“Er war schon schmunzelnd unsterblich, als er noch lebte: Mario Adorf, dieser Jahrhundert-Lebenskünstler, liebte das Leben mehr als die Leinwand. „Ich war nie wirklich ehrgeizig. Man muss lernen, das Glück zu packen“, resümierte der Star-Schauspieler mal seine Karriere. Ihm fehle der egoistische, kämpfende Ehrgeiz: „Meine Wurschtigkeit war stärker.“ Er glaubte an das Leben. Für ihn gab es keinen Himmel, kein Jenseits: „Ich bin dann einfach weg. Das Diesseits ist für mich das Einzige, was zählt.“ Diese Unfähigkeit zu glauben war vielleicht der Schlüssel zu seiner ansteckenden Lebenslust. Jetzt ist er gegangen und verstarb im Alter von 95 Jahren.
Als Glücksbringer trug er verborgen um den Hals einen kleinen echten Goldbrocken. Sein Lieblingssong war „Goodbye, Johnny“ von Film-Legende Hans Albers (†68), mit dem er einst um die Häuser zog. Er liebte lateinische Weisheiten (studierte Philosophie) und den FC Bayern München, sein Sonnen-Idyll St. Tropez und seine französische Lebensliebe Monique. Neben ihr hinterlässt er eine Tochter und einen Enkelsohn.
Ein fester Schauspiel-Vertrag bei den Münchner Kammerspielen – er bekam 350 Mark im Monat. Mit 27 dann der Durchbruch im Krimi „Nachts, wenn der Teufel kam“. Berüchtigt wurde er 1963 als Karl-May-Bösewicht Santer, der Winnetous Schwester „Nscho-tschi“ (Marie Versini, †80) erschoss. Die TV-Mehrteiler „Der große Bellheim“ (1992), „Der Schattenmann“ (1995) und „Die Affäre Semmeling“ (2002) katapultierten Adorf dann in die Königsklasse der deutschen Schauspieler.
Als Vater Matzerath in Günter Grass’ „Die Blechtrommel“ (Oscar 1979 für Regisseur Volker Schlöndorff, 87) wurde Adorf legendär. Geliebt haben wir ihn auch als Italo-Wirt in „Rossini“ neben seinem Freund Götz George (†77) und als reichen Schickeria-Fabrikant in „Kir Royal“ (1986) neben Klatsch-Reporter Franz-Xaver Kroetz (80).
Seine Filme sind seine Bibliothek. Seine Bücher sein Vermächtnis. Er sah den Tod wie den Gang in eine tiefe Nacht: „Das Leben ist gelebt. Die Musik hat hier gespielt und sie wird hier aufhören.“ Er war der Philosoph seines lächelnden Lebens: „Der bitterste Gedanke beim Wegsein ist, dass die Welt ohne einen weitergeht und dass am Samstag dein Verein FC Bayern wieder Fußball spielt.“ Bild.de
Was er nicht bedachte:
Es gibt ihn noch: den Prediger der alten Schule. Und seine Predigt geht weiter …
Viele moderne Prediger sprechen nicht mehr über den Sündenfall des Menschen. In unseren Tagen werden die Menschen selten in aller Deutlichkeit darauf aufmerksam gemacht, dass sie vor einem heiligen Gott Sünder sind.
Aber es gibt immer noch einen Prediger der alten Schule, der heute ebenso laut und bestimmt redet wie eh und je. Er bereist den ganzen Erdball und spricht alle Sprachen; er besucht sowohl Arme als Reiche. Er weckt Gefühle, die kein anderer Prediger hervorrufen kann. Er bringt Menschen zu Tränen, die nicht gewohnt sind, zu weinen. Es gibt kein Gewissen, das in seiner Gegenwart nicht wenigstens einen Augenblick gezittert hätte und kein einziges Herz, das bei seinen machtvollen Appellen gleichgültig geblieben wäre.
Dieser Prediger unterbricht öffentliche Veranstaltungen, lauert an Türen von Tanzsälen und Diskotheken. Sein Schatten fällt täglich auf Straßen und Autobahnen. Ohne Anmeldung tritt er in jedes Privatzimmer. Es gefallen ihm Schlösser und Paläste; aber er verschmäht auch nicht die ärmsten Gassen, um dort tätig zu sein.
Er nennt sich: der Tod!
Wer hätte die Predigt dieses alten Predigers noch nicht gehört? Jeder Grabstein dient ihm als Kanzel. Jede Zeitung reserviert ihm einen Platz. Und wie oft sieht man die Gemeinde dieses souveränen Predigers zum Friedhof gehen!
Wie oft hat er sich eigentlich schon an Sie gewandt? Da war der plötzliche Tod eines Nachbarn, das Abschiednehmen von Verwandten, der Verlust eines Freundes oder gar des geliebten Ehepartners. Und jedes Mal ist der Inhalt seiner Predigt dieselbe. Er fordert uns auf, die Frage der Sünde in unserem Leben zu klären; die verbleibende Zeit zu nutzen, um mit Gott ins Reine zu kommen – ehe es zu spät ist.
