Kurz gesagt: Nein. Was Gläubige und Atheisten trennt, ist die Weltanschauung, nicht die Naturwissenschaft. Wissenschaft erforscht, wie die Welt funktioniert; die Frage nach Gott kann sie mit ihren Methoden weder beweisen noch widerlegen. Die moderne Naturwissenschaft ist sogar auf dem Boden des christlichen Glaubens entstanden, und viele große Forscher waren überzeugte Christen.
Woher kommt die Behauptung, Glaube und Wissenschaft seien Gegensätze?
Bekannte Vertreter des Neuen Atheismus stellen Glauben als „blind“ und die Wissenschaft als allein „auf Belegen“ beruhend dar (Quelle). Der Oxforder Mathematiker John Lennox hält dagegen: „Was Gläubige und Atheisten trennt, ist die gegensätzliche Weltanschauung, nicht die Naturwissenschaft“ („Hat die Wissenschaft Gott begraben?“). Der Artikel „Es gibt keinen ‚Krieg‘ zwischen Wissenschaft und Christentum“ zeigt: Wer Wissenschaft von vornherein rein naturalistisch definiert, bringt eine philosophische Vorentscheidung mit. Forschung sollte aber den Belegen folgen dürfen, wohin sie auch führen.
Warum kann Wissenschaft Gott nicht beweisen oder widerlegen?
Der Physiker Hans Peter Dürr erzählte ein Gleichnis: Ein Fischer fängt mit einem Netz, dessen Maschen fünf Zentimeter weit sind, und folgert: Alle Fische sind mindestens fünf Zentimeter lang. Was er nicht fangen kann, ist für ihn kein Fisch. So arbeitet Wissenschaft – und so muss sie arbeiten. Doch manche „Fische“ gehen prinzipiell nicht ins Netz, etwa die Frage nach Schönheit oder nach Gott, der uns samt all unseren Netzen geschaffen hat („Glaube und Wissenschaft: Ein Gegensatz?“).
Der Artikel „Wissenschaft – Die neue Weltreligion“ ergänzt: Naturgesetze erforscht man durch wiederholte Beobachtung. Ließe sich Gott so nachweisen, würde er sich wie ein Naturgesetz verhalten, und wir könnten ihn beherrschen. Seine Unbeweisbarkeit hat also einen Grund. Mit der historischen Methode dagegen lässt sich durchaus untersuchen, was nach der Kreuzigung Jesu geschah.
Lennox vergleicht: Wer einen Automotor untersucht, findet darin nicht Henry Ford. Wer aber fragt, wie der Motor entstanden ist, kommt an Henry Ford nicht vorbei (Quelle).
Beruht nicht auch Wissenschaft auf Vertrauen?
Ja. Jeder Forscher setzt voraus, dass die Naturgesetze überall und jederzeit gleich gelten – beweisen kann er das nicht (Quelle). Und wenn unser Verstand nur ein Produkt geistloser Materie wäre: Warum sollten wir ihm trauen? Viel sinnvoller ist die Annahme, dass hinter der Welt eine schöpferische Intelligenz steht. Darum lohnt es sich zu forschen („Sind Glaube und Wissenschaft Gegensätze?“).
Was sagt die Bibel über Forschung und Verstand?
Die Bibel ruft dazu auf, den Verstand zu gebrauchen, aber auf Gott zu vertrauen statt auf den eigenen Verstand. Jesus sagt, wir sollen Gott auch mit unserem ganzen Verstand lieben (Matthäus 22; Quelle). Psalm 111,2 gilt als Einladung zur Forschung: „Groß sind die Werke des HERRN; wer ihrer achtet, der hat eitel Lust daran.“ Nach Römer 1,19–20 ist Gottes unsichtbares Wesen an seinen Werken erkennbar (Quelle). Gott lässt sich nicht beweisen, aber erkennen – in der Schöpfung und ganz persönlich in Jesus Christus.
Glaubten große Wissenschaftler an Gott?
Viele, ja. Die moderne Naturwissenschaft entstand im jüdisch-christlichen Denken, im Vertrauen auf eine geordnete Welt (Quelle; Quelle). Über dem Eingang des berühmten Cavendish-Labors in Cambridge ließ James Clerk Maxwell Psalm 111,2 anbringen. Einstein hatte Bilder von Newton, Faraday und Maxwell im Arbeitszimmer – alle drei glaubten fest an den Gott der Bibel (Quelle). Max Planck schrieb: „Religion und Naturwissenschaft schließen sich nicht aus, wie heutzutage manche glauben und fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander“ („Glauben berühmte Wissenschaftler an Gott?“).
Häufige Anschlussfragen
Glauben intelligente Menschen seltener an Gott?
Die Gottesfrage hängt nicht von der Mehrheitsmeinung einer Berufsgruppe ab. Spitzenforscher sind oft hoch spezialisiert und darum nicht automatisch kompetenter in der Frage nach Gott als andere (Quelle).
Müssen Christen der Wissenschaft misstrauen?
Nein. Wissenschaft hat, besonders in der Medizin, viel Segen gebracht. Christen, die Wissenschaft ablehnen, stellen sich gegen die Bibel, die Wissen und Vernunft gutheißt (Quelle).
