Ein Satanist kommt zu Jesus

Jeff Harshbergers Zeugnis: Errettung aus dem Satanismus



Ich war ein Satanist „Marke Eigenbau“. Mit anderen Worten, wenn etwas funktionierte, verwendete ich es einfach. Ich begann als philosophischer Satanist (LaVeyscher Satanismus). Dann aber fand ich heraus, dass es auch „Kräfte“ oder Dämonen gibt, die mir zur Verfügung standen; so fing ich mit traditionellem Satanismus an, während ich weiter an dem festhielt, was von LaVeys Gedankengut funktionierte: seine selbst-zentrierte Philosophie. Am Ende war ich von Dämonen besessen, weil ich mich ihnen hingab, um ihre „Kraft“ zu empfangen. Nachdem ich zu Jesus Christus gekommen war, wurde ich von den Dämonen gerettet. Hier ist mein Zeugnis…



Nach 4 Jahren im Satanismus war ich ziemlich fertig. Ich hatte alles gesehen, was Satan zu bieten hat, und war dennoch ein Häufchen Elend! Das einzige, was mir als „anständigem Satanisten“ noch übrig blieb, war, mich umzubringen. Aber schon bevor ich in dem Motel eincheckte, wusste ich dass etwas oder jemand mich aus der Bahn werfen würde. Um mir Mut einzuflößen, nahm ich eine Flasche Whiskey und ein Säckchen Marijuana mit. Dann legte ich das Gewehr an meinen Kopf an, aber irgendwie konnte ich einfach den Abzug nicht betätigen. Ich wusste, dass das Gewehr funktionierte, konnte aber ums Verrecken nicht abdrücken. Von mir selbst enttäuscht, versuchte ich es in der nächsten Nacht wieder. In einer Septembernacht 1981 versuchte ich mich zu hängen; ich wickelte den Strick um einen Balken in der Garage und stieß den Stuhl unter meinen Füßen weg. Daraufhin landete ich auf dem Boden, der Strick immer noch um den Balken gewickelt. „Was bin ich für ein Versager“, dachte ich mir, „ich kann mich nicht einmal selbst umbringen.“



Die Geschichte meiner Verwicklung in den Satanismus ist so klassisch, dass sie fast als Klischee durchgehen könnte. Ich war ein einsamer junger Mann aus einer kaputten Familie; mein Vater war ein Alkoholiker. Zuhause wurde es immer schlimmer, bis sich meine Eltern schließlich scheiden ließen. Also suchte ich mir selber ein Zuhause. Ich war auf der Ausschau nach Menschen, die mir Aufmerksamkeit schenken und mich annehmen würden. Ich suchte nach Liebe, war aber gefangen inmitten eines Zuhauses, in der Gewalttätigkeit herrschte und das mich in Hoffnungslosigkeit und Angst stürzte. Also begann ich im Übersinnlichen nach Mut und einer Art mystischen Macht über mein Leben zu suchen. Tatsächlich war ich reif für eine solche Erfahrung, denn an Magie und anderen Aspekten der paranormalen Welt war ich schon lange interessiert. Schon als kleiner Junge wusste ich, dass ein geistlicher Herrschaftsbereich existiert und dass es einen Weg dort hinein geben muss.



Meinen Erstkontakt mit dem Satanismus hatte ich 1978, als ein Schneesturm meine Heimatstadt überraschte. Zu jener Zeit war ich 17, in der Oberstufe der High School, und arbeitete in einem kleinen Laden, als der Sturm hereinbrach. Ich fragte mich gerade, wie ich an diesem Abend heimkommen sollte, als der stellvertretende Geschäftsführer, ein junger Mann von gerade mal 18 Jahren, mich in seine Wohnung einlud, die nur einen Steinwurf weit weg war. Dieser Mensch schien all das zu haben, wonach ich mich immer gesehnt hatte: Prestige und Macht, kurzum, er schien sein Leben voll unter Kontrolle zu haben und verhielt sich, als wäre er viel älter als 18. In jener Nacht offenbarte er mir die Quelle seiner Stärke. Ich war fasziniert. Er zeigte mir magische Kleinode und okkulte Objekte, die er angesammelt hatte. Ich war überzeugt. Später in dieser Nacht führten wir eine Zeremonie durch, in der ich mein Leben Satan gab.



Nachdem ich die High School beendet hatte, zogen mein “Lehrer” und ich weg, um aufs College zu gehen. Wir zwei versuchten, unseren eigenen satanistischen Zirkel zu gründen. Er sollte aus 13 Jüngern bestehen, doch wir schafften es lediglich, 6 zu rekrutieren, alle männlich. Wir 6 teilten uns ein Haus, in dem wir abhielten, was ich als „freischaffende“ satanische Rituale bezeichne; dabei entwarfen und improvisierten wir unsere Zeremonien ganz frei. Die Aktivitäten unseres Zirkels schlossen Bannsprüche und das Entweihen von Bibeln und anderen christlichen Gegenständen, die wir in die Finger bekamen, mit ein. Während dieser Zeit war ich regelmäßig mit Dämonen in Kontakt, wenn auch nicht mit Satan selbst. Die Dämonen waren mächtige Untertanen, die mit aufs Wort gehorchten…so dachte ich zumindest. Dann begannen die furchteinflößenden und ekelhaften Seiten des Satanismus die spannenden zu überschatten. Ich fragte mich, worauf der Zirkel eigentlich zusteuerte. Den nächsten Schritt würde ich nicht mehr mitgehen können, soviel wusste ich…denn ich wusste, dass es Grenzen gab, die selbst ich nicht überschreiten konnte. Ich wollte raus.



