Nachgedanken zu einer Beerdigung eines Bruders: Wenn wir sterben, sind wir sofort beim Herrn. Es geht heimwärts! In die Herrlichkeit des ewigen Gottes.

Wo sind sie – unsere Verstorbenen? Im Gedächtnis der Hinterbliebenen? Auf kosmischer Reise? Oder ausgelöscht? Spätestens bei einem schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen wünschen sich viele Zeitgenossen, er möge doch im Himmel sein. Man hofft, dass er dort angekommen ist und weiterlebt. Denn den Tod können wir nicht akzeptieren. Er ist sozusagen »unglaublich«.
🔴 DIE UNGEWISSHEIT DER MODERNE
✅ Trotz dieser aus Trauer und Schmerz geborenen Wunschvorstellung wird die Thematik Sterben und Tod nach wie vor gemieden. Selbst wenn man 60, 70 oder 80 Jahre alt ist. Sprüche wie »Du bist doch noch jung«, »Wer wird denn gleich an Sterben denken«, »Unkraut vergeht nicht«, »Du wirst noch 100 Jahre alt«, verraten den Verdrängungscharakter, der unserem Denken und Reden über den Tod anhaftet. Uns fehlt die Fähigkeit, das Unvermeidliche normal und ernsthaft zu bedenken und vorbereitet auf das wichtigste Ereignis unseres Lebens zuzugehen.
✅ Warum aber weichen wir der Sterbe- und Todesrealität so nachdrücklich aus? Warum sind wir von ihr geradezu peinlich berührt? Es scheint vor allem das Nichtwissen und die daraus folgende Ungewissheit zu sein. Der moderne Mensch, der wie selten zuvor über viel Wissen verfügt und sich gegen jede Eventualität abzusichern versteht, empfindet sich plötzlich wie ein »Analphabet«. Ihm fehlen jegliche Vorstellungen und Worte, um sich klarmachen zu können, was im Sterben eigentlich passiert und wohin die Reise geht. Und das macht unsicher. Folglich wählen nicht wenige Menschen den scheinbar immer noch gut funktionierenden Ausweg: Sie verdrängen, was sich letztlich nicht verdrängen lässt.2
🔴 ILLUSIONEN
✅ Wer aber den Sterbefaktor aus seinem Leben und Denken ausklammert und den Tod tabuisiert, gleitet unbewusst in
► Wunschbilder,
► Phantasien und
► Luftschlösser ab.
Wir überfrachten das normale irdische Leben mit unerfüllbaren Hocherwartungen, die dann zu den allzu bekannten Enttäuschungen führen. Die Bibel sagt, solange wir nicht von der Todesfurcht geheilt seien, würden wir uns wie Sklaven verhalten, die dem Leben mit Angst und Panik gegenüberstehen (Heb 2,15).
✅ Im Jugend-, Schönheits- und Fitnesskult ist diese Tatsache offenkundig. Wenngleich wir sportliche oder medizinische Maßnahmen nicht geringschätzen wollen, ist es doch ein Mitleid erregender Anblick, wenn grauhaarige Männer um die 60 oder 70 ihrem akuten Vergänglichkeitsgefühl durch schweißtreibendes Jogging entgehen wollen. Oder ältere Damen aus demselben Grund ihre erschlaffte Gesichtshaut liften lassen, sich im Fitness-Studio ein paar »himmlische Linien« antrainieren oder per Diät ihr jugendliches Outfit zurückholen möchten.
✅ Überhaupt wird das Älterwerden als Tragik erfahren. Denn es erinnert mit jeder Falte und grauen Strähne an das letztlich nicht aufzuhaltende Ende. »Wer das Letzte aus dem Blick verliert oder für gegenstandslos erklärt, der steht in der Gefahr, alle seine Erwartungen von Glück und Seligkeit auf den Bereich des Vorletzten zu richten«, auf die vergänglichen Dinge.
✅ Dass sich dennoch eine tiefe Sehnsucht nach Unsterblichkeit mit Irdischem nicht verrechnen lässt, zeigt ein geradezu groteskes Beispiel neuerlicher Trauerbewältigung: Man transformiert die Asche von Toten in »unvergängliche Diamanten«. Solche angereicherten Steine sollen als »Symbol der Unvergänglichkeit, der Erinnerung und der Liebe zum Schmuckstück verarbeitet werden«. Unsere Verstorbenen als Halskette, Ohrschmuck oder Fingerring!?
