Darf ein Christ töten? Gibt es einen gerechten Krieg?

Kurz gesagt: Jesus ruft zu Gewaltlosigkeit und Feindesliebe auf. Im Normalfall darf ein Christ nicht töten, und er soll lieber Unrecht leiden als Unrecht tun. Zugleich trägt der Staat nach Römer 13 das Schwert, um das Böse zu bestrafen und Schwache zu schützen. Darum halten die Artikel auf soulsaver.de Gewalt und Krieg im Grenzfall für vertretbar, etwa zur Abwehr eines Angriffs und zum Schutz Wehrloser. Krieg bleibt dabei immer ein Übel und ist nie etwas Gutes.

Was meint „Du sollst nicht töten“?

Der Theologe Klaus Jürgen Diehl erklärt, das 5. Gebot (2. Mose 20,13) müsste genauer mit „Du sollst nicht morden“ übersetzt werden. Das hebräische Verb ratsach meint eine verbrecherische Tötung. Sonst stünde das Gebot im Widerspruch zu Stellen, in denen Gott die Todesstrafe (1. Mose 9,6) oder Kriege anordnet („Darf ein Christ töten?“). Ein weiterer Artikel kommt zum selben Schluss: Gott ist nicht unter allen Umständen gegen das Töten, wohl aber gegen den Mord (Quelle). Der Theologe Horst Pöhlmann versteht das Gebot dagegen als Verbot jedes Tötens, kennt aber Ausnahmen im Grenzfall (Quelle).

Was lehrte Jesus?

Jesus verzichtet für das Reich Gottes auf äußere Gewalt und lehrt seine Jünger, lieber Gewalt zu erleiden als anzuwenden (Matthäus 5,38–41; Quelle). „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Matthäus 5,9). Selbst in einer Notwehrsituation sagte er zu Petrus: „Stecke dein Schwert an seinen Ort! denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen“ (Matthäus 26,52; Quelle).

Weder Jesus noch die Apostel haben jedoch Christen ausdrücklich aufgefordert, den Militärdienst zu verlassen. Johannes der Täufer sagte den Soldaten: „Tut niemand Gewalt noch Unrecht und laßt euch genügen an eurem Solde“ (Lukas 3,14; Quelle).

Normalfall und Grenzfall

Im Normalfall darf nicht getötet und keine Gewalt ausgeübt werden. Es gibt aber den Grenzfall der Pflichtenkollision: wenn man töten muss, um Töten zu verhindern, etwa um wehrlose Frauen und Kinder vor Mördern zu schützen. Dann wäre Wegschauen die größere Sünde. Ein Staat ist sogar verpflichtet, sich gegen einen Überfall zu wehren, um seine Menschen zu schützen (Quelle). Dietrich Bonhoeffer verglich das mit einem Fahrer, der Menschen überfährt: Es reicht nicht, die Verletzten zu versorgen, man muss ihm das Steuer entreißen (Quelle). Der Staat trägt das Schwert zur Bestrafung des Bösen (Römer 13). Der einzelne Christ muss seine Entscheidung mit dem Herrn ausmachen (Quelle).

Was macht einen Krieg „gerecht“?

Augustinus und später Thomas von Aquin nannten Kriterien (Quelle; Quelle):

  1. Der Krieg muss dem Frieden dienen und ihn wiederherstellen.
  2. Er darf sich nur gegen tatsächlich begangenes, fortbestehendes Unrecht richten.
  3. Eine legitime Autorität muss ihn anordnen.
  4. Er darf nicht die Vernichtung des Gegners zum Ziel haben.
  5. Der Befehl darf nicht gegen Gottes Gebot verstoßen.

Die Kirchengeschichte zeigt allerdings, wie oft dieser Anspruch missbraucht wurde, etwa bei Zwangsbekehrungen und Kreuzzügen (Quelle).

Gewissen und Gebet

Martin Luther hielt den Dienst des Soldaten für ein von Gott gewolltes Amt. Er gestand aber dem Einzelnen zu, eine Kriegsentscheidung der Obrigkeit zu prüfen und notfalls aus Gewissensgründen zu verweigern, mit allen Folgen. Christen sollen ihren Glauben nie mit Gewalt verteidigen. Gewalt dient nur dem Schutz der Schwachen und der Bestrafung von Rechtsbrechern, und das ist Aufgabe der Obrigkeit (Quelle). Christen sollen nicht nach Krieg streben. Sie sollen beten: um Weisheit für die Regierung, um ein schnelles Ende von Konflikten und um möglichst wenige zivile Opfer auf beiden Seiten (Philipper 4,6–7; Quelle).

Häufige Anschlussfragen

Darf ein Christ Soldat sein?

Das Neue Testament fordert nicht dazu auf, den Soldatenstand zu verlassen (Lukas 3,14). Die Kirchenväter lehnten den Kriegsdienst mehrheitlich ab, nötigten bekehrte Soldaten aber nicht, ihn aufzugeben (Quelle).

Darf ich mich selbst mit Gewalt verteidigen?

Jesus verwehrte Petrus das Schwert sogar in der Notwehr (Matthäus 26,52). Luther betont, Gewalt sei nicht für das eigene Überleben gedacht, sondern zum Schutz anderer (Quelle).

Weiterlesen auf soulsaver.de

Beitrag teilen:WhatsAppTelegramFacebookE-Mail

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.