“Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen” (Predigt über Mt 24,35)

Eine amerikanische Frauengruppe aus Cincinnati macht einen Ausflug an die Niagarafälle. Als die Frauen diese ungeheuren Wassermassen sehen, die da nach unten stürzen, sind sie natürlich begeistert. Sie zwitschern alle durcheinander: „It’s nice! O my God! Fantastic!“ und so weiter. Da meint der Reiseführer: „Wenn die Damen ’mal einen Moment ihre Unterhaltung unterbrechen und schweigen wollten, könnten sie die Niagarafälle sogar hören…!“

Der Wortschwall mancher Leute ist wie im Fall dieser Niagarafälle lauter als ein Wasserfall. Nichts ist so schnell gemacht wie Worte, nichts ist so schnell vergessen wie Worte. Keiner von uns kann sich vorstellen, wie viele Worte an einem einzigen Tag geredet werden, z. B. wie auf einer solchen Konferenz hier. Das geht von Früh bis zum Abend. Das geht in die Hunderttausende, in die Millionen, weltweit Milliarden, die täglich gesprochen, gequatscht, gesendet, gedruckt werden. Alles das, was an Worten auf Disketten gespeichert ist, in Archiven gehortet und in Bibliotheken gesammelt, das wird eines Tages mit den dazugehörigen Aktentresoren und so weiter verschwinden.

„Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Ausgerechnet das Vergänglichste, was es gibt, das erklärt Jesus zum Beständigsten, was es gibt – jedenfalls, wenn sich’s um Seine Worte handelt. Das ist ja eine Behauptung, die alles andere in den Schatten stellt. Und nicht nur das, die vor allem alles außer Kraft setzt, was ansonsten noch auf dieser Welt gesagt worden ist. Da ist ja außer einer Menge Blödsinn auch viel Tiefsinniges gesagt worden, aber wenn’s drauf ankommt, dann zählt nur das, was Jesus gesagt hat, und alles andere sind Sprechblasen – auch, wenn sie aus so erlauchten Mündern wie Goethe, Gauck oder Graham kommen.

Nur die Worte haben ewigen Bestand, die Jesus sagte, und alles andere ist Flugsand. Die Ungeheuerlichkeit dieser Behauptung wird nur noch übertroffen durch die Bemerkung, mit der Jesus Seine berühmte Bergpredigt abschließt. Dort geht er nämlich noch einen Schritt weiter und sagt: „Nur, wer nach meinen Worten handelt, der ist klug; und wer nicht danach handelt, der ist dumm. Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen baute. Da nun ein Platzregen fiel und die Wasser kam und wehten die Winde und stießen an das Haus, fiel es doch nicht; denn es war auf einen Felsen gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der ist einem törichten Manne gleich, der sein Haus auf den Sand baute. Da nun ein Platzregen fiel und kam das Wasser und wehten die Winde und stießen an das Haus, da fiel es und tat einen großen Fall.“ (Matth. 7,24-25).

Also noch mal zusammengefasst: Wer Gottes Worte hört und tut, ist klug und baut sein Leben gut. Wer das nicht tut, der lebt eben falsch. Oder noch kürzer: Christen sind klug, und die Nicht-Christen sind dumm.

Das ist natürlich ein Hammer. Und das ist nach unseren Vorstellungen eine Beleidigung. Besonders heute m Zeitalter des „New Age“ und der Toleranz gilt so etwas als Gipfel der Arroganz. Wer heute jemanden, der anders denkt, als dumm bezeichnet, der kann froh sein, wenn er mit einer Beleidigungsklage davon kommt und nicht gleich an die Wand gestellt wird. Man traut sich ja kaum, das hier vorzulesen, was sich Jesus hier leistet, geschweige denn das auch auszuleben. Dann legt man sich ja mit allen an, die es drauf anlegen, die Christen ’reinzulegen. Dann hat man noch nach der Predigt einen Prozess wegen Verunglimpfung Andersdenkender am Halse. Es gibt ja auch einen Diskriminierungs-paragraphen.

Leute, ich kann’s nicht ändern, so steht’s hier in der Bibel. Und es wundert mich nicht, dass der nächste Satz dann heißt: „Als Jesus diese Rede vollendet hatte, waren die Leute entsetzt.“ Die Reaktion auf die Bergpredigt, die gewaltigste und die berühmteste Predigt, die Jesus je gehalten hat, war nicht Entzücken, sondern Entsetzen. Mich wundert nur, dass heute eine Menge Leute von der Bergpredigt so schwärmen. Diese Schwärmer sind so bestimmte Typen: Sie haben auf den Lippen eine Taizé-Melodie, an den Füßen die Birkenstock-Sandalen, auf dem Rücken das Jute-Rucksäckel mit einem Anti-Atomkraft-Zeichen und einen Fisch und ein blaues Kirchentags-Tuch um den Hals. Und das Säckel ist außen grün und innen rot. Und von solchen Leuten höre ich dann: „Der dogmatische Jesus, von dem ihr da erzählt, dessen Äußerungen jeder Vernunft widersprechen – mit dem kann ich nichts anfangen.“ Und dann verdrehen sie ein bisschen Augen und sagen: „Ich glaube mehr an den Jesus der Bergpredigt.“

Ich vermute, sie haben die Bergpredigt gar nicht genau gelesen. Denn was steht da eigentlich drin? Da stehen doch lauter Sätze drin, die uns total gegen den Strich gehen: „Selig sind die da Leid tragen.“ Aber jeder normale Mensch hält es doch für klüger, dem Leiden auszuweichen. Da steht: „Wer seinen Bruder verflucht, der soll ins Feuer der Hölle kommen“,  wo doch heute kaum jemand glaubt, dass es eine Hölle gibt. Da steht: „Wir sollen nicht die Ehe brechen, und wer eine Frau, die einem anderen gehört, ansieht, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen“. Nicht genug damit, da wird als nächstes sogar noch die Ehescheidung verboten. Das nimmt ja sogar heute in der Kirche kaum noch jemand Ernst – im Gegenteil, man hat jetzt ungefähr den Eindruck, das gehört zur Vorbedingung dazu, dass, wenn jemand Bischöfin werden will, man erst einmal geschieden sein muss. Und der neue Bundespräsident nimmt dieses Verbot der Ehescheidung sogar so Ernst, dass er sich nicht scheiden lässt und seit zwanzig Jahren und mit einer Frau zusammenlebt, die er nicht heiraten will.

Dann heißt es in der Bergpredigt: „Wir sollen unsere Feinde lieben und die segnen, die uns hassen“, wo doch jeder normale Mensch lieber die Ellbogen gebraucht. Schließlich heißt es hier: Wir sollen uns in erster Linie um das Reich Gottes kümmern. Aber die meisten halten es für klüger, sich in erster Linie darum zu kümmern, dass sie reich werden und ihre Ruhe haben. Und da Jesus ganz genau weiß, dass die meisten Menschen keinen Bock haben, sich auf seine schwierigen Forderungen und auf seinen schmalen Weg einzulassen, setzt er noch eins drauf und warnt noch vor dem breiten Weg, auf dem die Masse marschiert zur Verdammnis. www.gemeindenetzwerk.org/?p=7867#more-7867

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