Vor genau 102 Jahren wurde Charles Bukowski geboren. Er war Dichter und Säufer.

“Sein Großvater Leonard Bukowski hatte noch unter Bismarck seinen Wehrdienst geleistet und im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 gegen Napoleon III. gekämpft. Er war danach in die USA ausgewandert; Vater Henry war Deutsch-Amerikaner und diente nach dem Ersten Weltkrieg als GI in Andernach bei Koblenz. Dort verliebte er sich in die Deutsche Katharina Fett, und dort wurde am 16. August 1920 Heinrich Karl Bukowski geboren. Drei Jahre später wanderte die Familie in die USA aus. In Mid-City, einer Vorstadt von Los Angeles, sollte der nun in Henry Charles umgetaufte Junge noch lange mit seinem deutschen Akzent ringen. Den Traum der Eltern vom American way of life machte die Weltwirtschaftskrise zunichte. Der Vater verlor seinen Job als Milchmann, den Frust ließ er an seiner Frau und dem einzigen Kind aus. Später beschrieb Bukowski ein sadistisches, wöchentliches Ritual. Jeden Samstagmorgen musste er nach einer minutiösen Prozedur den Rasen mähen: Zweimal in entgegengesetzter Richtung, dann mit dem Rasenkantenschneider, zuletzt musste er mit einer Schere jeden überstehenden Grashalm einzeln abknipsen. Und dann legte der Vater den Kopf auf den Rasen. Fand er nur einen herausragenden Halm, versohlte er dem Jungen im Badezimmer mit dem Streichriemen fürs Rasiermesser das nackte Gesäß.

Ein Trauma. “Ich denke, da hat alles angefangen”, sagte Bukowski später. “Die angewiderte Erkenntnis, dass es etwas Außergewöhnliches braucht, wie Trinken oder Schreiben oder klassische Musik, um solche Menschen hinter sich zu lassen.”In der Schule blieb er Außenseiter. Wegen schwerer Akne musste er zeitweise sogar die Schule verlassen; sein Gesicht ließ sie reptilienhaft vernarbt zurück. Seine schulischen Leistungen spielte Bukowski später gern herunter, sie passten nicht zum Image des Losers und Autodidakten. Dabei absolvierte er ein Ausbildungsprogramm der Streitkräfte als Unteroffizier und erhielt ein Journalismus-Stipendium am LA City College. Dort schrieb er auch seine ersten Kurzgeschichten, verschlang Werke von Ernest Hemingway und John Fante, seinem großen Vorbild. Der Alkohol trat in seine Welt und wurde ein lebenslanger Begleiter.Die folgenden Jahre durchstreifte Bukowski die USA. Seine Jobs wechselten rasch: Schlachthofarbeiter, Lagerist, Leichenwäscher, Türsteher in einem Bordell in Texas. Nebenher schrieb er in rasantem Tempo über das Leben in einer unbekannten Stadt, in einem neuen Zimmer. Der Erfolg blieb – trotz erster Veröffentlichungen in Magazinen – weitgehend aus.Mit 25 war er ganz unten angekommen: In Atlanta hauste Bukowski in einem Verschlag aus Teerpappe. Kein Strom, kein Bettlaken, nur eine Petroleumlampe ohne Öl. Nachts wurde es bitterkalt. Mit einem Bleistiftstummel schrieb er auf dem unbedruckten Rand von Zeitungen. Ihm blieb noch ein Laib Brot, von dem er jeden Tag eine Scheibe abschnitt, und ein Schokoriegel.

Der 1,83 Meter große Dichter war auf 60 Kilo abgemagert. In Briefen bettelte er den Vater um Geld für eine Rückfahrkarte nach Los Angeles an – vergebens. Am Ende zog er für zwei Jahre wieder ins Elternhaus ein. Eine Kapitulation.Aus der stürmischen Phase danach schöpfte er in seinen Büchern: Das Vagabundenleben setzte Bukowski nun in Downtown Los Angeles fort, zwischen Schnapsladen und Ausnüchterungszelle, zwischen Neonreklame, Palmen und den Striplokalen um den Hollywood Boulevard. Er verliebte sich in die Tänzerin und Gelegenheitsprostituierte Jane Cooney Baker, zehn Jahre älter als er und mindestens genauso trinkfest. Sie sei, sagte er später einmal, die einzige Frau gewesen, die er wirklich liebte. Das streitlustige Trinkerpärchen blieb einander verbunden, bis sich Jane zu Tode getrunken hatte.”Ich musste trinken, um alles zu vergessen. Spiegel.de

„Der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur liegt darin, dass Du in der Demokratie wählen darfst, bevor Du den Befehlen gehorchst.“ —  Charles Bukowski

„Das ist das Problem am Trinken, dachte ich mir, während ich mir einen Drink einschüttete. Wenn etwas schlechtes passiert, trinkt man um zu vergessen; wenn etwas gutes passiert, trinkt man um zu feiern; und wenn gar nichts passiert, trinkt man, damit etwas passiert. (Women)“ —  Charles Bukowski

„Ich ging in die schlechtesten Bars in der Hoffnung, getötet zu werden, aber alles, was ich tun konnte, war mich wieder zu betrinken.“ —  Charles Bukowski

„Fast jeder kommt als Genie auf die Welt und wird als Idiot begraben.“ —  Charles Bukowski

„Das ganze Leben bestand doch schon aus Warten. Warten aufs Leben, warten aufs Sterben.“ —  Charles Bukowski

Alkohol war sein Irrlicht:

Es war einmal ein Fischer, der fuhr jede Nacht aufs Meer hinaus, um seine Netze auszulegen. Früh am Morgen kehrte er zurück, dann waren seine Netze voll mit Fischen. Denn er kannte die Wege, die die großen Fischschwärme nahmen. Selbst in der tiefsten Nacht fand er seinen Weg. Er sah hinauf zu den Sternen, die über ihm am Himmel standen, und ließ sich von ihnen den Weg zeigen.Aber einmal kam eine Zeit, da war der Himmel von Wolken verhangen. Dicker Nebel lag über dem Meer, so dass man kaum die Hand vor den Augen sehen konnte. Weder Sonne noch Mond noch Sterne ließen sich blicken. Das war eine schlimme Zeit. Denn der Fischer konnte nicht hinausfahren.Tag für Tag hoffte er, dass sich der Nebel bald verziehen würde. Aber der Nebel blieb.“Wenn ich wenigstens eine einzigen Stern sehen könnte”, dachte der Fischer, “damit ich übers Meer finde”. Aber kein einziger Stern schaffte es, den dichten Nebel zu durchdringen. Da fasste der Fischer einen Entschluss. “Ich werde mir einen eigenen Stern machen”, dachte er. Er ging in den Schuppen und schnitzte sich aus einem alten Brett einen großen Stern. Den hängte er an eine Stange.Die Stange befestigte er an seinem Boot.Als der Abend kam, ruderte der Fischer hinaus aufs Meer. Rings um ihn herum war dichter Nebel.Aber vor ihm leuchtet sein Stern. Er brauchte nur hinter ihm her zu rudern.Am Morgen bemerkten die anderen Fischer, dass sein Boot nicht an seinem Platz war. Sie warteten auf ihn. Aber er kam nicht zurück. Niemand hat ihn je wieder gesehen.

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