Zu jener Zeit dachte ich, dass alles, was mir noch übrigblieb, Selbstmord war. Zu meiner Enttäuschung versagte ich. Heute weiß ich, dass nur göttliches Eingreifen mich vor dem Gewehr und der Schlinge retten konnte. Nachdem ich wieder zuhause war, versuchte ich meine Erinnerung im Alkohol zu ersäufen, doch der Geschmack des Bieres drehte mir den Magen um. Also zündetete ich mir eine Zigarette an, um meine Nerven zu beruhigen…doch sie verbrannte meine Lippen! Schlußendlich ging ich, der werdende Satanspriester, in mein Zimmer, legte mich aufs Bett und fing an zu weinen. Was dann geschah, werde ich niemals in meinem Leben vergessen. Es war spät in der Nacht. Der Rest des Satanszirkels war fort zum Feiern, so dass das Haus leer war. Plötzlich hörte ich neben meinem Bett eine Stimme die Stille brechen: „Geh raus!“ Ich war von diesem Befehl so erschüttert, dass ich augenblicklich gehorchte. Aus dem am nächsten gelegenen Fenster meines Schlafzimmers kroch ich hinaus auf die Straße…und direkt in die Gegenwart Gottes. Meine Knie gaben nach und ich fiel auf mein Gesicht. Es gab keinen Zweifel, wer gesprochen hatte. Aufschauend zum Himmel flehte ich: „Jesus, bring einfach mein Leben in Ordnung!“



Es ist viel passiert seit diesem Erlebnis. Ich glaube immer noch an eine geistliche Realität. Ich glaube sowohl an Dämonen als auch an Engel, an das Gute wie an das Böse. Nur habe ich einfach die Finsternis für das Licht eingetauscht. Der Herr Jesus Christus hat mich vollkommen wiederhergestellt. Seit 18 Jahren bin ich nun verheiratet; meine Frau Liz und ich leben in Georgia. Mit Gottes Hilfe machte ich meinen Master of Arts in Pastoralseelsorge und gründete das Missionswerk „Refuge Ministries“. Zusammen klären wir andere über die Gefahren des Okkulten auf, über New-Age-Gedankengut und andere Irrlehren. Wir arbeiten nicht nur mit ehemaligen Satanisten. Ich weiß, wie man sich als einsamer und verwirrter Mensch fühlt, zur Verzweiflung getrieben. Wir sind da für jeden, den der Herr schickt. Wie schon eingangs gesagt, repräsentiert mein Zeugnis nicht den LaVeyschen oder traditionellen Satanismus. Mein Satanismus war selbstgebastelt.

Kommentare

  1. ali

    Sind Christen überhaupt vernünftig?

    Verführt der christliche Glaube nicht zu einer völlig unkritischen Haltung, mit der man alles Mögliche für wahr hält? Die Bibel jedenfalls ruft zu klarem Prüfen auf. Doch die eigentlichen Entscheidungen fallen ohnehin nicht im Kopf.
    Für viele Menschen ist Glauben ist „das, was man nicht weiss.“ Je mehr Verstand also einer hat, desto weniger muss er also „glauben“. Ziemlich krass hat das James Harvey Johnson vom Thinkers Club ausgedrückt: «Religiöser Glaube verstösst gegen den gesunden Menschenverstand. Es gibt weder Engel, Teufel, Himmel, Hölle, Geister, Hexen noch Wunder. Diese abergläubischen Vorstellungen werden den Leichtgläubigen weisgemacht, damit sie an die Priesterklasse Geld zahlen und die ihnen die Gunst eines der Götter einbringt. Es gibt nichts Übernatürliches – nichts, das dem Naturgesetz widerspricht».[1]

    Muss der Christ also seinen Verstand an der Garderobe angeben, wenn er an die Wunder der Bibel und die Auferstehung Jesu Christi glauben will? Dann wäre Unwissenheit die Grundlage des christlichen Glaubens und der Glaube selber etwas Blindes, Stumpfsinniges.

    Prüfen, prüfen, prüfen!«Prüft alles, und das Gute behaltet », empfiehlt Paulus der Gemeinde in Thessaloniki.[2] Das klingt nach vernünftigem Beurteilen. «Ich rede doch zu verständigen Menschen; urteilt selbst über das, was ich sage»,[3] rät er denn auch den Korinthern. Auch der Evangelist Johannes ruft dazu auf, die «Geister» zu «prüfen».[4] Und schon im Alten Testament befahl Gott den Israeliten, jeden zu ignorieren, der falsche Prophezeiungen macht.[5] Er wollte also, dass sie die Wahrheitsansprüche der verschiedenen Propheten nicht unkritisch hinnehmen.

    Das geht nur mit einem wachen Verstand. Der soll sogar unsere Beziehung zu Gott mitprägen: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken»,[6] verlangt Jesus.

    Glauben ist das Gegenteil von UnkenntnisDer Christ „opfert“ nicht seinen Verstand; er bringt ihn ein. Nicht nur das: Im Glauben an Jesus Christus erschliessen sich ihm ganz neue, weite Horizonte. Ungeahnte Zusammenhänge gehen ihm auf, und bisher „Geglaubtes“ ist ganz neu einzuordnen.[7] Denn Glauben ist nicht das Gegenteil von Wissen, sondern von Unkenntnis. Der Gläubige hat sich aufklären lassen über die Bedeutung von Jesus, über die wesentlichen biblischen Zusammenhänge und über seinen eigenen Weg zu und mit Gott.
    «Ich weiss, wem ich Glauben geschenkt habe»,[8] schreibt der Apostel Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus, und auch Petrus gesteht von sich und den anderen ehemaligen Jesus-Jüngern: «Wir sind nicht klug ersonnenen Legenden gefolgt, als wir euch die Macht …. von Jesus Christus wissen liessen, sondern wir sind Augenzeugen seiner Majestät gewesen.»[9] Es gäbe noch viele weitere Bibelstellen, die alle belegen, dass der Verstand im christlichen Glauben eine wichtige Rolle spielt.

    Das „erleuchtete Herz“Das Christentum beruht auf Tatsachen, die einer rationalen Überprüfung standhalten. Er ist eben grade kein Schritt ins Ungewisse – so sehr er auch Vertrauen auf Gott verlangt –, sondern ein Leben in einer neuen Gewissheit. Die übersteigt allerdings blosse Vernunftdünkel. «Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid»; Epheser 1,18.
    Die Christen und die es werden wollen sind also aufgerufen, durchaus ihre Vernunft zu gebrauchen. Das entscheidende Organ ist allerdings das Herz. Es kann bereits von einer Sache überzeugt sein, bevor die Vernunft sie nachzuvollziehen imstande ist. «Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz», heisst es von den Zuhörern der ersten Pfingstpredigt (Apostelgeschichte 2,37). Mit dem Verstand fassten sie dann den Entschluss zum nächsten Schritt, nämlich zur Frage: «Was sollen wir tun?»

