Vor Jahren übernachtete dieser Bruder bei uns. Aus dem Lebenszeugnis von Pastor Found Adel (1955 – 2018).

Zu meinen Aufgaben als Pastor der ägyptisch-orrhodoxen Gemeinde in Port Sudan gehörte auch die Gefängnisseelsorge. Während eines Besuchs im Gefängnis erzählte mir der Direktor, dass mich vier Gefangene sprechen möchten. In seinem Büro saßen vier Männer mit traurigen Gesichtern, an denen man die Spuren von Folter und Gewalt deutlich erkennen konnte.
Alle vier waren Muslime, die wegen Diebstahl und Alkoholgenuss zu Gefängnis – und Geldstrafen verurteilt waren. Ihre Strafzeit hatten sie gerade abgesessen, aber keiner war in der Lage, die Geldstrafe aufzubringen. Sie baten mich um Hilfe. Sie wollten, dass ich die Geldstrafe für sie übernehme, damit sie freigelassen würden.

Im stillen Gebet erinnerte mich Gott daran, dass ich gerade an diesem Morgen im Gottesdienst über das Gleichnis vom barmherzigen Samariter gepredigt hatte. Also war ich diesen muslimischen Gefangenen jetzt der Nächste und sollte ihre Geldstrafe bezahlen, damit sie freikämen. In meiner Gemeinde sammelten wir Geld, um den Männern ihre Freiheit zu erkaufen.

Nach einer Woche später klingelte es an der Tür. Unerwartet standen dort die vier Männer. Einer sagte: „Wir sind gekommen, um Ihnen für Ihre Hilfe zu danken.“
Bevor ich antworten konnte, fragte mich einer von ihnen, ob ich wüsste, dass sie Muslime seien, für die wir Christen bezahlt hätten? Ich sagte: „Ja, aber das spielt keine Rolle, wir sind alle Gottes Geschöpfe.“
Er fragte weiter: „Warum haben Sie uns geholfen, obwohl wir Muslime euch Christen verfolgen!“ – Gerade in dieser Zeit hatten Muslime in Port Sudan eine Kirche niedergebrannt und viele Christen ermordet. – Während seiner Frage schauten mich alle so ernst an, als ob sie meine Brust spalten möchten, um mir ins Innerste meines Herzens zu schauen.

Ich ging zum Tisch, um meine Bibel aufzuschlagen und betete inständig, Gott möge mir Seinen Geist senden, um die richtigen Worte zu finden. Dann schlug ich das 10. Kapitel des Lukasevangeliums auf und erzählte ihnen das Gleichnis vom barmherzigen Samariter in ganz einfacher Sprache. Wir sprechen über das Gleichnis Jesu und ich konnte beobachten, wie ihre Herzen bewegt wurden. Sie baten mich, ihnen eine Bibel mitzugeben. Ich holte vier Bibeln und reichte sie ihnen.
Die Liebe Jesu wirkte auf die vier Muslime wie ein Magnet.

Nach einem Jahr entschieden sie sich, ganz für Christus zu leben und dies auch durch die Taufe öffentlich zu bezeugen. Wir waren nur sieben Personen beim Taufgottesdienst: Die vier Muslime, ein Diakon und ich. Der Siebte aber war und ist der, welcher über sich gesagt hat: „ICH BIN DER WEG UND DIE WAHRHEIT UND DAS LEBEN; NIEMAND KOMMT ZUM VATER AUßER DURCH MICH.“ (Johannes 14,6)

Das war ein gesegneter Tag in ihrem Leben, aber auch in meinem Leben. Seitdem haben ich und auch die Konvertiten erfahren, wie man wegen eines Bekenntnisses Verfolgung leiden muss. Sie mussten wegen Todesdrohungen nach Ägypten fliehen und ich landete schließlich hier in Deutschland.

Aus der Zeitschrift:
Aufblick und Ausblick

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