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Wir wollen uns hier auf das Neue Testament beschränken. Die Geschichte der Überlieferung des NT hat eine äußerliche, geschichtlich-menschliche Seite. Die Gläubigen in den ersten Gemeinden haben die Originalhandschriften der Apostel sorgfältig abgeschrieben; von diesen Abschriften wurden weitere Abschriften erstellt, und so wurden die von Gott gegebenen Worte der Apostel durch eine Kette zuverlässiger Abschriften bis ins 15./16. Jahrhundert weitergegeben, als dann mithilfe des Buchdrucks eine weitere Verbreitung als je zuvor möglich wurde.
Wie überall, wo Menschen am Werk sind, kam es im Lauf dieser Abschriftenkette immer wieder zu Fehlern in einzelnen Handschriften; bestimmte Worte wurden z.B. versehentlich ausgelassen oder falsch abgeschrieben. In späteren Abschriften wurden diese Fehler z.T. wieder korrigiert, manchmal aber auch weitergegeben. So wurde der Text des NT insgesamt einheitlich und zuverlässig überliefert, aber in bestimmten Bereichen gibt es unterschiedliche Textformen in verschiedenen Handschriften.
Wir dürfen als gläubige Christen aber nie vergessen, daß die Überlieferung des NT zuallererst ein geistlicher, von Gott gewirkter Vorgang ist. Wir haben es ja nicht mit irgendeinem Werk menschlichen Schaffens zu tun, wie etwa die Werke Platons und Homers, die ebenfalls in Handschriften aus dem Altertum zu uns gekommen sind. Die Bibel ist das Wort des lebendigen Gottes, ein göttliches Buch, eingegeben vom Heiligen Geist. Und so wie Gott Sein Wort den heiligen Menschen Gottes eingegeben hat, damit sie es niederschrieben, so hat der lebendige, allmächtige Gott auch darüber gewacht, daß Sein Wort getreu und unverfälscht durch all die Jahrhunderte weitergegeben wurde, damit alle Generationen von Gläubigen vom 1. bis zum 21. Jahrhundert sich auf das untrügliche, lautere Wort der Heiligen Schrift stützen könnten.
Auf die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift muß notwendigerweise die göttliche Bewahrung des Bibelwortes folgen, wenn die Verheißung des Herrn bestehen soll:
Matthäus 24, 35
Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen
Der Apostel Petrus schreibt: 1. Petrus 1, 23
denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt
Das inspirierte Wort der Schrift muß im Prozeß der Überlieferung durch die Jahrhunderte bewahrt werden gegen alle Versuche, es zu verfälschen oder zu unterdrücken. Es würde ja wenig nutzen, zu wissen, daß die Originalschriften des Neuen Testaments inspiriert sind, wenn wir nicht auch darauf vertrauen könnten, daß Gott den inspirierten Wortlaut der Schrift auch bis in unsere Tage bewahrt hat. Geistlich gesehen gehört also der Glaube an das bewahrende Wirken Gottes in der Überlieferung der Bibel mit dem Glauben an die Inspiration der Urschriften zusammen. Diese Bewahrung wird nach der Sicht einiger Übersetzungen und Ausleger auch in Psalm 12 angesprochen:
Psalm 12, 7.8
Die Worte des Herrn sind reine Worte, in irdenem Tiegel geschmolzenes Silber, siebenmal geläutert. Du, o Herr, wirst sie bewahren, wirst sie behüten vor diesem Geschlecht ewiglich!
Wie hat nun Gott sein Wort in der realen Geschichte bewahrt? Er hat dies durch Menschen getan, durch die Gläubigen der vielen Jahrhunderte, die durch den Geist geleitet das Wort Gottes annahmen und getreu weitergaben. Diese Bewahrung hatte zwei Seiten: zum einen die gottesfürchtige, getreue Vervielfältigung der heiligen Schriften durch sorgfältige Abschrift, zum anderen die Wachsamkeit der Gläubigen, die die Verkündigung des Wortes Gottes hörten und, durch den Geist Gottes geleitet, alle Auslassungen, Verfälschungen und anderen Veränderungen erkannten und zurückwiesen. Das entspricht der grundsätzlichen Aufforderung des Paulus in 2Tim 1,13-14:
Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist! Dieses edle anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt!
