1. Der kosmologische Gottesbeweis
a) der kinetische Beweis
In der Welt gibt es Bewegtes; es muss einen ersten Beweger geben (primum movens)
b) der Kausalbeweis
Alles, was ist, wird verursacht; es muss einen ersten Verursacher geben, eine erste Ursache (prima causa), die von nichts anderem verursacht ist.
c) der Kontingenzbeweis
Es gibt Zufälliges (Nicht-Notwendiges) und Notwendiges. Es muss ein notwendiges Sein geben, das das Nicht-Notwendige (z.B. die Welt) aus sich heraussetzt.
2. Der henologische Gottesbeweis
(von to hen [griechisch] = das Eine)
Es gibt verschiedene “Seinsstufen” (Seinspyramide)
Dieser Gottesbeweis geht von der aristotelischen Seinsmetaphysik aus, die Thomas von Aquin für die christliche Theologie fruchtbar machte.
Es muss ein Maximum an Seinsqualität” geben die Spitze der Seinspyramide liegt im Nebel.
3. Der teleologische Gottesbeweis
(von to telos [griechisch] = des Ziel, die Vollkommenheit)
Weil es in der Welt “Ordnung” gibt, muss es einen “Ordner” geben.
4. Der moralische Gottesbeweis
Weil es überall so etwas wie ein Gewissen und ein Sittengesetz gibt, muss es etwas Vollkommenes geben, von dem dies ausgeht.
Immanuel Kant (1724-1804) hat in der Aufklärungszeit allein diesen Gottesbeweis gelten lassen. Gott als sog. Postulat der praktischen Vernunft (Kritik der praktischen Vernunft, 1788).
5. Der ethnologische Gottesbeweis
(von ta ethne [griechisch] = die Völker)
(auch als Gottesbeweis “e consensu gentium” = aus der Übereinstimmung der Völker bekannt)
Weil es in allen Völkern religiöse Verehrung und Religion gibt (eine Ahnung von etwas Höherem), deshalb muss es denjenigen geben, der den Menschen dieses religiöse Bewusstsein eingepflanzt hat. Die prinzipielle Religiosität zeigt, dass alle Menschen auf Gott hin angelegt sind.
(vgl. z.B. N. Berdjajew: “Der Mensch ist unheilbar religiös”)
6. Der eudämonologische Gottesbeweis
(von he eudaimonia [griechisch] = Glück, Glückseligkeit)
Eine Ahnung von Glück und Vollkommenheit ist überall und jederzeit vorhanden. Diese Ahnung ist ein Zeichen dafür, dass der Mensch auf Gott hin angelegt ist und letztlich Gott sucht (als letzten Inbegriff von Vollkommenheit und Glück).
7. Der ontologische Gottesbeweis
(von ho on [griechisch] = das Sein)
Dieser Beweis geht von einer sprachphilosophischen Voraussetzung aus: Sprache und Wirklichkeit entsprechen einander. Sprache weist immer auf eine entsprechende Wirklichkeit, auf entsprechendes Sein hin (Realismus). Weil es für die Wirklichkeit Gottes und für Gott eine Sprache bzw. ein Wort gibt, muss es auch das entsprechende Sein, also Gott geben.
(Anselm von Canterbury, 1033-1109)
