Pflegekind, Bodybuilder, Tagger, Hip-Hopper, Computernerd, Rechtsterrorist, Islamhasser, Massenmörder: Anders Behring.

“ Sein Verbrechen wird ihn wohl für immer als Patienten in eine geschlossene Psychiatrie bringen – aber nicht als Verurteilten in eine Haftanstalt.
Die überraschende Einstufung des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik als unzurechnungsfähig durch zwei Rechtspsychiater hat entscheidende Weichen für den Prozess zum Mord an 77 Menschen gestellt, der im April beginnen soll.
Anders Behring Breiviks vielleicht hervorstechendste Eigenschaft ist, als normal zu erscheinen. Freunde und Familie sahen keine Anzeichen, sagen sie. Aber über Jahre hinweg hat er eine neue Identität angenommen. Als er im März dieses Jahres seine Stiefmutter besucht, sollen sie sich gut verstanden haben.
Aber zurück auf dem Hof, auf den er gezogen war, um die Terrorangriffe vorzubereiten, zeigt er sein zweites Gesicht. Dort schreibt er ins Tagebuch, dass er nicht böse auf andere Tempelritter sei, wenn sie die Stiefmutter töten würden, weil sie eine Vertreterin des „Feindes“ ist – sie hat im Außenministerium gearbeitet.
Am 22. Juli legt Breivik die Maske ab. Er ist jetzt Kommandeur Breivik: Jury, Richter, Henker und Herr über den Gang der Geschichte. So geht er an Land auf der Insel Utøya. Der Massenmord an den Mitgliedern des Jugendverbandes der Norwegischen Arbeiterpartei, in dem sein eigener Vater als junger Mensch selbst aktiv war, beginnt. Jetzt werden beide Gesichter sichtbar. Er sagt freundlich und vertrauenerweckend: „Kommt her, er (der Attentäter, der kurz zuvor die Bombe in Oslo gelegt hat) ist festgenommen. Die Polizei ist hier. Jetzt seid ihr sicher.“ Um dann euphorisch zu schreien, während er die Jugendlichen, die um ihr Leben betteln, mit Kugeln durchlöchert.
Wie wurde er so? Für den Bericht des Rechtssachverständigen, der am Dienstag dem Gericht vorgelegt wurde, haben die beiden Psychiater Breivik zwölf Mal getroffen, insgesamt 35 Stunden lang, um zu beurteilen, ob der Angeklagte zurechnungsfähig ist – und um das Rätsel aufzulösen: Wie kann ein junger Mann im friedlichen Norwegen ein fanatischer Massenmörder werden?
Das Motiv ist politisch, sagen einige. Nein, hier geht es um ihn selbst, behaupten andere. Aber es gibt nicht die eine Ursache. In seinem Manifest „2083“ beschreibt er sich selbst als psychisch extrem stark und sein Aufwachsen als normal. Aber dies wird von vielen bestritten. Jene, die ihn in der Kindheit sahen, beschreiben einen stillen und zurückgezogenen Jungen, der sich hinter der großen Schwester verstecken konnte, bis er im Alter von 14 bis 15 Jahren auffällig wurde. Ein Psychologe im Auftrag der Kinderschutzbehörde schlug Alarm, als der Junge klein war. „Aftenposten“ hat den Inhalt des Berichts wiedergegeben bekommen.
