zeichen gegeben, dass er es aus der Sklaverei befreit hat. Es sollte nicht knechten, sondern ein besseres Leben ermöglichen. Entscheidend sei die tiefe Sabbatruhe der Seele, die man in Gott findet. Im Hebräerbrief heißt es dazu, dass wir, die wir zum Glauben gelangt sind, in die Ruhe eingehen (Hebräer 4). Eine Liste neutestamentlicher Anweisungen nennt zum Thema Speise, Feiertage und Sabbate die Stellen Kolosser 2,14–17 und Römer 14,5–7 (Quelle). Eine Aussage zum Sonntag enthalten die Quellen nicht.

Häufige Anschlussfragen

Darf ich dann einfach leben, wie ich will?

Nein. Liebi beschreibt das Gesetz des Christus als anspruchsvoller, nicht als lockerer: Statt „Du sollst nicht ehebrechen“ heißt es etwa, die eigene Frau so zu lieben, dass man sein Leben für sie hingibt (Epheser 5,25; Skript).

Wozu dann die Gebote des Alten Testaments?

Sie zeigen, was Sünde ist, und weisen auf Christus. Liebi nennt auch praktische Schutzfunktionen, etwa bei Hygiene und Nahrung (3. Mose 11).

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