Was ist der Unterschied zwischen katholisch und evangelisch?

Kurz gesagt: Die Quellen von soulsaver.de nennen zwei Kernunterschiede. Erstens die Autorität: Die Reformation stellte „allein die Schrift“ über alles, die katholische Kirche erkennt neben der Bibel auch Tradition und Lehramt an. Zweitens den Heilsweg: Reformatorisch heißt „aus Gnade allein, durch Glauben allein“, die katholische Lehre verbindet Glauben und Werke. Dazu kommen Unterschiede bei Papst, Maria, Heiligen und Messe.

Woher kommt die Trennung?

Der Artikel „Reformationstag“ (Benedikt Peters, Mitternachtsruf 10/2017) erinnert an Martin Luther. Er schlug 1517 seine 95 Thesen an und stand 1521 vor dem Reichstag in Worms. Dort sagte er: „… so bin ich durch die Stellen der Heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes.“ Nach Peters ließ Luther nur eine Autorität gelten, nämlich die Bibel.

Der Beitrag „Luther – Er veränderte die Welt für immer“ beschreibt, wie Luther beim Lesen des Römerbriefs entdeckte, dass Gott gnädig ist und man sich ihm durch Glauben nähern kann, nie durch gute Werke. Anlass des Streits war unter anderem der Ablasshandel: Dem Menschen wurde für Geld ein Platz im Himmel und die Befreiung Verstorbener vom Fegefeuer versprochen.

Unterschied 1: Woran misst sich die Wahrheit?

Nach Peters erkannte Rom die Bibel durchaus als Autorität an. Daneben nennt die katholische Kirche aber zwei weitere Quellen der Wahrheit: die Traditionen und das Lehramt. Damit bestimme die Kirche, wie die Bibel zu verstehen sei. Die Reformatoren dagegen hielten die Schrift allein für Richtschnur.

Michael Kotsch zitiert in „Evangelisch ist nicht katholisch“ den katholischen Autor Johannes Hartl: „Es ist eben auch die Tradition, die mir die Schrift vermittelt.“ Kotsch weist darauf hin, dass die katholische Seite die vier reformatorischen Grundsätze (allein die Schrift, allein durch Gnade, allein durch Glaube, allein durch Christus) in ihrem absoluten Anspruch ablehne.

Unterschied 2: Wie wird ein Mensch gerettet?

Die Reformatoren lehrten Sündenvergebung aus Gnade allein. Nach Kotsch verbinden Katholiken dagegen Glauben und Werke. Er schreibt auch, dass evangelikale Christen glauben, ziemlich direkt in den Himmel zu kommen, während Katholiken überzeugt sind, längere Zeit im Fegefeuer leiden zu müssen.

Der Artikel „Hast du gewusst, was die Kath. Kirche … für Lehren eingeführt hat“ verweist auf einen Beschluss des Konzils zu Trient (1547), wonach der Mensch nicht allein durch Glauben gerechtfertigt wird, sondern auch gute Werke nötig sind. Dem stellt er Epheser 2,8–9 gegenüber: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme.“

Weitere Unterschiede im Überblick

  • Gebet: Evangelikale Christen beten nur zu Gott bzw. Jesus. Katholiken bitten auch verstorbene „Heilige“ (Kotsch). Der Artikel stellt dem 3. Mose 19,31 gegenüber.
  • Maria: Evangelikale achten sie als irdische Mutter Jesu. Katholiken verehren sie als sündlose „Himmelskönigin“ und „Miterlöserin“ (Kotsch). Die Bibel nennt nach dem Artikel Jesus als einzigen Mittler (1. Timotheus 2,5).
  • Papst: Das Dogma der Unfehlbarkeit (1870) und der Titel „Stellvertreter Christi“ werden dort mit Matthäus 23,8 und Kolosser 1,18 beantwortet (Quelle). Mehr dazu: Papst und katholische Kirche.
  • Messe: Die Lehre, Jesus werde in der Messe immer wieder geopfert, sieht der Artikel im Widerspruch zu Hebräer 10,14: Mit einem Opfer hat Jesus für immer vollkommen gemacht.
  • Sakramente und Kindertaufe: Hartl bekennt sich nach Kotsch zu den sieben Sakramenten. Zur Kindertaufe verweist der Artikel auf 1. Johannes 5,1.

Wie gewichten die Quellen diese Unterschiede?

Kotsch betont, es gehe „beileibe nicht nur um theologische Bagatellfragen, sondern um zentrale Fakten christlichen Glaubens“. Der Maßstab bleibt in allen Quellen die Bibel. Beurteilt werden Lehren, nicht einzelne Menschen.

Peters merkt außerdem an, dass auch die protestantische Christenheit das Erbe der Reformation zum Teil vergessen habe. Für ihn zeigt sich das an der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung von 1999 in Augsburg, nach der beide Konfessionen „angeblich“ dasselbe glauben (Quelle). „Evangelisch“ meint in diesem Artikel deshalb das biblisch-reformatorische Bekenntnis, nicht automatisch jede Landeskirche.

Häufige Anschlussfragen

Können sich die Kirchen vereinigen?

Der Beitrag „Sollen sich die Kirchen wiedervereinigen?“ meint: nein. Die katholische Kirche halte an ihren Prinzipien vor der Reformation fest, und große Teile der evangelischen Kirche hätten dem Zeitgeist die Türen geöffnet.

Was ist der gemeinsame Boden?

Kotsch erwähnt, dass der katholische Autor Johannes Hartl sich zur Treue in der Ehe bekennt und Abtreibung ablehnt. Die Unterschiede liegen laut den Quellen bei Autorität und Heilsweg.

Weiterlesen auf soulsaver.de

Beitrag teilen:WhatsAppTelegramFacebookE-Mail

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.