    Der grosse Denker des Mittelalters, Anselm von Canterbury, drückte das in den berühmten Worten aus: „Ich glaube, damit ich verstehe.“[10] – Die Vernunft versucht sich Rechenschaft zu geben über das, was dem Herzen bereits klargeworden ist. Und der Glaube, die bereinigte Beziehung zu Gott, befreit die Vernunft zu einem «erneuerten Denken».[11] Denn die Welt erscheint nun in einem anderen Licht.

    [1] Religion is a Gigantic Fraud, San Diego, CA: The Thinkers Club[2]  1.Thessalonicher 5,21[3] 1. Korinther 10,15[4] 1. Johannes 4,1[5] 5. Mose 18,22[6] Matthäus 22,37[7] Es ist der Heilige Geist, der die eigene menschliche Vernunft freisetzt – oder in biblischer Bildersprache gesagt „erleuchtet“. Darum auch der Dank des Paulus an Gott, der «es hat auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi»; 2. Korinther 4,6. Umkehrt soll Bisheriges neuinterpretiert werden, «so dass wir [falsche] Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt»; 2. Korinther 10,5.[8] 2. Timotheus 1,12[9] 2. Petrus 1,16[10] „Credo ut intelligam.“[11] Römer 12,2: «Lasst euch in eurem Wesen verändern durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der … Wille Gottes ist.»

  2. fallen_Seraph

    vom Regen in die Traufe

    Für mich besteht kein großartiger Unterschied zwischen (religiösen) “Satanisten” und Christen. Beide hängen in ihrer paranormalen Irrwelt fest und ignorieren wissenschaftliche Fakten.

    Ein positiver Bericht wäre mal: “Ein Christ kommt zu Vernunft!”

  3. ali

    Seit Jahren überschlagen sich die Berichtserstatter im In- und Ausland. Ein Sensationsmeldung jagt die andere. Da wird von Schwarzen Messen auf den Friedhöfen, Gräberschändung, rituellem Missbrauch, Tier-, ja sogar Menschenopfern geredet. Ganze Schulen sollen von einer unheimlichen Welle okkulten Interesses ergriffen worden sein. Zeitungsüberschriften wie „Immer mehr Jugendliche gehen zum Teufel“ schockieren, ängstigen, rufen Fragen hervor.
    Als Pastor einer freikirchlichen Gemeinde kam ich zum ersten Mal mit dem Satanismus Mitte der Achtziger Jahre direkt in Berührung. Jemand hatte jemand die Außenwand unseres Gemeindehauses mit  antichristlichen Sprüchen und satanistischen Symbolen verschmiert. Meine Recherchen führten mich bald auf die Spur einer Gruppen von Jugendlichen die ab und zu in der Teestube der Gemeinde auftauchten. Sie fielen längst durch ihre auffällige Kleidung und herausforderndes Benehmen auf. Ich sprach sie auf Ihr Treiben an und sie überhäuften mich mit Hasstyraden. Satanisten seien sie und in unser Kirche nur, weil sie einen Auftrag haben unsere Kirche zu zerstören. Ein vernünftiges Gespräch schien unmöglich. Alarmiert durch dieses Gespräch schrieb ich den Jugendlichen einen Brief indem ich Sie auf die Konsequenzen eines Paktes mit dem Satan hinwies. Es dauerte nicht lange und zwei völlig schwarz gekleidete junge Männer tauchten eines Tages unangemeldet vor meiner Wohnungstür auf. Im Namen Luzifers verlangten sie von mir sie in die Wohnung zu lassen. Und ohne auf eine Antwort zu warten drängten sie sich in mein Haus. Ich ging ihnen nach und als wir im Wohnzimmer angekommen waren, hatte ich mich wieder gefangen, hob meine Hand und befahl ihnen im Namen Jesu sich zu setzen. Dieser Name versetzte die noch eben so majestätisch erschienenen Herren in eine große Unruhe. Sie wollten wieder gehen, aber ich zwang sie zu bleiben und den Grund ihres Kommens zu verraten. Alt bekannte Haß-Tyraden und persönliche Drohungen folgten. Später riefen mich jede Nacht irgendwelche Störer an und spülten über mich einen Fluch nach dem anderen. Meine persönliche Begegnung mit Satanisten begann.
    Viele Jahre sind seither vergangen. Aus dieser ersten Begegnung ist ein Dienst geworden. Denn Menschen, jung und alt, die sich zur Satansanbetung bekennen, begegnet man heute überall da wo man sich mit dem Thema paranormaler Erfahrungen in Vorträgen auseinandersetzt. Man muß nicht erst die Sensationsberichte in der Presse lesen, um zu verstehen, daß Satanismus zu einer festen Größe auf dem Markt religiöser Möglichkeiten in Deutschland geworden ist. Freilich sollte man sich nicht nur auf Grund der Veröffentlichungen in den Boulevardblättern ein Bild über das Phänomen machen, wie Eckhard Türk mit Recht gefordert hat.  Aber ob es sich hierbei nur um ein gesellschaftliches Randphänomen handelt, wie er es sieht,  daß kann ebenso angezweifelt werden. Die Worte des Begründers der Kirche Satans Anton Szandor LaVey: „Das ist das Zeitalter des Satans! Der Satan regiert auf der Erde“  mögen übertrieben pathetisch klingen, sieht man sich jedoch die rapide Ausbreitung satanischer Kulte in der Welt an, so beginnt man sie ernst zu nehmen. Freilich muß ein solches Ernstsnehmen vor allem von einer weitestgehenden realistischen Beurteilung des Phänomens ausgehen. Beides, übertriebener Sensationismus wie gefährliche Verharmlosung helfen am Ende nicht weiter. Christen sollten sich um die Wahrheit bemühen, weil nur sie am Ende zur Freiheit führen kann (Joh. 8,32). Diese Broschüre ist von einem solchen Verlangen, so objektiv wie möglich das Phänomen Satanismus zu beschreiben, getragen.
    Doch wie gelangt man zu einem realistischen Bild einer in Geheimtuerei und unzähligen Geheimcodi operierenden Bewegung, die keineswegs zentral organisiert und deshalb sehr unterschiedlich auftritt? Die Gefahr der Verallgemeinerung ist kaum zu vermeiden. Hier ist nicht nur darauf zu achten, daß man nur authentisches Informationsmaterial zur Beurteilung heranzieht und sich prinzipiell von jeder Sensationsberichterstattung fernhält (allerdings ohne die Gefahr zu laufen, dieses Heft zu einer Quelle für esoterisch-okkulte Veröffentlichungen zu machen), sondern auch das sorgfältig selektierte Material „geistlich“ deutet. Der Gemeinde Jesu wurde dafür die Gabe der Geisterunterscheidung gegeben. Diese, heute leider so rar geworden Gabe des Heiligen Geistes ist bei der Beurteilung dämonischer Wirklichkeit unerlässlich.
    Es ist daher meine Bitte an jeden Christen, der diese Broschüre ließt, den Herrn um eine solche Gabe der Geisterunterscheidung zu bitten. Und natürlich erst recht dann, wenn einem  Begegnungen mit Menschen, die satanischen Inhalten anhängen, zugemutet werden. Schnelle Beurteilungen können zu unzuläßlichen Verurteilungen führen. Das Ziel der christlichen Existenz in dieser Welt kann aber niemals Verurteilung der Welt sein, sondern die Erlösung der Menschen. Wer sich mit den Satanisten aus missionarischem Interesse beschäftigt, wird vom tiefen Verlangen, diesen verirrten Seelen zu helfen, getragen. Ein solches bewusstes, aufgeklärtes Vorgehen zu ermöglichen – dafür ist dieses Heft geschrieben worden. Es will aufklären und ermutigen in den Kampf für Menschen zu ziehen, die im Sumpf der Finsternis stecken geblieben sind.

