Heiko Herrlich – Wunder sind herrlich

Bösartiger Tumor im Mittelhirn" lautete die Diagnose für den Dortmunder Fußballer Heiko Herrlich im November 2000. Was er in der Zeit danach erlebte, gleicht einer ganzen Serie von Wundern. Erschöpft und blass sieht er aus, aber glücklich. Mit feuchten Augen sitzt er an diesem langen Tisch des Presseraums und erzählt den Journalisten seine Geschichte vom Kampf gegen den Tumor (Krebs). Nach Monaten der harten Therapie hat er ihn besiegt. Zurück bleiben ein kahler Kopf und ein paar Narben. Und während er davon erzählt, durch welche Täler er gehen musste und was so eine Strahlentherapie dem Körper antut, sieht man dieses Funkeln in seinen Augen wieder, wie er sonst nur bei seinen herrlichen Torjublern sehen lässt.
Diagnose: "Tumor"
Am 4. November 2000 hatte er zuletzt getroffen, gegen Bayern München. Danach lässt ihn eine plötzliche Sehschwäche Luftlöcher auf dem Betzenberg schlagen.Die schockierende Diagnose lautet "bösartiger Tumor im Mittelhirn". Er gilt als nicht operabel. Als die Nachricht veröffentlicht wird, machen ihm die Fans aus der ganzen Liga mit Tausenden Mails und Briefen Mut: "Halte durch, wir beten für dich", schreiben dem Dortmunder sogar die Schalke-Fans, und das will schon was heißen.Die knapp 6-wöchige Strahlentherapie in Heidelberg, mit häufigem Erbrechen und völliger Erschöpfung, bedeutet keine Garantie auf Besserung. "Ich habe mich darauf vorbereitet, dass es bald vorbei sein könnte, und den ganzen Mist meines Lebens vor Gott gebracht. Meine Gebete haben mich zur Ruhe kommen lassen, ich war teilweise sogar sehr, sehr glücklich, weil ich innerlich mit mir im Reinen war und jeden Moment zutiefst genossen habe."
Ein doppelter Neuanfang
Die Geburt seiner Tochter Noomi im Juni 2001 passt zu dieser außergewöhnlichen Geschichte. Während Herrlich dem Tod ins Auge sieht, entsteht ein neues Leben. Ein doppelter Neuanfang. Und so bekommt Sangita Herrlich in diesen Tagen gleich zwei "Neugeborene" geschenkt.Das Thema Wiedergeburt begegnet Heiko Herrlich zum ersten Mal zu Leverkusener Zeiten, als ihn sein ehemaliger Teamkollege Jorginho zum Bibelkreis zu sich nach Hause einlädt. Als er dort zum Glauben an Gott findet, läuft jedoch nicht alles rosig für ihn. Bei seiner nächsten Profistation in Mönchengladbach erfährt er durch eine schwere Gelbsucht am eigenen Leib, wie schnell man im "Geschäft Bundesliga" in Vergessenheit geraten kann. Doch diesmal, mit dem Tumor, ist alles ganz anders, viel existentieller.
"Ich bin bereit"
Im aktuellen Sportstudio verblüfft er mit einem ungewöhnlichen Bekenntnis: "Die schlimmste Zeit während meiner Krebserkrankung wurde zu meiner glücklichsten, nachdem ich den Schutt meines Lebens vor Gott bekannt und Frieden mit Gott gemacht hatte. Ich bin bereit, den Weg zu gehen, den er mit mir gehen will. Ich hatte inzwischen mit dem Fußball abgeschlossen."Doch Arbeitgeber BVB verlängert unterdessen seinen Vertrag sogar bis 2005, mit der Hoffnung, dass Heiko zu seinem alten Torjägerinstinkt zurückfindet. Auch nicht normal im Haifischbecken Bundesliga. Nachdem ihm die Ärzte grünes Licht für ein Comeback gegeben haben, folgen erste zaghafte Waldläufe, Steigerungstraining und Belastungstests und später sogar einige Kurz-Einsätze, um ihm wieder etwas Spielpraxis zu geben.Der 15. September gerät zu einem misslungenen Neustart. Als er zum ersten Mal wieder bei einem bedeutenden Match eingewechselt wird, führt ausgerechnet seine erste Ballberührung zum Fehlpass und zur Niederlage gegen Erzfeind Schalke 04.
Ein Fußball-Wunder
Doch Trainer Sammer hält weiter an ihm fest und bringt Herrlich am 22.November 2001, über ein Jahr nach seinem letzten Torerfolg, zu seinem ersten Europacup-Einsatz in Kopenhagen.Obwohl er ein ganz gutes Spiel macht und um jeden Meter Boden kämpft, scheint an diesem Abend nicht mehr drin zu sein als ein 0:0. Als bereits die dritte Minute der Nachspielzeit läuft, zieht Ricken noch einmal mit Links ab. Der Ball landet irgendwie bei Herrlich und der tut das, was er am besten kann. Sein Tor zum 1:0-Sieg, sein anschließender Jubellauf mit Tränen in den Augen, direkt in die Arme von Teamarzt Dr. Michael Preuhs, das spätere Geständnis, dass er dabei an die Menschen in den Krankenhäusern denken musste, denen es nicht so gut ergangen ist wie ihm — all das ist typisch Heiko Herrlich.An diesem Tag besiegt er nach über einem Jahr des Leidens den bösartigen Tumor endgültig. Ein weiteres Fußball-Wunder ist wahr geworden.(sportler ruft sportler)Jetzt meldet "Bild.de": Heiko Herrlich (37) wird wohl neuer VfL-Trainer.
Der Coach der U19-Nationalmannschaft soll noch in dieser Woche beim Tabellenvorletzten der Bundesliga offiziell vorgestellt werden.Mit dem VfL Bochum kämpft er jetzt wohl gegen den Abstieg. Aber seinen größten Sieg hat Heiko Herrlich längst errungen…Er hat das ewige Leben. 

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