Metallica – Death Magnetic

Endlich ist es da. Fünf Jahre mussten die Fans auf das neue Machwerk der Metall-Urgesteine warten, bis seit dem 12. September neue Riffs den Head bangen lassen. Die Marketingmaschine hinter den vier Schwermetallern hat keine Mühen gescheut, um "Death Magnetic", so der Albumtitel, zu promoten: Kultproduzent Rick Rubin saß an den Reglern, die Weltpremiere war gleichzeitig auch die Eröffnung der neuen Berliner O2-Arena, ein Youtube-Channel wurde eingerichtet und nicht zuletzt erscheint das Album auch als Guitar Hero Version für die Computerspieler. Metallicahistorisch knüpft die Scheibe vom Stil her endlich wieder an die gute alte Thrashzeit in den 80igern an. Schon "St. Anger" ging in diese Richtung, allerdings mit einer eigenartigen Abmischung, bei der die Drums akustisch schwer von Kochtöpfen zu unterscheiden waren. Außerdem war es selbst für M’s Verhältnisse zu sehr gerotzt. Dagegen scheint bei Death Magnetic die richtige Mischung gefunden zu sein. James Hetfield, dessen Stimme ihr Volumen noch nie so entfaltete, bezeichnete die neuen Songs vorab als "And Justice for Puppets", in Anspielung auf alte Albentitel. Und tatsächlich finden sich geniale Riffs wie auf "Master of Puppets", Schwerfälligkeit wie auf "And Justice for All…", aber auch Melodiösität der Black und Load Epoche auf der neuen LP. Beim ersten Hören hauen die Tracks noch nicht ganz so rein – gerade die erste Singleauskopplung "The Day That Never Comes" mutet etwas als One-Kopie an. Aber der Glanz der Klassiker wie "Master of Puppets", "Creeping Death", "Seek and Destroy" oder "Battery" baute sich auch erst über die Jahre nach vielmaligem Hören und unzähligen Konzerten auf. Insofern bleibt die weitere Entwicklung der neuen Songs abzuwarten. Potential ist allemal vorhanden.

Was die Texte betrifft, werden hauptsächlich die bandinternen Probleme um die Jahrtausendwende aufgearbeitet. Damals stand die Band wegen des Streits der beiden Egomanen Hetfield und Ulrich, der Alkoholsucht des Sängers und künstlerischen Sackgassen kurz vor dem Aus. Eine Entziehungskur und viele therapeutische Gespräche später sind die Probleme fürs erste überwunden und die Band kann neu anfangen. In der Rückschau wirkt es für die Four Horseman nun, also ob sie einen Todpunkt überwunden hätten. Als ob sie dem Tod der Band ins Auge gesehen haben und daraus völlig neue Erkenntnisse gewonnen haben. Diese Nahtoderfahrung ist der inhaltliche Stoff für Death Magnetic. Die Band hat erlebt, dass das Leben auf einer völlig anderen Grundlage steht, wenn es sich, nicht nur theoretisch, sondern existentiell, mit dem Tod auseinandergesetzt hat. Der schlauste Professor kann nicht zu solch tiefen Erkenntnisse gelangen, wenn er nicht selbst einmal dem Tod hautnah ausgesetzt war.

Im Angesicht unserer Vergänglichkeit bekommen auch kleine Dinge eine viel größere Bedeutung. Banale Dinge wie frühstücken, einkaufen oder U-Bahn fahren können zum Erlebnis werden. Doch auch, wenn nach der Auseinandersetzung mit dem Tod unser diesseitiges Leben einen viel höheren Stellenwert hat, sollten wir uns nicht täuschen, indem wir glauben, damit am Ziel der Erkenntnis angelangt zu sein. Denn das Herz des Menschen sehnt sich nach Ewigkeit, wie der alte König Salomo sagte. Im Moment des Todes schrumpft alles bisher Erreichte zur Bedeutungslosigkeit zusammen, sollte danach nichts mehr kommen.

Jesus wusste auch von der tiefen Wahrheit, dass das eigentliche Leben erst anfängt, wenn man sich selbst gestorben ist, wenn man sein eigenes Leben abgegeben hat: Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten. (Lukas 9,24). Das bedeutet nicht, zu versuchen, sein eigenes Ich zu leugnen oder sich möglichst frei vom Egoismus zu machen, sondern es an Jesus zu schenken. Man verliert sein Ich nicht ans Nichts, sondern an Jesus Christus, den liebenden Schöpfer des Universums. Er passt auf uns besser auf, als wir es je könnten.

 

Kommentare

  1. signi

    sterben

    hi,
    bin kürzlich einer metallica Anhängerin begegnet, deshalb hat mioh der Artikel echt interessiert.
    ist super geschrieben, Kompliment!
    und meine Fragen sind auch beantwortet worden.
    lg
    signi

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