    Was ist und woher kommt Satanismus

    Was ist Satanismus?
    Es ist wahrlich nicht einfach das Phänomen Satanismus in wenigen Sätzen zu fassen. Zu unterschiedlich geben sich die verschiedenen Bewegungen, die diese Bezeichnung für sich wahrnehmen. Während die einen eine Anbetung Satans verneinen,  sehen andere in Satan – Gott, dem jede Anbetung gebührt. Bob Passantino hat Satanismus wie folgt definiert:
    Moderner Satanismus ist eine Form religiösen Glaubens und Ausdrucks, die sich der Anbetung Satans bedient, wobei Satan als übernatürliche Person, Gottheit, Teufel, eine übernatürliche Macht, eine  natürliche Kraft, oder auch meistens als das Selbst begriffen wird.
    Andere glauben, daß man den Satanismus viel enger fassen müsse und nur solche Kreise als satanisch verstehen, die den Satan als wahrnehmbare Realität begreifen und anbeten.  Klöckner/Tworuschka schreiben: „Als Satanismus im engeren Sinne sind Menschen zu verstehen, die sich ausdrücklich positiv auf Satan als eine individuelle religiöse Instanz beziehen.“  Die weitergefasste Definition Passantinos erscheint mir jedoch gerechtfertigt, auch wenn es dabei um einen „Satanismus mit und ohne Teufel“   gehen kann.
    Sicher darf man dabei den Satanismus nicht einfach mit anderen okkulten Erscheinungen unserer Tage verwechseln: Heidentum, Götzendienst, Hexenkult oder die New Age Bewegung. Zweifelsohne sind in diesen Bewegungen okkulte Erscheinungen vorhanden, und zum Teil sind sie fest im Okkultismus verankert, und sie stellen eine wahre Gefahr satanischer Beeinflussung dar. Auch funktionieren sie oft als Vorhöfe für den Satanismus. Zum Satanismus im engeren Sinne gehören sie dagegen nicht. Beim Satanismus geht es um unmittelbare Verehrung Satans, auch wenn Jugendliche, die den Satans- Kult praktizieren sich oft überhaupt nicht sicher sind, ob Satan in Wirklichkeit existiert. Aber ihr Kult funktioniert und deshalb gehen sie dem nach. Nur sehr wenige Satanisten praktizieren ihren Kult deswegen weil sie bewußt von der Existenz Gottes und des Satans ausgehen und sich nun einmal für den Satan entschieden haben. Biblisch gesehen, ist Satanismus die Anbetung des gefallenen Engels namens Luzifer, der hebräisch satanas (Mr. 1,13; Luk. 22,3), griechisch diabolos (Joh. 6,70; 8,44) genannt wird und als Widersacher Gottes und Verführer der Menschen gesehen wird. Er ist der Führer der von Gott abgefallenen Engel (Luk. 10,18) und „der Böse“ (Mt.5,37). Wer sich mit dem Satan einlässt und unter seine Kontrolle gerät, steht grundsätzlich in Opposition zu Gott (Eph. 2,1-3).Woher kommt der Satanismus? Satanismus als organisierte Anbetung des Satans ist eine relativ moderne Erscheinung. Sie baut vor allem auf den anti-religiösen Gefühlen, die mit der Aufklärung ins Leben der europäischen Gesellschaft einzogen und Grund für eine Anti-Religion legten, die sich oft nicht nur atheistisch, sondern auch antikirchlich gab.  Passantino formuliert richtig: „Die Anti-Religion der Aufklärung legte mit der sekulären Philosophie und der Ablehnung des Christentum den Grund für den modernen Satanismus.“  Inwieweit diese Anti-Religion mit dem Hexenwahn zu Beginn der Neuzeit zu tun hat, ist umstritten, und wird hier nicht behandelt.  Dagegen ist der geheime Satanskult in den höchsten Gesellschaftsschichten in Paris der Zeit des Ludwig XIV gut belegt.  Hier versuchte man sich besondere Kräfte durch Schwarze Messen und blasphemisch-obszöne Riten anzueignen. Die Schwarze Messe ist bewußt der christlichen „weißen“, Römisch-Katholischen Messe, nachempfunden. Es fällt auf, daß die satanistische Anti-Religion sich vor allem gegen die Riten der Katholischen Kirche formierte. Haaks haben Recht wenn sie schreiben: „Einen ´protestantischen Satanismus´ dieser Art hat es nicht gegeben.“  Der Grund hierfür wird vor allem in der eher rationalistischen Glaubensweise der Protestanten liegen, deren schlichte und  „verkopfte“ Gottesdienste wenig Raum für Mystik und mystische Erfahrungen geben, während das in der Katholischen Messe eher der Fall ist.
    In den satanischen Messen wurden auch schwere Verbrechen begangen. So gilt als belegt, daß bei den Riten Blut von ermordeten neugeborenen Kindern verwendet wurde. Ein anschauliches Beispiel hierfür stellt die Geschichte von Madame de Montespan, Maitresse Ludwigs XIV, und Mutter einer Reihe seiner Kinder. Vernachlässigt vom König, versuchte sie seine Gunst zurück zu gewinnen in dem sie zu schwarzmagischen Mitteln griff. Dabei wurden während der Schwarzen Messen auch Kinder geopfert.  Es ist anzunehmen, daß dererlei Kulte nicht nur in Paris praktiziert wurden.

