Mick Farren: Abweichler bis zum bitteren Ende Zum Tod des britischen Punk-Pioniers.

In den 60er Jahren war Rockmusik, damals „Beat“ genannt, eine so gewaltige Kraft, dass sogar Schlagerfuzzis wie Roy Black so was spielen wollten. Aber das war eine gefährliche Sache: Bei den Eingeweihten war man zwar der King, aber die meisten Leute reagierten auf diese Musik mit völligem Unverständnis, wenn nicht mit aggressiver Ablehnung. Roy Black wandte sich daher lieber Schmachtfetzen wie „Ganz in Weiß“ zu; das war viel besser für seine Karriere. Mick Farren taufte in England seine Band The Deviants („Die Abweichler“) und zeigte damit, dass es ihm ernst war mit dem Beat. Diese Haltung wurde später maßgebend für eine Bewegung namens Punk, die folgerichtig Farren und die Deviants zu einer ihrer Galionsfiguren machte. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre war die Hippiekultur tonangebend, und mit den Hippies hatte der Punk-Pionier gemeinsam, dass er ein „Durchblicker“ war. So nahm ihn der Musikjournalist Carl-Ludwig Reichert wahr: „jemand, der wusste, wo es lang ging, politisch, ästhetisch, undergroundmäßig und überhaupt“. Und die Musik der Deviants klang häufig mehr nach Hippiekultur als Punk. Aber mit dem Mainstream hatte Farren nie etwas zu tun. Viel Geld zu verdienen war da nie, er schied von seinen Mitspielern im Streit und gründete die Pink Fairies, noch so ein Rockprojekt, das auf keinen grünen Zweig kam. Vermutlich um über die Runden zu kommen, war er auch als Journalist, Kritiker und Science-Fiction-Autor tätig. Er schrieb auch Songs für andere Bands, unter anderem die Motörhead-Motorradhymne „Keep us on the Road“. Viel lässt sich über sein weiteres Leben nicht in Erfahrung bringen; für die Unterhaltungsindustrie war er nicht wichtig. Er scheint aber ein konsequenter Abweichler geblieben zu sein. Als jetzt die Nachricht von seinem Tod (im Alter von 69 Jahren) kam, wurde berichtet, er sei während eines Konzertauftritts tot zusammengebrochen. Das wünscht sich jeder Rock’n’Roller: auf der Bühne zu sterben, mitten in einem rebellischen Song. Traurig ist das natürlich trotzdem, denn seine Abweichung hat schon lange niemanden mehr aufgeregt. In gewissem Sinn sind alle Menschen Abweichler. So steht es wörtlich in der Bibel, im Römerbrief: „Alle sind abgewichen; sie taugen alle zusammen nichts.“ Und weiter: „Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.“ Das heißt: Wir müssen nicht Einzelgänger und Eigenbrötler bleiben. Gott will uns wieder bei sich aufnehmen, wenn wir nur wollen. Dann leidet niemand mehr unter der Borniertheit der großen Mehrheit der anderen. Dann geht es uns gut bis in alle Ewigkeit als Gottes Gäste. Denk mal drüber nach. Andreasa

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