Als Anders Behring Breivik vier Jahre alt ist, soll die Mutter die Kinderschutzbehörde um Entlastung gebeten haben, und ein Psychologe wurde benannt, um den Bedarf zu beurteilen. Aber Entlastung war dem Psychologen zufolge nicht genug. Er beurteilte die Situation als so ernst, dass er empfahl, den Jungen unverzüglich und dauerhaft in ein Kinderheim zu bringen. Der Psychologe war der Auffassung, dass die Mutter ein gefühlsmäßig instabiles Verhältnis zum Sohn hatte. Er fürchtete, dass das Kind psychischen Schaden nehmen könnte.
Der Junge kam nicht ins Kinderheim. Aber der Vierjährige wohnte eine Zeit lang bei einer Pflegefamilie. Auch die Pflegeeltern sollen besorgte Meldungen abgegeben haben. Die Polizei hat jetzt zehn Personen in Verbindung mit dieser Angelegenheit verhört, darunter den Psychologen, die Kinderschutzbehörde und die Pflegeeltern.
Der Vater, der weder vorher noch später mit dem Sohn zusammenwohnt, fordert 1983 das elterliche Sorgerecht. Der Richter im Sorgerechtsstreit ist der Auffassung, dass nicht gut genug begründet wurde, dass der Sohn es bei dem Diplomaten in Frankreich besser haben würde.
Der Vater zieht den Antrag zurück. Nach dem Prozess bricht die Mutter die Unterbringung ihres Sohnes bei den Pflegeeltern ab. Der Psychologe, der das Kinderheim empfohlen hatte, verschickt nochmals einen alarmierenden Brief.
Die Kinderschutzbehörde verfolgt die Entwicklung in der Familie ein halbes Jahr. Bei Hausbesuchen finden die Beamten ein aufgeräumtes und ordentliches Zuhause vor. Auffälligkeiten, auf die der Psychologe reagiert hatte, werden nicht festgestellt.
Anders Behring Breivik bleibt bei der Mutter und der sechs Jahre älteren Schwester. Eine Kindheit, die er in „2083“ als gut und „typisch Mittelschicht“ beschreibt. Die Mutter möchte dazu nichts kommentieren, sagt ihr Rechtsanwalt auf Anfrage von „Aftenposten“.
Breivik wächst im Westen von Oslo auf, in einer Gegend, die Schulfreunde später als „Loch“ bezeichnen. In der Schule treffen sich Kinder von dort sowie aus Edel-Vierteln wie Slemdal und Vindern. Wenige Orte in Norwegen können auf so viel Reichtum verweisen.
Mehrere Quellen beschreiben das Milieu an der Schule als fürchterlich. Die reichsten Schüler sind die coolsten in der Statushierarchie und Breivik mit alleinerziehender Mutter in einer Hochhauswohnung ist ganz unten. Er soll wenig über die Familie gesprochen haben. Mehrere Freunde wussten nicht einmal, dass er eine große Schwester hatte.
Auf der Schule versucht er herauszufinden, ob er einer der Coolen ist. Er trägt Markenkleidung, die unter den Reichsten etwas gilt. Er bemüht sich nach besten Kräften. Aber er sitzt zwischen allen Stühlen, sagt Caroline Fronth, eine enge Freundin aus der Jugendschule.
Er verändert seinen Stil, geht mehr aus sich heraus, beginnt mit Bodybuilding. Er wird Hip-Hopper und ein Tagger, der sein Symbol mit Sprühdosen auf Wände und Züge sprüht. Aber ein schlechter Kerl sei er nicht gewesen, sagen ehemalige Klassenkameraden.