Gottes Bewahrung war also keine völlig übernatürliche Sache. Er hätte die Originalworte ja auch mit flammender Schrift in einen großen Felsen schreiben können, so daß kein Mensch sie austilgen könnte und jeder sie unverändert lesen könnte; aber das war nicht Sein Ratschluß. Gott wirkte in der menschlichen Geschichte und durch Menschen. Die von Gott bewahrte Überlieferung des Bibeltextes können die Gläubigen deshalb nur erkennen und von menschlichen Eingriffen unterscheiden, wenn sie die Dinge geistlich prüfen und beurteilen. Nachfolgend wollen wir versuchen, die Geschichte der neutestamentlichen Textüberlieferung kurz darzustellen und zugleich geistlich zu deuten. Jeder Leser möge prüfen, ob es sich so verhält (Apg 17,11)!
Jeder Gläubige sollte von drei Grundannahmen ausgehen, wenn er die Überlieferung des NT betrachtet:
1. Alle Schrift ist von Gott eingegeben. Die in 2Tim 3,16, 2Pt 1,20-21 u.a. Schriftzeugnissen gegebene Lehre zeigt uns, daß die ganze Bibel, das ganze AT und das ganze NT, Wort für Wort von Gott eingegeben und somit Wort Gottes, vollkommene und verbindliche Offenbarung Gottes ist. Es ist in keiner Weise und in keinem Teil lediglich Menschenwort, auch wenn Gott heilige Menschen Gottes gebraucht hat, um es niederzuschreiben. Als Wort des lebendigen Gottes dürfen wir es vorbehaltlos, in kindlichem Glauben für uns annehmen und ihm von ganzem Herzen Gehorsam leisten (vgl. 1Th 2,13).
2. Gott wacht über seinem Wort.
Markus 13, 31
Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.
Wenn Gott dieses Wort gegeben hat, um die Gläubigen zu erbauen und zu leiten, dann wird Er, der Allmächtige, es für Seine Gemeinde auch bewahren bis zum Ende der Zeiten (vgl. Jes 55,11). Wenn Gott uns auffordert, dieses Wort im Glauben anzunehmen, zu bewahren und zu befolgen, dann folgt daraus, daß Er es auch für uns bewahren wird, sonst wäre Seine Aufforderung nicht durchführbar. Gott spricht in Jer 1,12:
Ich will über meinem Wort wachen, um es auszuführen!
In Ps 12, 7.8 heißt es (revidierte Schlachter; vgl. KJV, Luther, Elberfelder):
Die Worte des HERRN sind reine Worte, in irdenem Tiegel geschmolzenes Silber, siebenmal geläutert. Du, o HERR, wirst sie bewahren, sie behüten vor diesem Geschlecht in Ewigkeit!
Wie bewahrt Gott Sein Wort? Im NT finden wir den wichtigen Hinweis in der Aufforderung des Paulus an Timotheus:
Dieses edle, anvertraute Gut [d.h. die Worte von V. 13] bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt!
Daraus können wir schließen, daß Gott Sein Wort durch wiedergeborene Gläubige bewahren wollte, die nach den Aposteln, geleitet durch den Heiligen Geist, dieses Wort vor Veränderungen schützten und getreu weitergaben.
3. Der Satan, der Widersacher Gottes, wird versuchen, dieses Wort zu verfälschen und den Gläubigen wegzunehmen. Eben weil es Gottes Wort ist und nicht kraftloses Menschenwort, müssen wir davon ausgehen, daß der Widersacher dieses Wort haßt und versuchen wird, es anzugreifen. Wir finden in der Schrift selbst, wie er Eva mit einer verdrehten Darstellung der Worte Gottes verführt (1Mo 3,1) und dabei jenes verhängnisvolle „bibelkritische“ Wort spricht: „Sollte Gott gesagt haben?“ Wir finden, wie er den Herrn Jesus versucht, indem er ein Schriftwort anführt und dabei etwas ausläßt (Mt 4,6). Der Herr Jesus selbst lehrt uns, daß der Satan versucht, uns das Wort Gottes wegzunehmen (vgl. Mk 4,15). Paulus warnt uns, geleitet vom Heiligen Geist:
Denn wir sind nicht wie so viele, die das Wort Gottes verfälschen
In 2Kor 4,2 spricht er wieder von solchen, die das Wort Gottes fälschen. Deshalb mahnt uns der Judasbrief, dass ihr für den Glauben kämpft, der den Heiligen ein für allemal überliefert worden ist

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