I See A Darkness – Der Selbstmordversuch des Johnny Cash

Oktober des Jahres 1967. Er kroch tiefer in die Finsternis, in die totale Einsamkeit, tiefer in den Schlund der Nickajack-Höhle. Vor vielen, vielen Jahren hatten sich dort während des Amerikanischen Bürgerkriegs Truppen beider Seiten vor dem Feind verkrochen. Nun verkroch sich der große Johnny Cash, der “Man in Black” in dieser Höhle. Vor dem Leben.
Im Schein der Taschenlampe waren viele Namen der Soldaten und ihren Botschaften an den Feind zu lesen wie: „Jeff Davis, burn in Hell!“  Die Soldaten hatten sich damals dort versteckt, um vor dem Tod zu fliehen, doch John kroch weiter in die Dunkelheit um dort dem Tod zu begegnen. Seine Einsamkeit glich der des verwundeten Tigers im Dschungel, der einen einsamen Platz zum Sterben sucht. Ein Platz um ungesehen aus dieser Welt zu verschwinden, dem Spott der Augen zu entgehen, die früher seine Erscheinung, seinen Blick und seine Kraft gefürchtet hatten. Einen Ort ewiger Finsternis, jenseits des Lichts und der Stimmen.    

Die Glühbirne seiner Taschenlampe leuchtete nur noch schwach. Sie gab einen guten Spiegel seiner Seele ab. Die künstliche Energie aus den Batterien war fast verbraucht, genauso wie seine Kraft, die er in den letzten Jahren auf Tour mit tausenden von Amphetaminen und anderen Tabletten künstlich aufrecht erhalten hatte. Er konnte noch ein paar Soldatennamen an der sich verengenden  Wand wahrnehmen, ehe die Lampe verlosch.
John kroch ohne Licht  weiter. Er war nur noch der Schatten eines Mannes. Seine Augen waren dunkle Höhlen, seine Schultern hingen schlaff herab, trotz seiner Größe von 1.87 war er auf unter 70 Kilo abgemagert. Doch hier im Dunkel konnte das niemand mehr sehen. Hier im Dunkel der Höhle war er nun selbst zu einem Schatten geworden. Er ließ alle Dinge hinter sich: seinen Ruhm auf der Bühne, seine erfolgreichen Alben, seine zerbrochene Ehe, seine unerfüllten Träume, seinen Vater, der ihn nie akzeptiert hatte, seinen toten Bruder Jack, seine Mutter und ihre Gospel-Songs, die ihn früher mit Hoffnung erfüllt hatten. Und seinen Glauben an Gott, den er aus diesen Liedern gezogen hatte. Vor ihm öffnete sich das Nichts. Hoffnungslosigkeit erfüllte ihn so tief, wie er sie noch nie zuvor gespürt hatte, nicht einmal beim Tod seines geliebten Bruders. Alles was er noch wahrnahm,  waren der nasse Fels in dem engen Gang, durch den er kroch, der Modergeruch, der ihm aus der Tiefe entgegen drang und die Temperatur der Höhle, die immer weiter anstieg. „Ich sehe nur Finsternis. Vollkommene Finsternis. So weit von Gott entfernt war ich noch nie…“ dachte John. „Meine Trennung von Gott ist nun vollkommen. Sie erfüllt mich mit der tiefsten und verheerendsten Einsamkeit die ich in all den Jahren empfunden habe.“ 

Wie lange er nun in das Labyrinth der Höhle gekrochen war, wusste er nicht, aber gemessen an den leeren Batterien mussten es wohl Stunden gewesen sein…

John hatte mit aller Kraft versucht, neben all den Menschen, nun auch Gott endgültig hinter sich zu lassen. Aber gerade jetzt spürte er etwas sehr Seltsames. Trotz seines erbärmlichen seelischen und körperlichen Zustandes durchdrang ihn mitten in dieser Dunkelheit plötzlich etwas unheimlich Kraftvolles, eine neue Hoffnung, und er hatte er den Eindruck, dass seine Einsamkeit doch nicht vollkommen war. „Auch wenn ich alles verlassen habe, Gott hat mich noch nicht verlassen…er sieht mich sogar hier…“ dachte John. Ihm kam ein einfacher und wundervoll klarer Gedanke in den Sinn: „Die Entscheidung über mein Schicksal liegt nicht in meiner Hand. Ich kann über meinen Tod nicht selbst bestimmen. Ich werde erst sterben, wenn Gott es für richtig hielt, nicht wann ich es wollte.“

Erhellt von Hoffnung, und dem Wissen, dass er nicht allein war, begann John Ray Cash sich wieder zu bewegen. Seine schmerzenden Gelenke wurden mit neurer Kraft erfüllt. Doch wie konnte er sich nun ohne Lampe aus dem Labyrinth von Gängen und Kammern befreien, in dem er vorher noch sterben wollte. Es schien aussichtslos, hier jemals wieder rauszukommen. Er kroch weiter, immer weiter. Plötzlich bemerkte John einen leichten Windhauch auf seinem verschwitzten Rücken. Er folgte dem Hauch. Dann erblickte er einen kleinen Funken Licht in der Ferne. Er bewegte sich darauf zu. Es war der Ausgang. Er war frei. „Gott scheint noch etwas vorzuhaben mit dem Wrack Johnny Ray Cash“, dachte er, als er nach draußen ging. 

June Carter und Johns Mutter hatten vor der Höhle Johns Jeep gefunden und dort gewartet. John erzählte ihnen von seinem Erlebnis in der Höhle. Sie nahmen ihn mit. Mit Junes Hilfe und ihrem Vater Pop Carter begann John einen Entzug. Er fing an die Amphetamine, Schmerzmittel und alles was damit zu tun hatte hinter sich zu lassen. Und er legte die Bruchstücke seines Lebens in die Hände Gottes. Pop Carter begann mit Johnny Cash die Bibel zu lesen. Langsam fing er an, Geschmack an dem alten Buch zu finden. John begann zu verstehen und am eigenen Leib zu fühlen welche tiefen und erfrischenden Quellen in den alten Geschichten verborgen waren. Und er erkannte ihn vielen Geschichten seinen eigene. Geschichten über menschliches Versagen, Schuld, Tod, Trennung und Vergebung. Er begriff, dass Gott selbst zu ihm durch dieses alte Buch redete und seinem gescheiterten Leben neue Stärke, Hoffnung und Mut verlieh. Er verstand, dass dieser gnädige Erlöser Jesus Christus, ihn, Cash, den Sünder und Versager, nicht abgeschrieben hatte, so wie es Cashs Vater ihm immer wieder eingebläut hatte.
Folgender Vers war in diesen Tagen und auch im weitren Leben Johnny Cashs in Erfüllung gegangen. Es ist eine Aussage Jesu Christi:

“Ich bin das Licht der Welt, wer an mich glaubt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.”

Gerade die letzen Jahre Cashs, in denen er noch viele Gospels und Spirituals vertonte, spiegeln sich in den Versen Davids aus Psalm 103 wieder:

“Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilt alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund wieder fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.”

Der Man in Black hatte in letzter Sekunde mit Gottes Hilfe den Ausweg aus der Höhle gefunden. Und der Allmächtige Gott will auch dir aus DEINER Höhle helfen, egal wie finster sie aussieht. Er kann. Bist du bereit? 

Quelle: Cash – Die Autobiographie

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