Einige erinnern sich an ihn als normal. Mehrere meinen, dass er sich für seine Freunde einsetzte. Er hörte zu, aber er sprach selten und zeigte selten Gefühle. Schulfreunde bezeichnen ihn als unsicher und verschlossen. „Er war wie ein Schatten“, sagt eine frühere Freundin.
Als 15-Jähriger wird Breivik mit Spraydosen allein in einem Zug in Kopenhagen aufgegriffen. Die Alarmmeldung soll nicht in Kinderschutzmaßnahmen resultiert haben. Im selben Jahr soll der Vater den Kontakt abgebrochen haben. Der Sohn soll Kontakt gewünscht habe, aber der gelang ihm nicht.
Zu dieser Zeit soll er von einem Mitschüler verprügelt und der Spitzelei beschuldigt worden sein. Aus dem Jahrbuch der Schule in diesem Jahr: „Früher war Anders ein Teil der Gang, aber dann zerstritt er sich mit allen. Anders macht jetzt alles für einen perfekten Körper, aber bis dahin ist es unserer Meinung nach noch ein weiter Weg. … Anders macht oft unprovozierte, dumme Dinge, z.B. die den Schuldirektor zu schlagen u.ä.“
Ob er darunter litt, seinen Platz zu finden, weiß man nicht. Er sagte das nie. Er macht Pläne, um Erfolg zu haben. Er wollte reich werden, ein Selfmade Man, sagen Quellen. Er begann auf dem Handelsgymnasium, aber hörte dort vor der Abschlussprüfung auf.
„Er war der Meinung, dass er das Zeugnis nicht brauchte“, sagt ein Klassenkamerad. „Das erschien mir komisch, denn er war ziemlich gut.“ In „2083“ fragt Breivik sich selbst: „Wie begann es?“ Er hatte in der Kindheit mehrere muslimische Freunde.
Aber er habe früh entdeckt, behauptet er, dass sie die norwegische Gesellschaft verachteten, dass sie norwegische Mädchen als Huren und Jungen als schwach ansahen. Muslime quälten mehrere seiner Freunde und raubten sie aus, schreibt er, er war selbst Gewalt ausgesetzt. Dies soll sein politisches Engagement geweckt haben. In dieser Zeit trieben Gangs in Oslo ihr Unwesen. In den Medien wurden sie „jugendliche Räuber“ genannt.
Als 17-Jähriger tritt er in die Jugendorganisation der Fortschrittspartei (FPU) ein. Jetzt verändert er sich. Wenn er früher unsicher und ohne Meinung wirkte, wirkt er jetzt sehr selbstsicher. Aber nur in der Politik.
Gleich nach den Terrorangriffen gegen die USA im Herbst 2001 wird man auf seine sehr weitgehenden Meinungen über den Islam aufmerksam. „Er versuchte, mich in einer unangenehmen Weise zu überzeugen. Er drängte seine Meinungen förmlich auf, um mich festzunageln, statt in den Dialog zu gehen“, sagt der frühere FP-Vorsitzende im Regierungsbezirk Akershus, Tony Caffrey. Er und andere in der FPU trennten scharf zwischen Islam und den Terroristen.
Das war, Breivik zufolge, ein Fehler, der Islam sei die Ursache für den Terrorismus. In seinen Augen war die „jugendlichen Räuber“ in Oslo Muslime, ihre Handlungen hatten ihren Ursprung im Islam. Er beschreibt dies in „2083″ als ein großes Erwachen.
Breivik leidet an Islamophobie, meint der Religionshistoriker Mattias Gardell. In seinem Buch „Islamophobie“ fragt er: „Wie hätten wir reagiert, wenn jemand gesagt hätte ‚So sind die Juden’ oder ‚Schwarze sind einfach so’.
Die Behauptungen über den Islam und die Muslime basieren auf einem essentialistischen Unterschiedsdenken: Das Bild von den ‚Muslimen’ als ein eigener Typ Menschen, ist nicht ungleich dem verzerrten Bild von den Juden im Antisemitismus.“
Breivik beschreibt ein anderes „Erwachen“: „Die Elite öffnet den Weg für Einwanderung, aber tut so, als ob die Einwanderung keine Probleme verursacht, und Kritiker werden als Rassisten/Faschisten abgestempelt.“ Das Gefühl, gehetzt zu werden, um die „Wahrheit“ zu sagen, bekommt mit den Jahren gewaltsame Dimensionen. Selbst sachliche Gegenargumente werden in seinem Kopf zu unerträglichem Versagen.
Nach drei Jahren in der FPU gibt er auf. Er versucht, schnell reich zu werden, aber erfolglos. Er zieht zurück zur Mutter, um Geld zu sparen. Im Kinderzimmer verschlingt er Stoff von islamfeindlichen Gesinnungsgenossen im Internet. Ein neues Wirklichkeitsbild nimmt Gestalt an. Die Arbeit am „Manifest“ beginnt richtig.“ www.welt.de/politik/ausla…eines-Massenmoerders.html

Wir züchten uns kranke Monster und können diese kranken Wesen nicht mal mehr bestrafen. Welch eine Bankrotterklärung einer noch krankeren Gesellschaft:

www.goforjesus.de/zeitgeist/monster/

www.goforjesus.de/weltgeschehen/mordzumfilm/

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