Gran Torino


Endlich wieder ein intelligenter Film. Mit Gran Torino ist Altmeister Clint Eastwood, der als Regisseur und Hauptdarsteller agiert, ein Volltreffer gelungen. Wer hätte gedacht, dass die Geschichte eines alten Knackers derart fesselnd sein kann?


Gran Torino erzählt die Geschichte des Vietnamveterans Walt Kowalski, der als greisender Sturkopf nicht einsehen will, warum er aus seinem mittlerweile von Asiaten dominierten Heimatviertel ziehen soll. Kurz zuvor ist seine Frau gestorben und nun sieht er als Einzelkäpfer nur noch Feinde um sich. Als Rassist verachtet Kowalski – ironischerweise selbst polnischer Herkunft – die überwiegend ausländische Nachbarschaft und auch seine Söhne wollen ihn im Altersheim abstellen. Doch Walt ist stur und verbittert. Er käme nicht auf die Idee, sein Revier aufzugeben. Er lässt sich von niemand etwas sagen und sitzt den ganzen Tag auf der Veranda, schüttelt über ungezogene Jugendliche den Kopf und schnauzt jeden an, der sich seinem Grundstück nähert.


Neben ihm ist eine asiatische Hmong-Familie eingezogen, die er hauptsächlich als Gefahr für die patriotische amerikanische Lebensweise – und ihn als letzten wirklichen Verfechter derselben – ansieht. Ausländer und Schwarze sind für ihn Synonym für den Verfall Amerikas und er tut alles, um nicht mit ihnen reden zu müssen. Kontakt gibt es nur, wenn er pöbelnden Jugendlichen seine Flinte ins Gesicht hält. Denn als alter Knochen sorgt er für Recht und Ordnung in seiner Gegend. Nicht um der Nachbarn willen, sondern aus Prinzip. So kommt es, obwohl er für die Nachbarn nur Beleidigungen und Hass übrig hat, zu Annäherungen, als er den Sohn aus dem Haus nebenan vor einer Jugendgang beschützt. Nicht um dem Sohn willen, sondern weil er Ruhe haben will auf seiner Veranda.


Es stellt sich dem Zuschauer die Frage, wieso dieser alte Grobklotz derart hart, verbittert und zynisch ist. Liegt es am Tod seiner Frau? Niemand scheint er an sich heranzulassen. Niemandem öffnet er sich. Selbst mit seinem Kumpel, dem italienischstämmigen Friseur unterhält er sich nur codiert, denn ihre Unterhaltungen verpacken die Beiden in rassistische Beleidigungen. Walt ist zerfressen von seiner eigenen Bitterkeit. Er ist gefangen in seiner Unfähigkeit, sich mit anderen zu freuen. Ein trostloser kalter Lebensabend steht ihm bevor.


Durch seine eigenmächtigen Sheriffaktionen kommt es schließlich aber doch zu dem, was Walt um jeden Preis verhindern wollte: Er beginnt, seine Nachbarn zu mögen. Für den Nachbarsjungen Thao nimmt er sogar die Rolle des verstorben Vaters ein und lehrt ihm verschiedene praktische Lektionen des Mannseins. Aus dem rückgratlosen Ja-Sager Thao wird langsam ein Junge mit eigener Meinung. Die beiden Freunden sich an, auch wenn Walt das nie zugeben würde. Nach wie vor kleidet er alle Aussagen in harte strenge Einsilbigkeit. Nach wie vor hat er keinen inneren Frieden.


Die Auseinandersetzungen mit den Jugendgangs schaukeln sich hoch, bis schließlich eines nachts Thaos Haus aus einem vorbeifahrenden Auto mit Schüssen durschsiebt und seine Schwester vergewaltigt wird. Thao ist außer sich. Wollte der schüchterne Junge sich bisher aus derlei Streitereien raushalten, sinnt er nun nur noch auf eines: Rache! In Walt meint er einen Freund zu haben, der ihn in diesem Bestreben nachvollziehen und unterstützen kann. Walt ist tatsächlich genau der richtige Mann für gerechte Selbstjustiz. Doch nun bremst er Thao. In Walts Denken haben sich in jüngster Zeit Konstanten geändert, die sich sein Leben lang gefestigt haben. Wie konnte es dazu kommen, dass er sich plötzlich mit Asiaten befreundete, die er früher in Vietnam bekämpft hatte? War er sein Leben lang auf dem falschen Weg gewesen? Und außerdem: Vielleicht hat seine bisherige Denkweise etwas mit seinem Unfrieden zu tun? Seine verstorbene Frau hätte ihm in Punkto Seelenfrieden wohl die katholische Kirche empfohlen. Sie hatte sogar den jungen Priester auf ihn angesetzt, damit er ihren größten Wunsch wahr werden lässt: Walt bei der Beichte. Doch der Rentner hält beide – Frau und Priester – für naiv und abergläubisch. Lächerlich, wie der grünschnäbelige Jungpriester ihm etwas über Leben und Tod erzählen will.


