Die maximale Tragödie – so sehen viele Menschen den Tod. Der Verlust des Jenseitsglaubens hat unsere Gesellschaft in eine existenzielle Leere gestürzt. Viele leben, als ob das Leben auf dieser Erde alles wäre. Doch was, wenn das Beste erst noch kommt?
Es ist einfach klug, das Leben vom Ende her zu denken. Wenn der Himmel keine Utopie ist, verändert diese Hoffnung alles. Dann sind wir wertvoll und bleiben es.
Es gibt nicht diesen einen Moment, in dem man sich entschließt, alt zu sein. Es passiert. Wie ein Geräusch, das langsam leiser wird.
Nicht nur der Körper, auch das Verhältnis zur Zeit verändert sich. Tage werden kürzer, Jahre schneller. Das Schöne ist, was man an Spannkraft verliert, wird ausgeglichen durch Dinge, nach denen man sich ewig sehnte: Zufriedenheit, Gelassenheit, die monatliche Rente. Und Einsichten wie, dass Verzeihen stärker ist als Rechthaben.
Vielleicht geht es im Leben nicht darum, es zu verlängern, sondern darum, es zu begreifen. In seiner Schönheit. In seinem Schwinden. Wir reden vom Tod, als sei er das Problem. Aber vielleicht ist es das Leben, das uns überfordert.
Einmal, vor Jahren, hörte ich einen Pater sagen: „Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Moment, in dem Gott uns anblickt.“ Es war einer dieser Sätze, die später im Kopf kreisen, leise, aber hartnäckig. Durch den Tod zum Leben. Ist das so? Oder ist es ganz anders? Etwa so, wie es der österreichische Lyriker Ernst Jandl beschrieb: „Jetzt sind wir die Menschen auf den Wiesen…dann sind wir die Menschen unter den Wiesen.
Zwingt uns die veränderte Welt nicht geradezu, Altern und Sterben neu zu denken? Durch Kriege, Umweltkatastrophen, eine moderne Medizin, die noch Halbtote der Pein einer Chemotherapie aussetzt? Nicht zuletzt durch die in die Jahre gekommenen Babyboomer, der größten Kohorte aller Zeiten, die nun merken, dass sie sich so schwer tut mit dem Altern wie noch keine Generation zuvor. Und mit dem Sterben erst recht. Der Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll meinte, wir hätten nur deshalb eine Sehnsucht nach dem ganz anderen in uns, nach zeitlosem Glück und Gerechtigkeit, weil „wir alle eigentlich wissen – auch wenn wir es nicht zugeben –, dass wir hier auf der Erde nicht ganz zu Hause sind. Dass wir also noch woanders hingehören.“
Wer stirbt, ist noch lange nicht tot, sagt der Glaube. Nie wurde Größeres verkündet. Der Mensch ist nicht für den Untergang ins Leben gerufen, so die Botschaft des Mannes aus dem Jenseits, sondern für die Auferstehung. Das Evangelium spricht von Vollendung, nicht von Vernichtung. Sterben heiße, hineingeboren zu werden in ein neues Leben.
Die Auferstehung Christi veränderte die Welt, wie sie noch nie verändert wurde. Ohne Auferstehung kein modernes Europa. Keine allgemeinen Menschenrechte. Keine Kathedralen. Kein Michelangelo, keine „Matthäuspassion“ von Bach und keine „Auferstehungs-Symphonie“ von Mahler. Jeder Gottesdienst dreht sich im Grunde um Auferstehung.
Altern ist keine Krankheit, sondern ein Transformationsprozess, der auf ein höheres Level führt.
Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Neubeginn in einer vollendeten Wirklichkeit.
In Würde zu altern und in Würde zu sterben geht nur, wenn wir uns auf diese wichtigen Lebensphasen vorbereiten und sie annehmen.
Es ist vollbracht. Die Schranke ist offen. Der Weg in die Ewigkeit ist frei. Zumindest für jene, die da auch hinwollen.
(Zitate von Peter Seewald
Die Entdeckung der Ewigkeit)
