Wirtschaftsprofessor Thomas Kotulla ist innerhalb weniger Jahre vom Skeptiker zum gläubigen Christen geworden.

Ich bin als Kind katholisch getauft worden, war später sogar Messdiener. Aber ich wusste eigentlich nie, was christlicher Glaube bedeutet. Geschweige denn, was es mit diesem Jesus auf sich hat. Als ich Jugendlicher war, hatte mein Bruder einen schweren Unfall. Da haben meine Eltern aufgehört, in die Kirche zu gehen – und ich mit ihnen. Mit neunzehn Jahren hatte ich dann einen Freund, der einer Kirche angehörte und mich immer wieder gefragt hat, ob ich nicht mitkommen möchte. Das tat ich und es schreckte mich damals ab. Ich empfand die Kirche als beengend und wissenschaftsfeindlich. Ich wurde zu einem Gegner des christlichen Glaubens.

Mit 26 Jahren spielten plötzlich meine Nieren verrückt. Ich bekam schwere chronische Darmkrämpfe, verlor kontinuierlich an Gewicht, es ging bergab mit mir. Ich kam ins Krankenhaus, wo die Ärzte eine schwere Nierenkrankheit diagnostizierten, die Ursache aber nicht feststellen konnten. Die Mediziner sagten mir unmissverständlich, dass ich auf alles gefasst sein müsse. Ich sollte mich auf den Tod vorbereiten.

Ich fiel ins Bodenlose. Meine Freunde erkannten mich nicht mehr wieder, ich stand völlig neben mir. Alles, worauf ich bis dahin meine Hoffnung gesetzt hatte, war nichts mehr wert: Ich hatte meine Promotion angefangen, hatte gute Freunde, keine Geldsorgen und war bis dahin immer gesund. Doch mir wurde bewusst, wie vergänglich all das ist. Sogar die Menschheit und damit all unsere Erinnerungen würden irgendwann mit unserem Sonnensystem verglühen. Ich begann, mich zu fragen, ob es mehr geben könnte als das – zum Beispiel ein Leben nach dem Tod. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, ob ich selbst in zwei Monaten noch leben würde. Als ich meine Suche begann, war ich dem christlichen Glauben gegenüber sehr verschlossen. Er beinhaltete für mich zu viele Widersprüche: Die Frage nach dem Leid in der Welt zum Beispiel. Jesus selbst fand ich befremdlich.

Der christliche Glaube war aufgrund meiner Vergangenheit und meiner Herkunft naheliegend. Aber im Laufe meiner Suche habe ich mich auch mit anderen Glaubensrichtungen beschäftigt. Es wäre wissenschaftlich unlauter gewesen, sie auszuschließen. Zu diesem Schluss bin ich erst drei Jahre später gekommen. Nachdem ich erkannt hatte, dass die Existenz von etwas Übernatürlichem plausibel ist, habe ich mich gefragt, ob es Sinn ergibt, an einen persönlichen Gott zu glauben – oder eher an ein unpersönliches Prinzip. An diesen und vielen weiteren Weggabelungen bin ich immer dorthin abgebogen, wo mir der Weg am plausibelsten erschien – und bin am Ende beim christlichen Glauben gelandet.

Ich bin Wirtschaftswissenschaftler und spreche in meinen Vorlesungen nicht über Glaubensthemen. Doch wer meinen Namen googelt, findet mein Buch. Es kam schon einige Male vor, dass mich Studierende darauf angesprochen haben – aber nur positiv. Sie haben gesagt, dass sie es spannend finden, womit ich mich beschäftige und dass ich versuche, einen intellektuellen Zugang zum Glauben zu finden.  Ich denke, es gibt zwei Formen von Glück: ein eher oberflächliches Empfinden von Freude sowie einen tiefen inneren Frieden. Oberflächlich betrachtet würde ich sagen: Ich bin noch immer nicht ganz gesund und habe Probleme wie jeder andere auch. Aber ich habe einen tiefen inneren Frieden gefunden und Antworten bekommen, die mich intellektuell überzeugt und emotional getroffen haben. Ich habe Dinge erlebt, die für mich Wunder oder Gottesbegegnungen sind. Und ich weiß, dass mir das ewige Leben geschenkt ist. Ich bin in Gott geborgen. gomagazin.ch

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