Nun, nachdem Walt die Hmong-Nachbarn näher kennenlernte, ahnt er, dass es vielleicht doch eine Lösung für seinen über Jahre konstanten Unfrieden geben könnte. Er überrascht Thao, der sich Walts Hilfe für die geplante Blutrache sicher ist, indem er ihn im Keller einsperrt. Thao ist rasend, denn er will unbedingt eigenhändig bei der Wiederherstellung der Gerechtigkeit mithelfen. Doch Walt schreit ihn nieder: „Ich habe bereits Blut an den Fingern! Du weist nicht, wie schlimm es ist, einen Menschen getötet zu haben! Ich schon! Das werde ich dir ersparen! Ich habe in Vietnam unschuldige Kinder, die um Hilfe gebettelt haben, erschossen! Das verfolgt mich mein ganzes Leben! Ich werde ohne deine unschuldigen Hände für Gerechtigkeit sorgen!“. Durch dieses Geschrei lässt Walt endlich raus, was die Ursache für seine Härte und Bitterkeit ist: Schuld! Es war ihm unmöglich, seine Schuld aus dem Vietnamkrieg zu verarbeiten. Denn er tötete nicht nur auf Befehl, sondern auch eigenmächtig. Diese Schuld hat ihn sein Leben lang gefangengenommen. Sie hat ihn zu einem einsamen, ruhe- und freudlosen Mann gemacht. Doch jetzt sieht er eine Möglichkeit, sie wieder gutzumachen. Bevor er zu der Jugendgang aufbricht, erledigt er alles, wofür es bald zuspät sein könnte. Er erfüllt sogar seiner verstorbenen Frau ihren Wunsch und geht zur Beichte. Nachdem er einige vergleichsweise kleine Schulden gebeichtet hat, sagt ihm der Jungpriester: „Bete 10 Gebete. Deine Schuld ist dir vergeben.“. Lächerlich! Wie könnten ein paar Gebete Schuld bezahlen? Doch Walt tut es seiner Frau zuliebe. Der Priester fragt ihn im Gehen, wie es mit Walts Seelenfrieden aussähe. Walt lächelt zurück und sagt: „Keine Sorge, den habe ich.“, wissend, dass er ihn nicht von dem religiösen Ritual bekam, sondern weil er nun durch das Verbrechen der Jugendgang endlich bezahlen und wiedergutmachen kann. Nur durch Bezahlen der Schuld, da ist sich Walt sicher, kann seine Seele Ruhe finden. Schließlich macht er sich auf den Weg. Er postiert sich vor dem Haus der Gang, bis die Jugendlichen herauskommen und zahlreiche Pistolen auf ihn gerichtet sind. Er greift in seine Jacke, an die Stelle, wo er gewöhnlich seinen Revolver versteckt. Als er seine Hand ruckartig aus der Jacke zieht, streckt ihn ein Kugelhagel aus vielen Händen nieder. Walt stirbt mit einem zufriedenen Lächeln. Denn durch die vielen Zeugen wird die Gang nun für Jahre eingesperrt. Thaos Familie hat endlich Ruhe. Walt hat seine Schuld mit dem Tod bezahlt. Kurz vor seinem Tod hatte Walt nach Jahrzehnten wieder ein paar schöne zufriedene Stunden, denn seine Schuld war endlich gesühnt.


Gran Torino identifiziert mit messerscharfer Präzision eine Ursache für Unfrieden im menschlichen Herzen: Schuld. Es gibt viele Ansätze, damit fertig zu werden. Man kann sie verdrängen. Man kann sie als Nichtexistent bezeichnen. Man kann versuchen, besonders gerecht zu sein, um die Schuld wieder aufzuwiegen. Doch Gran Torino zeigt den einzigen Weg, der einem schuldigen Menschen trotzdem wieder den Seelenfrieden zurückgeben kann: Die Schuld muss bezahlt werden. Sie muss gesühnt werden. Sonst lauert sie im unbewussten Hintergrund und kommt wieder.


Nicht nur Walts Unfrieden hing mit seiner Schuld zusammen. Schuld ist das grundlegende Problem jedes Menschen. Nicht jeder hat einen Menschen getötet, doch vor Gott sind alle schuldig. Schuld ist nicht nur eine Ursache für Ruhelosigkeit, sondern auch der Grund, warum uns Gott nicht in den Himmel lassen kann. Sie muss erst bezahlt werden. Doch kein Mensch ist würdig und fähig, das nötige Opfer zu bringen. Deswegen wurde Gott selbst Mensch und starb an unserer Stelle für unsere Schuld. Jesus Christus hat am Kreuz für unsere Schuld bezahlt. Wer an ihn glaubt, dem ist alle Schuld vergeben. Jesus hat den nötigen Preis an unserer Stelle bezahlt.

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