Der Täter war bekennender Europäer, weltoffen, multikulti-Befürworter, Gutmensch und religiös. Ist das plötzlich gefährlich?

Viele Zeugen Jehovas haben wenig Außenkontakte, also zu Menschen, die nicht zu ihnen gehören.
Wenn dann ein Rauswurf oder eine Trennung eines Mitglieds erfolgt, gibt es keine anderen sozialen Kontakte mehr. Das kann Menschen schwer destabilisieren. Bei diesem Mann hat es offenbar zu einer Kurzschlusshandlung geführt. Eine furchtbare Tragödie. Psychisch labile Persönlichkeiten fühlen sich von Sekten wie den ‚Zeugen Jehovas‘ häufig angezogen. Bei Zweifeln an deren kruder Lehre kommt es zur massiven Ausgrenzung, was in Verbindung mit der genannten Labilität zum Amoklauf führen kann. Natürlich kann der Amoklauf auch andere Hintergründe haben, aber es wäre nicht das erste mal, es gab einen solchen Fall bei den Zeugen Jehovas vor einigen Jahren in Frankfurt.

In Focus-online ist viel über ihn und seine Verwirrungen geschrieben worden:

Neben seinem angeblich schillernden Lebenslauf verweist er auf seiner Homepage außerdem auf ein englischsprachiges Buch, das er selbst verfasst haben will und über Amazon vertreibt. Es gehe um die angebliche „Wahrheit über Gott, Jesus Christus und Satan“.

Darin heißt es: „Entgegen der landläufigen Meinung sind Gott, Jesus Christus und Satan keine abstrakten Wesen im Himmel.” Man habe mit „sehr mächtigen geistigen Wesen zu tun, die genau wie wir Menschen Gefühle haben und deshalb auch teilweise impulsiv aus Gefühlen heraus handeln.” F. behauptet, er habe „das Geheimnis des 1.000-jährigen Reiches Christi enthüllt”. Wie t-online berichtet, schrieb er wenige Stunden vor der Tat auf LinkedIn, dass sich sein Buch sehr gut verkaufe, kein Exemplar sei zurückgegeben worden.

Das ist aber nicht die einzige Veröffentlichung, die auf F.s Webseite zu finden ist. Es gibt auch mehrere Artikel und „White Paper“ über Führung, Erfolg und gesellschaftliche Themen.

„Wohlstand und Führung sind miteinander verbunden“, schreibt F. zum Beispiel in einem Aufsatz mit dem Titel „Leadership“. Schnell kommt er auf Gott zu sprechen.

„Weisheit kommt von Gott. Trotzdem wird Weisheit oft falscherweise mit akademischen Leistungen in Verbindung gebracht. Sie können einen Ph.D. haben und trotzdem nicht weise sein“, schreibt er.

An mehreren Stellen ruft er dazu auf, sein Buch „Wahrheit über Jesus Christus, Gott und Satan“ zu lesen. Einmal prophezeit er eine „große Veränderung in der Architektur der Welt“.

„Es wird eine Anpassung an die Architektur der höheren Welt (Himmel) geben, wo Geister leben. Im Gegensatz zum universellen Wissen gibt es Sicherheit und Gültigkeit, was die Architektur des Himmels betrifft.“

In F.s Vorstellung von „Führung“ gibt es nur wenige „Leader“, also Menschen, die seiner Meinung nach weise genug sind, um hohe Positionen zu übernehmen.

In einem anderen Text widmet er sich der Frage, warum mehr Menschen in ihren Dreißigern wichtige Positionen innehaben sollten. Als Beispiel nennt er Greta Thunberg, deren Beispiel zeige, dass auch sehr junge Menschen sehr innovative Ideen hervorbringen können.

Wer den angeblichen Berater engagieren wolle, müsse angeblich tief in die Tasche greifen. Auf seiner Webseite behauptet er, sein Honorar liege bei aberwitzigen 250.000 Euro pro Tag plus Mehrwertsteuer. „Das Honorar beinhaltet den Fakt, dass meine Arbeit Ihnen einen Mehrwert von mindestens 2,5 Millionen Euro einbringt“, ist als Erklärung zu lesen.

Den wirren Gedanken folgte eine schreckliche Tat. Am Donnerstagabend kurz nach 21 Uhr eröffnete Philipp F. das Feuer auf seine ehemalige Gemeinde der Zeugen Jehovas in Hamburg.” Focus.de

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