Georg Friedrich Händel, einer der bedeutendsten Komponisten des Barocks, hätte heute Geburtstag.

Georg Friedrich Händel, geboren am 23. Februar 1685 in Halle, gilt als
einer der fruchtbarsten, vielseitigsten und einflussreichsten Musiker
überhaupt. Insgesamt komponierte er 42 Opern, 34 Oratorien, 100
Kammerkantaten, viele Instrumentalstücke, darunter berühmte Werke wie
die Wasser- und Feuerwerksmusik. Ausserdem war er als Opernunternehmer tätig. Mit dem «Messias» hat Händel der Welt ein universales Kunstwerk geschenkt, das seinen Ruhm endgültig besiegelte und vor allem – ein erhebendes Glaubensbekenntnis, dass Jesus Christus der ersehnte vorausgesagte Erlöser ist.

Nach Studienreisen durch Italien, die seine Liebe zur Oper massgeblich beeinflusst hatten, liess sich Händel 1712 in London nieder. Die folgenden Jahre waren geprägt durch ungeheure Schaffenskraft, in denen rund 37 italienische Opern entstanden. Diese Tatsache, gepaart mit den verschwenderischen Inszenierungen, brachten London als europäisches Opernzentrum zur Blüte. Der begnadete Musiker feierte triumphale Erfolge. Doch in den 1730er Jahren flossen die Einnahmen nicht mehr wie früher. Händel verlor nicht nur viel Geld, sondern nach und nach auch seine Zuhörer, denn seine Opern in italienischer Sprache entsprachen nicht mehr dem Geschmack des Publikums. Kritik und Misserfolge häuften sich.
Dem nicht genug:

Am 13. April 1737 erlitt der Künstler eine Art Schlaganfall, von dessen Folgen er sich aber überraschend schnell erholte. Hartnäckig und mit neuer Arbeitswut versuchte Händel, seine einstige Popularität zurückzugewinnen. In der Hoffnung auf neue kommerzielle Möglichkeiten schrieb er vermehrt Oratorien. Im Sommer 1741 schliesslich drohte sein Stern zu verlöschen. Eine tiefe seelische Krise, die ihn schöpferisch geradezu lähmte, hatte sich seiner bemächtigt.

Eines Tages lag ein Textbuch auf seinem Schreibtisch. Händel hatte auch eine Einladung aus Dublin erhalten, zugunsten mehrerer Wohltätigkeitsorganisationen Konzerte zu veranstalten. Die Aussicht auf ein neues Publikum und der gute Zweck bewogen ihn wohl dazu, sich näher mit dem Textbuch, das ihm Charles Jennens, ein Freund, überbracht hatte, zu befassen. Der Text ist eine Zusammenstellung von Bibelworten zum Thema Messias.
Im Gegensatz zu anderen Händelschen Oratorien gibt es bei diesem Werk praktisch keine erzählte Handlung und auch die Titelgestalt, der Messias, tritt nicht als handelnde Person auf. Da ­seinerzeit in England jegliche
Christusdarstellungen auf der Bühne verboten waren, setzte Jennens
anstatt des Namens Jesus Christus den Begriff «Messias».
Zahlreiche Legenden ranken sich um die Entstehung des «Messias». Doch eines ist offensichtlich: Der Text muss den verzagten Musiker tief und
existenziell berührt haben. Diese Worte des leidenden Gottesknechtes
waren ein Spiegel seiner Seele! Sie sprangen ihn förmlich an. Händel
war gewohnt, schnell zu komponieren, aber dieses Werk schuf er mit
einer selbst für ihn ungewöhnlichen Inspiration. Mit äusserster
Intensität, sich kaum Schlaf und Essen gönnend, vollendete er innerhalb
nur drei Wochen sein Meisterwerk! Beim berühmten «Halleluja» soll
Händel ausgerufen haben: «Ich glaube den Himmel offen und den Schöpfer
aller Dinge selbst zu sehen!»
«Das Thema übertrifft alle Themen», schrieb Charles Jennens. In der Tat – Gibt es etwas Herrlicheres? Jesus Christus ist der Messias, er, der am Kreuz für uns starb und uns mit Gott versöhnte durch sein Blut. Das ist die zentrale Botschaft von Händels «Messias».
Mit Spannung erwartet, wurde das Werk am 13. April 1742 in Dublin uraufgeführt. Der Erfolg war überwältigend. Kritiker bezeichneten Händels «Messias» als das «vollendetste Werk der Musikgeschichte». Ein Jahr später fand das erste Konzert in London statt. Bei einer der Aufführungen erhob sich der englische König Georg II. beim «Halleluja» – als Zeichen der
Ehrerbietung – und mit ihm das ganze Publikum. Diese Sitte hat sich bis
heute in England gehalten.
Weitere musikalische Höhepunkte folgten in Händels letzten Lebensjahren. Am 6. April 1759, schwer krank und völlig erblindet, stand der grosse Meister zum letzten Mal auf dem Podium. Sein Wunsch, am Karfreitag zu sterben, um «in Windeseile seinen auferstandenen Erlöser zu sehen», wurde ihm fast erfüllt: Am Ostersamstag, dem 14. April 1759, schloss Georg Friedrich Händel für immer seine Augen.
Sein Grabmal in der Westminster Abbey zeigt ihn mit den Noten in der Hand, dem Anfang der Messias-Arie: «Ich weiss, dass mein Erlöser lebt». Es ist Händels Zeugnis von seinem Messias.

«Ich weiss, dass mein Erlöser lebt», Georg Friedrich Händel – Der
Komponist und sein «Messias», Hörbuch von Hanno Herzler, 2 CDs,
GerthMedien.

• «Händels grosses Halleluja», Die Geschichte eines Meisterwerks (inkl. CD mit Highlights aus dem «Messias»), SCM-Hänssler.

Georg Friedrich Händel «Messiah», mit dem Kammerchor und
Barockorchester Stuttgart, Leitung: Frieder Bernius; CD, Carus-Verlag.factum-magazin.ch

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