WELTTAG DER SUIZID-PRÄVENTION.

Wenn man nicht mehr leben willVielen Menschen erscheint der Suizid plausibel und willkommen. Er erscheint wie ein bequemer Ausweg aus schmerzvollen inneren und äußeren Prozessen. Der sogenannte „Freitod“ wird daher zunehmend als Menschenrecht verstanden, der in bestimmten Notlagen ein selbst bestimmtes Ende attraktiv erscheinen lässt.

Gibt es tatsächlich nicht auch ein Recht über sich selbst? Über ein selbst verfügtes Sterben? Ist es nicht besser, über Sein oder Nichtsein selber zu entscheiden, statt unkalkulierbaren und quälenden Krankheitsverläufen hilflos ausgeliefert zu sein? Es ist verständlich, in verzweifelten Situationen etwas tun zu wollen. Wenn man ohnmächtig ist, suchen wir nach Lösungen, zumindest nach einer Abkürzung des Leidens. Dabei ist der Liebeskummer wohl die weniger dramatische Herausforderung. Es gibt dagegen Entsetzliches, das unser Vorstellungsvermögen übersteigt, z.B.

Krankhafte Depressionsschübe,

häusliche Brutalität,

Vergewaltigung,

unbewältigtes Scheidungsdrama,

Folter bis zum Wahnsinn,

Verstümmelung bei einem Unfall,

sexueller Missbrauch,

Kriegstraumata,

Verlust eines Kindes durch Mord,

Entführung, Flucht usw. Der Schmerz ist jeweils riesig. Es liegt dann nahe, nach einer solchen Erfahrung das Elend zu beenden und Hand an sich selbst zu legen. Wer könnte das nicht verstehen? Und wer darf Menschen wegen einer solchen Verzweiflungstat verurteilen? Niemand!

Dennoch steht auf der anderen Seite das Gebot Gottes. Es erlaubt keinen Mord. Auch nicht an sich selbst. Gottes Hoheitsrechte über uns sind unwiderruflich! Deshalb kann das Gebot „Du sollst nicht morden“ im Blick auf den Selbstmord keine Ausnahme machen! Wir gehören ja nicht uns selbst (1. Korinther 6,19). Das ist jedenfalls der Maßstab für überzeugte Christen.

Dass wir dennoch unser Leben wegwerfen können – aber nicht sollten, zeigt das hohe Maß an Freiheit und Verantwortung, die uns der Schöpfer zugedacht hat. Er will, dass wir vertrauen – und nicht der Verzweiflung folgen.

Sein Leben zu beenden, ist letztlich ein Misstrauensvotum gegen den, der uns gemacht und gewollt hat. Gott liebt uns. Gerade auch dann, wenn es uns schlecht geht. Gab er nicht Jesus, den Sohn Gottes, für unsere Rettung in den Sühne-Tod? In seinem Kreuzesschrei „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,46) hat er unsere alle Not, Einsamkeit und Verzweiflung stellvertretend für uns erlitten! Diesen Weg müssen wir uns nicht mehr selbst aufbürden. Mögen unsere irdischen Erfahrungen auch unbegreiflich sein. Jesus weiß um den Kummer, der uns völlig zu Boden drücken kann. Gerade deswegen tröstet er aber auch seine Jünger mit Worten des Lebens:

„Erschreckt nicht, habt keine Angst. Vertraut auf Gott, und vertraut auch auf mich! Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen, und ich gehe jetzt hin, um dort einen Platz für euch bereitzumachen“ (Johannes 14,1-2a).

Das ist ein starker und verlässlicher Trost. Er kann uns von tödlichen Kurzschlüssen zurückhalten. Auch der Apostel Paulus ermutigt alle, die mit ihrem Schicksal zu hadern geneigt sind: „Was auch geschieht, das eine wissen wir: Für die, die Gott lieben, muss alles zu ihrem Heil dienen“ (Römer 8,28). Sicher: Das darf keine schnelle Antwort, vor allem keine an den Kopf geworfene fromme Redensart an Lebensmüde sein. Wer sich aber ernsthaft diesem biblischen Wort anvertraut, empfängt mitten im Leid den Lichtstrahl des Ewigen. Gott wird ihn herausreißen aus aller Verzagtheit und ihm Hoffnung zum Weiterleben – oder zum Heimgang – geben.