🔴 VERENGTES WELTB ILD
✅ Dass wir zur Realität des Todes und was danach kommt keinen Bezug mehr haben, hat natürlich Gründe. Eine Hauptwurzel ist der von der Aufklärung herkommende Rationalismus, der die Welt allein mit dem Verstand erklären will. Er hat viele Generationen geprägt und ihnen den Himmel als überholte mittelalterliche Vorstellung »verbaut«. Drei Vertreter dieser aufklärerischen Denkrichtung beeinflussen nach wie vor den Zeitgeist:
✅ Der Begründer der Tiefenpsychologie, Siegmund Freud (1856-1939), der immer noch eine anerkannte Autorität ist, ließ sich zu der Aussage verleiten, religiöser »Jenseitsglaube [sei] nur eine Anleihe auf ein Gut im Mond. […] Er ist die menschliche Zwangsneurose.« Und der berühmte Physiker Albert Einstein (1879-1955) äußerte die Auffassung: »Unsterblichkeitsglaube ist nur ein Gedanke der Furcht und des absoluten Egoismus schwacher Seelen.« Auch der Spott eines Heinrich Heine (1797-1856) beeindruckt heute noch viele Intellektuelle: »Mit dem letzten Atemzug ist alles vorbei, Freude, Liebe, Trauer, Makkaroni, Theater, Lindenbäume, Himbeerbonbons, die Macht menschlicher Beziehungen, Klatsch, Hundegebell, Champagner.«
✅ Solche populären atheistischen Leitbilder tragen natürlich zu einer pessimistischen Grundhaltung »in Sachen Himmel« bei. Es ist dann verständlich, dass sich viele mit dem Gedanken quälen, ob es Gott wirklich gibt. Ist der Himmel vielleicht doch nur eine Fata Morgana – eine Einbildung der Einfältigen? Wäre es nicht realistischer, sich einfach einzugestehen, tot ist tot? Ende – Schluss! Wer kann schon über ein Danach befinden?
🔴 VERKÜRZTE THEOLOGIE
✅ Selbst überzeugte Christen sind sich nicht immer so sicher, was nach dem Sterben auf sie zukommt. Eine Ursache ist darin zu sehen, dass Kirchen die Dimension des Ewigen kaum noch überzeugend und engagiert lehren. Mit dem Evangelium verbindet man eher irdisches Wohlsein, seelisches Intaktsein, Problemlösungen – bestenfalls noch soziales Engagement und politischen Einfluss. Die zentralen Themen des Evangeliums, der Frohen Botschaft –
► die Sühne der Schuld,
► der Sieg über den Tod,
► das ewige Leben,
► die Wiederkunft Christi,
► die Herrlichkeit Gottes,
► das letzte Gericht,
► und die neue Welt
werden immer unzweideutiger als überholte Restbestände eines unaufgeklärten und naiven Christentums betrachtet.
✅ Viele Theologen vertreten folglich die Ganztod-Lehre. Danach erlischt im Sterben der ganze Mensch – Leib, Seele und Geist. Was dann noch zu erwarten ist, bleibt mehr oder weniger rätselhaft. Die gesamte Botschaft des Neuen Testaments über die leibliche Auferstehung Jesu und sein einzigartiges Wort über den Tod der Gläubigen – kirchliche Fehlanzeige: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt …«. Das ist letztlich der Grund, warum heute tragende Säulen des Lebens – Glaube, Liebe, Hoffnung – zerbröseln und Millionen Menschen nicht mehr wissen, was Sinn und Ziel des Lebens ist.
✅ Deshalb ist der Blick in die Dimension der Leidenden diesbezüglich sehr hilfreich: Hunderttausende Christen erlitten im Laufe der Geschichte grausame Verfolgungen. Sie wurden gefoltert, verbrannt, ertränkt. Oft gingen sie singend in den Tod. Denn sie hatten den Himmel, die Herrlichkeit Gottes, im Herzen – und vor Augen.
♥️ Sie rechneten nicht mit einem numinosen Todesschlaf bis zum Jüngsten Tag. Sie wussten: Wenn wir sterben, sind wir sofort beim Herrn. Es geht heimwärts! In die Herrlichkeit des ewigen Gottes. Wie würden wir heute in solchen Situationen reagieren? Wir brauchen also Erkenntnis darüber, was im Sterben passiert und wo die Toten sind. Darüber demnächst mehr.
Horst Stricker

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