Luxusmiezen, Luder und Schlampen erregen immer das Interesse vieler Leser der Massenblätter. Eine könnte unser Vorbild sein.

uch Zeitungen, die sich selbst gerne „Qualitätsjournalismus“ bescheinigen, kommen wenigstens unter den Rubriken „Aus aller Welt“, „Vermischtes“ oder „Panorama“ nicht ohne sie aus: die Luxusmiezen, die „Teppich“- und/oder „Boxenluder“! Wer mehr von ihnen wissen und vor allem sehen möchte, dem steht eine Fülle von bunten Blättern zur Verfügung. Luxusmiezen, Luder und Schlampen erregen immer das Interesse, lassen viele von uns neidisch werden und vermitteln gleichzeitig das Gefühl, doch viel, viel besser zu sein.

Auch die Evangelien scheinen ohne eine Luxusmieze nicht auszukommen: Jesus ist eingeladen, höchst offiziell bei einem Vertreter der etablierten, religiösen Leitungsebene und er folgt der Einladung. Jetzt beginnt der Auftritt „Luxusmieze“. Auch wenn Lukas ihren Namen hier diskret verschweigt, dürfen wir annehmen, daß wir es mit Maria Magdalena, der Schwester des Lazarus (Lk, 10, 38ff), der großen Sünderin (Lk, 8,2), die wir auch bei einem anderen gesellschaftlichen Ereignis, nämlich im Hause Simons des Aussätzigen finden (Mk. 14,3 ff.), zu tun haben.

Die Frau gilt wegen ihres Lebenswandels, der sich wohl nicht im Verborgenen abspielte, als Sünderin. So wie sich diese Frau um die öffentliche Meinung über ihren Lebenswandel hinweggesetzt hat, so scheut sie auch jetzt nicht die Öffentlichkeit: Sie hat öffentlich gesündigt und sie bereut eindringlich und auch öffentlich. Hier läuft keine Show zur Melodie „Ein paar Tränen werd ich weinen um dich“, hier bereut eine Frau öffentlich ihr verfehltes Leben, sie tut das mit den Mitteln, die in diesem Leben eine gewisse Rolle gespielt haben mögen, ihren prächtigen langen Haaren, die so manchen Kirchenvater zu reizvollen Spekulationen veranlasste und einer Körperlotion im Alabaster-Luxusdesign. Diese Körperlotion war wirklich Luxus pur, bei einem solchen Alabasterfläschen geht es um einen Wert von mindestens 300 Denaren (MK 14,3-9), etwa dem Jahresgehalt eines römischen Legionärs. Jesus wehrt sich gegen diese Luxusbehandlung seiner Füße nicht, im Gegenteil, er stellt die öffentliche Sünderin in ihrem Verhalten dem „frommen“ Gastgeber als Beispiel hin, denn der hatte seinen Gast unhöflich und protokollarisch nicht korrekt behandelt. Diesen Defekt hebt die Sünderin durch ihr Verhalten auf, Jesus zeigt sich hier also durchaus „protokoll-bewusst“. Er übersieht schlechte Manieren und die sich in ihnen ausdrückende Grundhaltung nicht. Das Verhalten der öffentlichen Sünderin überbietet die üblichen Höflichkeitsformen und ist deswegen nicht nur Zeichen tätiger Reue, sondern auch ein offenes und öffentliches Glaubensbekenntnis, von Jesus selbst bestätigt: „Dein Glaube hat dir geholfen“!

Die Luxusmieze als Beispiel für den Frommen: Jesus erteilt uns allen eine Lektion, denn er ist nicht der Kumpel, dem man wohlwollend die Schulter tätschelt, nein, er hat Anspruch auf Ehr-furchtsbezeugung. Der Herr über Leben und Tod löst die Sünden, wenn Reue vorliegt. Der Reue aus Liebe folgt die Verzeihung aus Liebe: Unser Evangelium zeigt so „Liebe als Bedingung und als Folge der Vergebung“ (Klaus Berger)…..Wenn Sie in dieser Woche in einem Wartezimmer in den Fachblättern für Luxusmiezen, Ludern und Schlampen blättern, dann vergessen Sie die „Luxusmieze“ vom Evangelium nicht! (nach W. Imkamp; kath.net)

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