Geschichte zum Tod des Schweizer Finanz-Stars Martin Senn.

Möge Gott seine Angehörigen trösten.

Das kalte Herz

Ein junger Mann, namens Peter, spielt die Hauptrolle in der Erzählung. Der Köhler-Peter wird er genannt, denn er ist ein armer Köhler im Schwarzwald. Und dieser Peter hat einen großen Wunsch: Er möchte reich werden. Er möchte endlich Geld haben. Er ist besessen von diesem Gedanken: Nicht schaffen müssen und schuften von früh bis spät und dann doch nichts haben. Er möchte das Leben genießen können, er möchte ein Pferd haben und einen Wagen, er möchte angesehen sein, wie so ein paar andere auch. Der dicke Ezechiel, der Amtmann, der Oberförster, solche Leute waren es, die Peter beneidete.

Peter merkte bald, dass er es nicht schaffen würde. Er machte Schulden, er lebte auf großem Fuß, aber das Elend, die Armut wurde nur immer größer. Schließlich begegnet Peter dem Holländer-Michel. Und dieser belehrt ihn: Schuld an deiner Armut ist dein Herz. Dein Herz ist mitleidig. Hunderte von Gulden hast du schon verschenkt mit deinem guten Herzen. Dein Herz tut weh, wenn man dich einen Schurken nennt. Dein Herz tut weh, wenn du unrecht tust. Dein Herz ist an allem Schuld. Aber was soll ich denn tun, fragt Peter in seiner Gier. Und der Holländer-Michel antwortet: Gib mir Dein Herz. Du bekommst ein Herz aus Stein dafür. Das kommt dir nicht mehr in die Quere. Und der Holländer-Michel zeigt dem entsetzten Peter seine Geheimkammer: Das sind sie aufgereiht, die Herzen. Das Herz vom dicken Ezechiel, und vom Amtmann und vom Oberförster und wie sie alle heißen. 100000 Gulden gebe ich dir als Anzahlung, verspricht der Holländer-Michel. Und Peter willigt ein. Und er bekommt, was sein Herz begehrt. Er wird reich, reich und skrupellos. Niemals verschenkt er mehr an Arme. Niemals mehr ist er barmherzig. Niemals mehr verzichtet er auf einen Vorteil. Was machts aus, wenn man ihn einen Geizkragen nennt. Es tut ja nicht weh. Nichts mehr tut weh. Kein Leid rührt ihn, kein Schmerz. Nichts mehr geht ihm zu Herzen. Und so liegt ihm die ganze Welt zu Füßen Und auch die Leute, die ihn verachten, öffnen ihm freundlich die Tür. Und er war ein angesehener Mann. Nichts mehr tat seinem Herzen weh. Aber es gab auch nichts mehr, das ihn freute. Er bereiste ganz Europa. Aber es ließ ihn kalt. Er sah großartige Dinge, aber es berührte ihn nicht. Er war nicht mehr traurig, aber er war auch nicht froh. Und so geht er zum Holländer-Michel und sagt: Gib mir mein altes Herz wieder. Aber der Michel schüttelt nur mit dem Kopf: Erst wenn du tot bist, sagt er. Und so wird Peter immer reicher, und immer schlimmer wird es mit ihm. Das schönste Mädchen des Schwarzwaldes heiratet er, aber im Zorn schlägt er sie tot. Und seine eigene Mutter behandelt er unbarmherzig und kalt und rücksichtslos. Er merkt dann wohl dass es so nicht weitergehen kann. Es graust ihm vor seinem eigenen kalten Herzen aus Stein. Aber wenn er zu Michel kommt, lacht der ihn bloß aus. Reich und ruhelos ist dieser Köhler-Peter. Er hat die ganze Welt gewonnen, und doch sich selbst verloren. Wilhelm Hauff

Kommentare

  1. K.

    Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus. 24 Enthalte dich falscher Worte, und verdrehte Reden seien fern von dir! 25 Laß deine Augen geradeaus schauen und deine Augenlider stracks vor dich blicken. 26 Erwäge wohl deine Schritte, und alle deine Wege seien bestimmt; (Hebräer 12.13) 27 weiche weder zur Rechten noch zur Linken, halte deinen Fuß vom Bösen fern! (5. Mose 5.29)

    Auch Sprüche 24 -trösten- sehr!

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