    Das der Teufelskult der Pariser Elite keine europäische Zufallserscheinung gewesen war, zeigt die Wiederbelebung des Interesses für den Satanismus im 19. Jahrhundert, hier vor allem in der Form literarischer Dichtung. Besonders wichtig scheinen die Satanslitaneien Charles Baudelaire  und der 1889 in Paris erschienen Roman des Joris K. Huysmans „La-Bas“, einem Freund des gewissen Abbe Boullan, der nachweislich Schwarze Messen, auch mit Menschenopfer abhielt.   In Huysmans Roman wird eine Schwarze Messe beschrieben, die bedenkt man die Beziehung des Autors zu Boullan, wohl keine Ausgeburt seiner eigener Phantasien, sondern eine Beschreibung konkreten Geschehens, sein durfte. Die Verherrlichung des Satans ist hier verbunden mit massiven Lästerungen des Herrn Jesus Christus. Es wird deutlich, daß hier das Interesse für den Satan auf dem Hintergrund einer grundsätzlichen Protesthaltung dem Christentum, Gott und Jesus Christus gegenüber, begründet ist. Bernhard Wenisch spricht an dieser Stelle daher auch vom Protestsatanismus.  Protest ist es auch bis heute was viele, besonders jungen Satansverehrer zu aller erst ausdrücken wollen.
    Zwischen den historischen satanistischen Erscheinungen und dem modernen Satanismus gibt es allerdings nur wenige Verbindungen. Der Amerikaner J. Gordon Melton schreibt: „Der Gegenwärtige Satanismus scheint wenig organisatorische Verbindung zum früheren Satanismus zu haben. Bücher über schwarze Magie, Satanismus und das Psychische  generell scheinen für ihn die Quelle zu sein und die gegenwärtige Psychoszene dient als Vorgabe für satanische Praktiken. Die magischen Schriften Aleister Crowleys haben in vielen Bereichen Einfluß gehabt …“

