Wer hat Gott gemacht?

Kurz gesagt: Niemand hat Gott gemacht. Gott ist ewig, also zeitlos – er hat keinen Anfangspunkt. Die Frage nach einer Ursache stellt sich nur für Dinge innerhalb von Raum und Zeit, also für die Welt, die Gott geschaffen hat. Auf Gott selbst angewendet, ist die Frage ein Denkfehler.

Woher kommt die Frage?

„Wer hat Gott gemacht?“ fragen schon Kinder. Nach unserem Alltagsverständnis entsteht nichts aus dem Nichts: Was einen zeitlichen Ablauf hat, hat auch eine Ursache. Daraus folgern viele schnell: Wenn Gott die Ursache der Welt ist, muss auch er eine Ursache haben („Wer hat Gott gemacht?“).

Diesen Gedanken hat der britische Philosoph Bertrand Russell 1927 in seinem Essay „Why I am Not a Christian“ zugespitzt: Wenn alles eine Ursache haben muss, dann auch Gott – und ein Gott mit Ursache wäre nicht Gott. Damit wollte er zeigen, dass es keinen Gott gibt (Quelle).

Warum die Frage nicht auf Gott passt

Der Artikel „Wer hat Gott gemacht?“ nennt das einen Kategoriefehler, also einen Fehlschluss, bei dem man eine Regel auf etwas anwendet, für das sie nicht gilt. Um das zu sehen, muss man sich anschauen, von welchem Gott die Rede ist:

  • Gott ist ewig, also zeitlos. Für ihn lässt sich kein Anfangspunkt setzen, weil er von Ewigkeit her da ist.
  • Gott hat das Universum aus dem Nichts gemacht und erhält es.
  • Die Zeit gehört zur Schöpfung. Nur in unserer Welt, die von der Zeit geprägt ist, kann man sinnvoll nach einem Urheber fragen.

Die Regel „Alles hat eine Ursache“ gilt also für alles, was einen Anfang hat – nicht für den, der keinen Anfang hat. Deshalb nennt der Artikel die Frage, wer Gott gemacht hat, absurd (Quelle).

Ein Gedanke zum Anfang des Universums

Die heutige Kosmologie geht davon aus, dass das Universum einen Anfang hatte. Der Artikel weist darauf hin, dass sich manche Atheisten ein Universum ohne Anfang wünschen würden. Denn was schon immer existiert, braucht keinen Urheber, und die Frage „Wer hat das Universum gemacht?“ wäre dann sinnlos. Mit derselben Begründung wäre aber auch die Frage „Wer hat Gott gemacht?“ sinnlos – denn Gott hat, wenn es ihn gibt, schon immer existiert (Quelle).

Mit anderen Worten: Wer für ein ewiges Universum keinen Urheber verlangt, kann ihn für einen ewigen Gott ebenso wenig verlangen.

Die wichtigere Frage

Statt bei der Frage nach Gottes Ursache stehen zu bleiben, lädt der Artikel dazu ein, über den Urheber selbst nachzudenken: Wer könnte er sein? Welche wunderbaren Dinge hat er ins Dasein gerufen? Und was hat ihn wohl dazu bewogen, dir ein Leben zu schenken? Am Ende steht die persönliche Frage: „Warum darf ich existieren?“ (Quelle).

Häufige Anschlussfragen

Wenn Gott keinen Anfang hat – hat dann das Universum auch keinen?

Nach dem Quellartikel nicht: Die heutige Kosmologie geht davon aus, dass das Universum einen Anfang hatte. Gott dagegen ist ewig und hat das Universum aus dem Nichts erschaffen (Quelle).

Beweist die Frage, dass es keinen Gott gibt?

Nein. So hat es Bertrand Russell gemeint, doch die Frage beruht auf einem Kategoriefehler: Sie überträgt eine Regel aus der zeitlichen Welt auf den zeitlosen Gott (Quelle).

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