Der Lebenslauf des Herrn. Gedicht.



In einem elendem Stall begann Jesus den Lauf. Dann stieg er den Pfad zu dem Kreuze hinauf.
Wer hat ihn verstanden? Wer hat ihn erkannt, den seltsamen Fremdling im irdischen Land? 
Er kam als das Licht und erhellte die Nacht. 
Als Leben hat er uns das Leben gebracht. 
Er suchte als Hirte das Schaf, bis er’s fand. 
Er kam als das Brot, das vom Himmel gesandt. 
Als Wasser des Lebens erquickt er das Herz. 
Als Arzt trägt er selber die Krankheit, den Schmerz. 
Er speist in der Wüste die Mengen mit Brot, gebietet dem Sturm, führt heraus aus der Not. 
Der weinenden Witwe erweckt er den Sohn. 
Als König verheißt Jesus Kronen und Lohn. 
Er neigt sich in Liebe zum Kinde hinab. 
Den Lazarus ruft er heraus aus dem Grab. 
Sein Wort ist gewaltig, bricht Felsen und Stein. 
Er isst mit den Sündern, macht Unreine rein. 
Er spricht voll Erbarmen die Sünderin los. 
Doch schonungslos stellt er den Eigennutz bloß. 
Er weist Pharisäer im Zorn von sich fort. 
Die Heuchelei geißelt sein mächtiges Wort. 
Das Opfer der Narde nimmt gnädig er an, vergisst er doch nie, was die Liebe getan. 
Gethsemane sieht, wie er leidet und ringt, bis blutiger Schweiß durch die Poren ihm dringt. 
Dann steht er, ein Held, vor den Häschern und spricht: „Wen sucht ihr? Ich bin’s“, und geht mit zum Gericht. 
Das Wort, vor dem alles im Himmel sich neigt, es steht vor Herodes, Pilatus und schweigt. 
Der Löwe von Juda wird still wie ein Lamm. 
Er trägt selbst zur Richtstatt das Fluchholz, den Stamm. Nun stirbt der Versöhner. Der Tag wird zur Nacht. 
Da hallt durch die Stille sein großes „Vollbracht!“ 
Er steigt als Gestorb‘ner zum Todreich hinab, der Siegfürst des Lebens! 
Nicht hält ihn das Grab; er zeigt sich den Seinen in neuer Gestalt. Inmitten der Jünger sein Friedensgruß hallt. 
Er segnet sie alle. Dann steigt er hinauf. 
Es tut sich dem Sieger das Perlentor auf. 
Nun lebt Jesus, herrscht. 
Ja, er segnet und gibt die Fülle des Heils seinem Volk, das er liebt. 
Den Geist teilt er ihm, eine heilige Flut. 
So ist es gerüstet zum Zeugnis mit Glut. 
Das Leben erneuert, gereinigt die Brust, die Glieder befreit von den Banden der Lust, so folgt dem Anführer die siegreiche Schar und bringt, ihn lobpreisend, zum Opfer sich dar.

unbekannt

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