    Aleister Crowley – der Ideologe des modernen Satanismus

    Oft als Vater des modernen Satanismus gepriesen, hat der Britte Aleister Crowley (1875-1947)  wie kein anderer die verschiedenen Strömungen im modernen Satanismus beeinflußt. Crowley entstammte einem überaus frommen Elternhaus, das zu den Brüdergemeinden (Plymouth Brethren) in England gehörte. Gut gebildet, lehnte er bereits früh den Glauben seiner Eltern ab und benahm sich ausgesprochen antichristlich, was seine Mutter dazu bewegte, in ihm das „große Tier“ aus der Offenbarung zu sehen, was ihn nur noch dazu anstachelte, diese Bezeichnung für sich selbst in Anspruch zu nehmen.  Mit 20 Jahren begann Crowley ein Studium der Geisteswissenschaften am angesehenen Trinity College in Cambridge, das er jedoch drei Jahre später 1898, ohne Abschluß wieder verließ. Noch im gleichen Jahr schloß sich Crowley einer okkulten Gruppe an, die sich Hermetic Order of Golden Dawn (HOGD – Hermetischer Orden der Goldenen Dämmerung) nannte, um hier sein Interesse für Magie und Okkultismus zu befriedigen. Er wurde in den Orden als Bruder Perdurabo aufgenommen. Der junge Mann war mittlerweile zu festen Meinung gelangt, eine besondere Lebensberufung zu haben: „… das Universum zu dem Zustand trunkener Unschuld und spiritueller Sinnlichkeit zu erlösen.“  Er ließ sich in London nieder und begann hier als Magier zu praktizieren, wobei er immer wieder zu Drogen, Haschisch und Kokain, zurückgriff, um so seine Visionen zu erhalten. Crowley reiste viel. Auf Reisen nach Mexiko, Hawaii, Japan und Ceylon wird er neben seiner Suche nach okkultem Wissen vor allem seiner Rauschgiftsucht gefrönt haben.
    Im Jahre 1903 heiratete der selbsternannte Magier Rose Kelly, die Tochter eines alten Studienfreundes. Die Hochzeitsreise führte das frischverheiratete Paar nach Ägypten. Hier erhielt Crowley am 8., 9. und 10. April des Jahres 1904 jeweils zwischen 12 und 13 Uhr Mittags seine berühmte Offenbarung durch ein ausserirdisches Wesen namens „Aiwaz“. Auf Grund dieser Offenbarung formulierte Crowley sein legendäres Buch Liber Al Vel Legis   (Das Buch des Gesetzes). Darin proklamiert er das eingesetzte Ende der „christlichen Sklavenmoral“ und den Anbruch eines magischen Zeitalters das unter dem „Gesetz des Theleme“ (Tue was du willst – das ist das ganze Gesetz)  durch die Einführung einer „Force and Fire“ Religion.
    Sein ganzes folgendes Leben trachtete Crowley nun danach die Anweisungen dieser Offenbarung im praktische Leben umzusetzen. Er verließ den HOGD wegen Meinungsunterschiede mit deren Leiter Samuel Liddell Mathers und gründete 1907 einen eigenen Orden, den er Argenteum Astrum (Orden des Silbersterns) nannte. Die 90 Mitglieder dieses Ordens übten sich vor allem in der Sexualmagie, die in unvorstellbaren Orgien ausartete. Seine Frau Rose verfiel in Trunksucht und 1909 ließ der Magier sich von ihr scheiden. Zwei Jahre später wurde sie in eine Nervenklinik eingeliefert.
    Um die Jahrhundertwende lernte er den in Deutschland von dem Wiener Fabrikanten Dr. Carl Kellner (1850-1905) und dem deutschen Theosophen Dr. Franz Hartmann (1838-1912) gegründeten Ordo Templi Orientis (O.T.O) kennen, einen Geheimorden, der eher gnostischen Vorstellungen anhing. Bekannt wurde der Orden vor allem unter dem Nachfolger Kellners Theodor Reuß (1855-1923), der sich intensiv der Sexual-Magie des Hinduismus beschäftigte. Reuß lud Crowley im Jahre 1910 ein sich dem O.T.O anzuschließen und bestellte ihn gar zu seinem Nachfolger. 1912 wurde der Britte zum „National Grand Master General“ bestellt. Er selbst nannte sich „Master Therion“ und verstand sich bald als „Bruder Baphomet“ als der eigentliche Führer des O.T.O.
    Während des Ersten Weltkrieges hielt Crowley sich in Nord Amerika auf und kehrte nach dem Ende des Krieges nach Europa zurück. 1920 zog er nach Sizilien. Hier in der nähe des Fischerdörfchens Gefalu gründete er die Abtei „Thelema“, eine Art Gegenkloster „der Lebensfreude und Lebensbejahung“. Es wurde zu einem Ort der grenzenlosen sexuellen Perversion. Sodomie, Homosexualität, sexuelle Magie und Gewalt jeder Art gehörten zum Tagesprogramm des „Klosters“. Das Schicksal der Frauen, die sich auf Crowleys Sexwahn einließen war immer wieder das gleiche: sie landeten in den Nervenanstalten, verfielen der Trunksucht oder begangen Selbstmord.  Die Exzesse in der Abtei drangen nach außen und die italienische Regierung ließ Crowley 1923 ausweisen. Jetzt folgten Jahre der Wanderung durch Deutschland, wo er 1929 Maria Teresa Ferari heiratete, und England. Als die Nationalsozialisten 1935 den O.T.O verboten, ließ Crowley sich im englischen Hastings als Gast eines exzentrischen Lords nieder. Hier starb der „gottloseste Mensch des Jahrhunderts“ am 1. September 1947. Sein geistiger Einfluß sollte aber erst jetzt an Kraft gewinnen.
    Die Philosophie Crowley ist gnostisch festgelegt. Er glaubt, daß der Mensch in seinem Kern mit dem Urprinzip identisch ist. Im Unterschied zu den fernöstlich beeinflussten Neugnostikern versteht er das Urprinzip nicht geistig, sondern als Lebensdrang, der sich in unendlicher Lust ausleben will. Daher seine schrankenlose Zügellosigkeit bei der Auslebung seiner Leidenschaften. Bald folgten bodenlose Experimente in allerlei Richtung, wobei sexuelle Ausschweifungen den wichtigsten Platz einnahmen.
    Crowley´s Philosophie ist grundlegend für den modernen Satanismus. Sie zeichnet sich durch drei wichtige Prinzipien aus:
    1. Radikale Ablehnung des Christentums;
    2. Annahme der absoluten Vorrangigkeit seines eigenen Selbst;
    3. Gebrauch der Magie im Interesse eigener Bedürfnisbefriedigung.
    Dabei spielt die Vergötterung Satans keine Rolle, was immer wieder dazu geführt hat, daß man in Crowley keinen Satanisten zu sehen vermochte. Crowley verehrte weniger Satans, sondern verstand sich selbst als Gott. Folgendes Zitat des Magiers spricht für sich: „Ich bin ebenfalls ein Stern im Raum, einzig und aus mir selbst lebend, eine individuelle, unzerstörbare Essenz; ebenfalls bin ich eine Seele, ich bin identisch mit allem und Nichts. Ich bin in Allem, und alles ist in mir. Ich bin getrennt von Allem und Herr von Allem und eins mit Allem. Ich bin ein Gott, Ich wahrer Gott vom wahren Gott; ich gehe meinen Weg, um meinen Willen zu tun …“
    Bezeichnend ist dabei, daß Crowley diese seine Göttlichkeit glaubte der in ihm verwirklichten Inkarnation Satans zu verdanken. Im Anschluß an Off. 13 nannte er sich „das große Tier – 666“.  Eckhard Türk bezeichnete die Glaubenswelt Crowley mit Recht einen „satanistischen Pantheismus“.
    Eine Reihe von miteinander konkurrierender Organisationen sind aus dem O.T.O Crowley´s nach seinem Tod entstanden. Bis heute streitet man sich über seine rechtmäßige  Nachfolge.  Aber der Einfluß Crowley´s läßt sich sicher nicht mit den O.T.O. Spaltgruppen allein messen. Vielmehr trifft man überall im Satanismus heute auf Spuren seines Denkens. Das gilt sowohl für den organisierten Satanismus als auch für die populär-satanistische Szene.

    Eugen Grosche – der deutsche Großmeister
    Die Ideen Crowley´s wurden in Deutschland vor allem vom Berliner Buchhändler Eugen Grosche (1888-1964) alias Gregor A. Gregorius  umgesetzt. Viele Grundanschauungen, sowie liturgische Texte im heutigen Satanismus stammen von diesem selbsternannten Großmeister des Okkulten.
    Grosche, der sich schon früher in verschiedenen esoterischen, spiritistischen und Freimaurerlogen umgetrieben hatte, traf Crowley im Sommer 1925 in Weida, Thüringen und war von dessen Gedankengut seither schwer beeinflußt. Am 8. Mai 1926 gründete er mit vier weiteren Gesinnungsgenossen die „Fraternitas Saturni“, eine Gesellschaft die „einen seltsamen Synkretismus aus vielfältigsten Quellen: Theosophie, Freimaurerei, Luziferianismus, Astrologie, Crowleyanismus, Sexualmagie des O.T.O., indisches Yoga und mittelalterliche Alchemie“  vertritt. Das Herzstück dieser Vorstellungen ist die Annahme, daß die materielle Welt nicht durch einen Gott des Lichtes, sondern einen Demiurgen, der als Abfall einer Weseneinheit von diesem Gott des Lichtes verstanden wird, geschaffen wurde. Der Mensch ist dabei ein Mischwesen, der sich durch Erkenntnis (Gnosis) von der Materie befreien kann und sich in ein Lichtwesen zurückentwickeln kann. Der Weg dahin ist mit 33 Weihestufen verbunden. Eine wesentliche Hilfe erhält er dabei vom Lichtträger, dem Luzifer-Saturn, der nicht als Gegengott, sondern als der aus der Lichtsphäre kommender Lichtträger verstanden wird. Er ist darauf bedacht dem Menschen die befreiende Erkenntnis zu vermitteln.
    Unmissverständlich identifiziert Grosche Luzifer mit der biblischen Vorstellung des Satans.  So wird die Schlange aus 1Mo 3, die Eva versuchte durchwegs positiv und als weiblicher Aspekt des Satans interpretiert, gab sie doch der Eva Wissen, während der biblische Gott, der hier als Demiurg verstanden wird, dieses Wissen zu verhindern suchte.
    So sucht Grosche auch im rituellen Akt der Weihen die Einheit zwischen dem Lichtträger, der Wissen zu geben vermag, und dem nach Erleuchtung trachtenden Menschen zu erzielen. Eine Reihe solcher Rituale orientieren sich an der Sexualmagie Crowley´s.
    Die Fraternitas Saturni ist seit ihrer Gründung ständig an Zahlen gewachsen. Eine Reihe von Logen operieren heute in Deutschland. Im Jahre 1980 spaltete sich ein Teil des Ordens ab. Die neue Organisation nennt sich Ordo Saturni und stellt sich in der Öffentlichkeit als bewußt nicht satanistisch dar. Lehrmäßig ist jedoch kaum ein Unterschied zu der Muttergesellschaft zu erkennen.    

