Kurz gesagt: Gott ist Geist und hat keinen Körper – er ist also weder Mann noch Frau im menschlichen Sinn. Aber er hat sich in der Bibel durchgehend als „Vater“ offenbart und wird immer mit männlichen Namen, Titeln und Pronomen bezeichnet. Wer Gott „Vater“ nennt, betet darum keinen männlichen Gott an, sondern folgt der Art, wie Gott selbst sich gezeigt hat.
Gott ist Geist, nicht Mensch
Gott ist eine Person: Er hat Verstand, Willen und Gefühle, er kommuniziert und pflegt Beziehungen. Aber er ist kein körperliches Wesen. „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Johannes 4,24). Darum hat er auch keine körperlichen menschlichen Eigenschaften („Ist Gott männlich oder weiblich?“).
Wenn die Bibel trotzdem in Bildern von Gottes Händen oder Augen spricht, nennt man das „Anthropomorphismus“: Gott beschreibt sich in menschlichen Bildern, damit wir als körperliche Wesen etwas von ihm verstehen können (Quelle).
Was bedeutet „nach Gottes Bild geschaffen“?
Mann und Frau sind beide nach Gottes Bild geschaffen (1. Mose 1,26–27). Das hat aber nichts mit dem Körper zu tun. Gemeint ist der geistige Teil des Menschen: Verstand, Wille, Gefühle, Gewissen und die Fähigkeit zur Beziehung mit Gott. Dass es Männer und Frauen gibt, heißt deshalb nicht, dass Gott männliche oder weibliche Körpermerkmale hätte (Quelle).
Warum nennt die Bibel Gott „Vater“?
Gott hat selbst gewählt, wie er sich offenbart. Und das Muster der ganzen Bibel ist eindeutig (Quelle; „Jesus lehrte seine Jünger, Gott als Vater anzusprechen.“):
- Schon im Alten Testament nennt Gott Israel seinen Sohn (2. Mose 4,22; Hosea 11,1). Propheten und Psalmen reden Gott als Vater an (Jesaja 63,16; Psalm 103,13).
- Jesus spricht immer wieder vom „Vater“ und lehrt seine Jünger, Gott so anzusprechen. Er sagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10,30).
- Fast alle Briefe des Neuen Testaments beginnen mit dem Gruß von „Gott, unserm Vater“ (Römer 1,7).
- Altes und Neues Testament verwenden für Gott durchgehend männliche Pronomen.
- Jesus selbst kam als Mann in die Welt, um am Kreuz für die Sünden der Welt zu sterben.
Der Artikel „Ist Gott männlich oder weiblich?“ fasst zusammen: Gott ist kein Mann, aber er hat eine männliche Form gewählt, um sich zu offenbaren – damit wir leichter begreifen, wer er ist. Zugleich sollen wir ihn nicht in eine Schublade stecken, die seiner Natur nicht gerecht wird.
Und die mütterlichen Bilder in der Bibel?
Jesaja 66,13 vergleicht Gottes Trost mit dem Trost einer Mutter. Das ist ein Vergleich, aber keine Aussage über Gottes Wesen: Gott kann trösten wie eine Mutter, aber er ist von Ewigkeit her Vater (Quelle).
Pastor Dr. Stefan Felber weist außerdem darauf hin: Die Nachbarreligionen Israels kannten Göttinnen und Muttergottheiten, die oft mit der Erde und der Fruchtbarkeit verbunden waren. Israel kannte keine. Hebräische Personennamen enthalten oft „Vater“ in Verbindung mit Gott (etwa Joab, „Jahwe ist Vater“), aber keine „Mutter“. Die Vorstellung einer Muttergottheit, die die Erde gebiert, hebt die Trennung von Schöpfer und Geschöpf auf. Wenn wir Gott „Vater“ nennen, beten wir also nicht einen männlichen Gott an (Hosea 11,9), sondern den, der seiner Schöpfung gegenübersteht und sich ihrer frei erbarmt (Quelle).
Darf man Gott „Mutter“ nennen?
Nach dem Artikel „Jesus lehrte seine Jünger, Gott als Vater anzusprechen.“ nicht: Die ganze Offenbarung steht dagegen. Wer Gott weibliche Namen und Titel gibt, wie etwa die „Bibel in gerechter Sprache“, verliert das Besondere der biblischen Offenbarung. Die Freude am Ruf „Abba, lieber Vater“ (Römer 8,15; Galater 4,6) bleibt nur erhalten, wenn man den Bibeltext unverändert lässt.
Häufige Anschlussfragen
Ist die Vater-Anrede nur ein Überbleibsel einer patriarchalen Zeit?
Manche Theologen sehen das so. Die Quellen widersprechen: Die Vater-Anrede geht auf Gottes eigene Selbstoffenbarung zurück und zieht sich vom Alten Testament über Jesus bis zu den Briefen des Neuen Testaments (Quelle).
Was ist von Darstellungen Gottes als Frau zu halten, etwa im Roman „Die Hütte“?
Im Roman „Die Hütte“ erscheint Gott, der Vater, als Frau. Die Besprechung auf soulsaver.de nennt die Vorstellung eines geschlechtslosen Vaters eine philosophische, keine biblische Erklärung: Der Vater der Bibel hat sich grundlegend als „Vater“ und nicht als „Mutter“ offenbart („Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“).