Der wankelmütige Petrus bestätigt das mit großer Zuversicht: „Deshalb seid ihr voll Freude, auch wenn ihr jetzt – wenn Gott es so will – für kurze Zeit leiden müsst und auf die verschiedensten Proben gestellt werdet. Das geschieht nur, damit euer Glaube sich bewähren kann“ (1. Petrus 1,6-7a).

Trotzdem ist die Selbsttötung auch unter Christen eine immer wieder schockierende Realität. Es gibt eben Situationen, die jedes Maß an innerer Widerstandskraft übersteigen. Glaube und Wille geraten an die Grenzen menschlicher Leidensfähigkeit, so dass der selbst gewählte Tod als DER AUSWEG erscheint. Sind solche Christen „verloren“ – sozusagen aus der Gnade gefallen? Ein prominentes Beispiel ist Jochen Klepper (1903-1942), Pfarrerssohn, Theologe und evangelischer Dichter. Er heiratete 1931 eine Witwe jüdischer Herkunft, die später an Jesus gläubig wurde. „Als das NS-Regime Ende 1942 die Deportation von Frau und Tochter anordnete, schrieb K. in sein Tagebuch: ‚Wir gehen heute Nacht gemeinsam in den Tod, über uns das Bild des segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.’“

Ein Selbstmord – von Christus gesegnet und gerechtfertigt? Gewiss nicht! Denn Jochen Klepper spricht davon, dass der segnende Herr „um uns ringt“. Damit überlässt er Gott selbst das Urteil über dieses tragische Geschehen. Auf jeden Fall war der Familie bewusst, dass sie sich in ihrer völligen Hilflosigkeit dem segnenden Christus in die Arme werfen durfte – in der Hoffnung, dass er sie auffängt. Insofern war es ein Akt des Glaubens, der etwa vom Selbstmord eines Hitlers um Welten geschieden ist.

Damit ist aber die Selbsttötung keineswegs gutzuheißen. Die Heilige Schrift zeigt uns Beispiele, wo Menschen in ähnlichen Konfliktsituationen lebten und zu anderen Entscheidungen fanden: Asaf, ein gottesfürchtiger Mann im Alten Testament, berichtet, er wäre wegen der Konfrontation mit bösen Menschen, denen es über alle Maßen gut ging, fast irre geworden; ja er habe zeitweilig seinen Verstand verloren und sich wie ein Tier benommen. Er machte sich dann auf in den Tempel und suchte die Nähe Gottes. Die Szene wechselt abrupt: Plötzlich erhält er Durchblick und inneren Frieden. Statt zu verzweifeln, empfängt er eine unerwartete tröstliche Gewissheit. Er beschreibt sie in einer Poesie des getrosten Leidens:

„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil“ (Psalm 73,23-26 – LÜ). Solche Worte können alles verändern. Denn es sind Worte Gottes, die

retten,

trösten,

helfen,

heilen und zur

Vorfreude auf den Himmel ermutigen – gerade dann, wenn wir hoffnungslos verstrickt sind und nicht mehr weiterwissen. Hunderttausende haben von diesem “Dennoch des Glaubens” aus Psalm 73 die Antwort auf oft schwierigste Probleme erhalten und wurden vor Kurzschlüssen bewahrt. Es wird zwar immer wieder Selbstmorde – auch bei Christen – geben. Sie finden in der Bibel aber keine Rechtfertigung. Gott will uns auch in äußerster Bedrängnis nahe sein. Hiob ist dafür das bekannte Beispiel. Darum ermutigt uns Gottes Wort, schon in den kleinen Herausforderungen des Lebens vertrauensvoll zu bekennen: Dennoch …

Wir halten fest: Jeglicher eigenmächtigen Beendigung des Lebens setzt der Schöpfer im fünften Gebot eine absolute Grenze. Niemand hat das Recht, über Sein oder Nichtsein anderer und seiner selbst zu bestimmen. Denn Gott ist der Souverän und der Liebhaber des irdischen wie des ewigen Lebens. Horst Stricker

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