    Anton S. LaVey und Kirche des Satans
    So wichtig Crowley, Grosche und andere zum Verständnis des modernen Satanismus auch sind, eine konkret satanistische Bewegung haben sie nicht gegründet. Die Gründung der ersten Kirche Satans gebührt einem Amerikaner, Anton Szandor LaVey, der dich selbst als Hohepriester der Kirche Satans versteht. Geboren am 11. April 1930  erlebte LaVey bereits in seinen Teenagerjahren eine tiefe Enttäuschung mit der christlichen Kirche. Er reiste als Karnevalarbeiter durch die Lande und sah oft, wie Christen sich während der Woche an der Lüsten des Karnevals erfreuten, nur um dann am Sonntag im gleichen Zelt Gott anzubeten. Doch schon am nächsten Samstag konnte er die gleichen Gesichter unter den sündigenden Karnevalgästen erblicken. Für ihn stand bald fest – das Christentum erzieht die Menschen zu Heuchlern. Bald verließ er für immer die Kirche.  Er schloß sich für eine kurze Zeit den Teufelsanbetern, die zum Thelema-Orden der Nachfolger Aleister Crowley gehörten, an. Doch deren Ideen schienen ihn nicht zu befriedigen.
    In den 1950er Jahren versammelte LaVey in seinem Haus einen Kreis okkultinteressierter Personen, die sich „Magic Circle“ nannten und in deren Mitte der Meister seine magischen Künste präsentierte. In den 1960ern wurden diese Vorlesungen und Akte in die Öffentlichkeit getragen. Und schließlich kam es zur Gründung der Satanskirche im Jahre 1966. Wichtig für das Leben der Kirche Satans ist das satanische Glaubensbekenntnis das aus 9 Grundüberzeugungen besteht:
    1. Satan verkörpert Befriedigung von Begierden anstelle von Abstinenz.
    2. Satan verkörpert vitale Existenz anstelle von bloßen spirituellen Träumen.
    3. Satan verkörpert reine Weisheit anstelle von heuchlerischen Selbstbetrug.
    4. Satan verkörpert Zuneigung zu solchen die es verdienen anstelle einer Liebe die an Undankbare verschwendet wird.
    5. Satan verkörpert Rache anstelle des „auch die andere Wange Hinhaltens“.
    6. Satan verkörpert Verantwortung für die Verantwortungsbewusste anstelle der Sorge für psychische Vampire.
    7. Satan verkörpert den Menschen als einfach ein weiteres Tier – manchmal besser, viel     öfter aber schlechter als solche die auf allen Vieren gehen.
    8. Satan verkörpert alle sogenannten Sünden, weil sie alle zur physischen, mentalen und emotionalen Erfüllung führen.
    9. Satan ist der beste Freund, den die Kirche je gehabt hat, weil er sie aktiv erhalten hat in allen diesen Jahren.

    LaVey und seine Kirche gibt sich zwar sehr rationalistisch und preist die eigene Philosophie als einen Weg gegen das Establishment, sonst aber völlig im Einklang mit dem Naturgesetz,  aber die Verherrlichung der Sünde und der Gewalt läßt nur allzu leicht erkennen, woher hier der Wind weht. Es ist daher sehr bedenklich, wenn auch christliche Autoren LaVey und seine Ideen eher verharmlosen.
    Die Church of Satan von LaVey stand Pate zur Gründung einer Reihe weiterer Kirchen, Synagogen und Bewegungen, die sich zur Anbetung Satans bekennen. Die herausragendsten dieser Gruppen ist der Temple of Set, geleitet vom früheren Mitarbeiter LaVeys Dr. Aquino.

    II. Satanismus in Deutschland heute
    Das wachsende Interesse für den Satan, Schwarze Messen, und was sonst alles mit Satanismus verbunden wird, kann überall in der Welt  und Europa, ob West, Ost, Süd oder Nord beobachtet werden. Der bunte Teppich satanischer Gruppen und Bewegungen ist schwer zu greifen. Von einer organisierten und zentral gesteuerten Bewegung kann auf jeden Fall keine Rede sein. Folgende Übersicht satanistischer Gruppierungen in Deutschland ist keineswegs vollständig, da sich die Szene in ständiger Bewegung befindet.
    Eckhard Türk hat fünf Hauptströmungen des Satanismus im deutschsprachigen Raum festgemacht:
    Okkulter Neo-Satanismus
    Synkretistischer Jugendsatanismus
    Sexualmagische Gruppen
    Grufties
    Künstlersatanismus
    Okkulter Neo-Satanismus
    Unter okkultem Neo-Satanismus versteht Türk die Wiederbelebung der konkreten Anbetung Satans, der dann auch als Widersacher Gottes verstanden wird.  Andere sprechen hier auch vom „Historischen Satanismus“.  Besonders verbreitet ist der Neo-Satanismus in den USA, aber auch in Süd-Afrika.  In Deutschland werden die Einflüsse okkulter Satanisten permanent herunter gespielt.
    Synkretistischer Jugendsatanismus
    Gemeint ist ein „Mix aus den verschiedensten okkult-magisch-spiritistischen Zusammenhängen“.  Satanismus selbstgemacht, bedient sich allerlei okkulter Praktiken, die oft bunt gemischt und lokal sehr unterschiedlich ausgeprägt, vor allem in der alternativen Jugendszene praktiziert wird. Hier wird der Protest der Jugend gegen das vorherrschende „kirchlich-christliche“ gesellschaftliche Ideal in geheime Rituale und Botschaften gekleidet, die nur selten von den Jugendlichen selbst verstanden oder nachvollzogen werden. Aber das mysteriöse zieht an. Es wird an bestimmten Symbolen, Musikrichtung (Black- und Heavy-Metal) und Ritualen, so zum Beispiel Tier- und Menschenopfer  festgemacht. Haack spricht hier mit Recht vom „ambulanten oder latenten Satanismus“.

    Meist öffnen irgendwelche klassischen Methoden der Geisteranrufung wie Gläserrücken oder Pendeln den Jugendlichen die Tür in die geheimnisumwitterte übernatürliche Welt des Satanismus.   Auch gewisse Subkulturen der Jugendszene stellen eine Ausgangsbasis für satanistische Experimente dar. Allen voran müssen hier die Grufties erwähnt werden, die an sich nicht zum Satanismus gerechnet werden dürfen, wenigstens nicht zum harten Kern. Aber der Protest gegen gesellschaftliches Angepasstsein wird hier bewußt mit einer Symbolik und Verhaltensweise zum Ausdruck gebracht, das okkult-satanischen Hintergrund verrät.
    Sexualmagische Gruppen
    Als solche gelten alle auf Crowley, Grosche und andere zurückgehenden Gruppen, Logen und Bewegungen, wie die weiter unten diskutierten O.T.O, Fraternitas Saturni und Ordo Saturni und der 1972 in Berlin von Michael D. Eschner (geb. 1949), der sich als Inkarnation Aleister Crowley´s ausgibt, gegründeter Thelema Orden.
    Künstlersatanismus
    Satanistisches Gedankengut findet heute eine schnelle Verbreitung. Schuld daran haben weniger die sich zum Satanismus direkt bekennenden Gruppen, sondern eine von teuflischer Faszination getragene Kultur, vor allem in Film und Musik. Okkultes, esoterisches und ausgesprochen satanistisches Gedankengut gehört mittlerweile nahezu zu jeder Produktion Hollywoods und anderer westlicher Filmstudios.
    Besonders im Jugendspiritismus und -satanismus stellt diese Kultur einen besonderen Einstiegpool für den Jugendlichen dar.

    III. Warum wird man Satanist?
    Machtdurst
    Warum werden Menschen Satanisten? Was bewegt sie sich in satanistisches Fahrwasser zu begeben? Was zieht sie im Satanismus an? Eckhard Türk glaubt, daß der angehende Satanist sich vor allem vom Verlangen nach Macht treiben läßt,  daß sich in rebellischer Haltung gegenüber der vorherrschenden Gesellschaft und ihrer Moral, aber auch im Erlebnisdefizit äußert. Der Satanismus scheint auf eine schnelle Art und Weise ein totales Ausleben seiner Selbst zu ermöglichen, wobei nahezu alle Tabus fallen. Das gilt vor allem für den Bereich der Sexualität.
    Immer wieder begegne ich Menschen, die sich mit dem Satanismus eingelassen haben, weil sie darin eine Quelle erblicken, schnell zu Bereicherung zu kommen. „Satan gibt mir halt alles“, dieser Satz ist Standart. Dann folgen Geschichten wie man zu Geld, zu Sex, zu Macht kommt. „Bei Gott da gibt es Bedingungen, bei Satan ist alles Gratis“, sagte mir ein Junger Mann, der seit Jahren in der Szene ist. „Wer will da nicht einem Herrn gehören, der einfach nur will, was ich will?“
    Nicht selten läßt man sich auch auf satanistische Experimente ein, weil man Rache üben will. Das ist besonders in der Gruppe von Menschen der Fall die selbst Leid zu ertragen hatten, oft missbraucht wurden und sich selbst nicht anders wehren können, als nur über die mystische Schiene. So werden dann schnell Opfer zu Tätern.
    Wissensdurst
    Ein anderes Motiv stellt das natürliche Verlangen des Menschen nach mehr Wissen dar. Wissen ist bekanntlich auch Macht. Und besonders schwerzugängliches, geheimes Wissen schafft schnell das Gefühl der Superiorität. Wenn dieses Wissen dann noch Themen abdeckt, die sich alle im Bereich des Übersinnlichen, Übernatürlichen befinden, dann glaubt der Wissende eine besonders hervorgehobene Lage gefunden zu haben. Das wenigstens ist das Fazit der heute in den Medien dargestellten Okkult-Möglichkeiten. Und sie machen neugierig.  Und nicht selten verspricht dieses neugewonnene Wissen Probleme zu lösen, die sonst nicht zu lösen wären. Gerade im Westen mit seiner technisierten Zivilisation, stehen besonders junge Leute oft vor dem totalen Verlust der Geborgenheit, einer dadurch ausgelösten Angst vor der unsicheren Zukunft. Das Leben erscheint auf einmal völlig sinnlos. Okkultes Wissen scheint in dieser Sachgasse der Existenz eine willkommene Rettung zu bieten.
    Ein gutes Beispiel hierfür bietet der Fall Sandro Beyer, der im Mai 1993 in seiner thüringischen Heimatstadt Sondershausen von drei Jugendlichen, die sich selbst „Kinder Satans“ nannten, umgebracht wurde. Wie die Journalisten Guido und Michael Grandt in ihrer Dokumentation anschaulich beweisen,  stand dieser Mord in direktem Zusammenhang mit den satanistischen Glaubensvorstellungen der Jugendlichen, die sich im Laufe der Jahre aus der Beschäftigung mit okkulten Praktiken formierten. Der Ortspfarrer von Sondershausen, der sich mit den Jugendlichen in seiner Stadt intensiv beschäftigte erzählt: „Damals waren sie Schüler der 6. Klasse. In diesen Jahren hat bei ihnen eine immer intensiver werdende Beschäftigung mit satanischer Literatur, satanischer Musik und satanischen Videos stattgefunden … Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Wende im Jahr 1989. Sie erleichterte den Zugang zu den Erzeugnissen dieser satanischer Subkultur. So tauchten in Sondershausen dann nach und nach satanische Symbole auf. Jugendliche trugen das Pentagramm oder das umgedrehte Kreuz, und oft wußten sie gar nicht um ihre Bedeutung. Geheimnisvolle Treffs auf Friedhöfen und Schwarze Messen folgten.“  Das Resultat dieser Beschäftigung war schrecklich – ein junger Mann mußte sterben.

    Auf der Suche nach Geborgenheit
    Der Fall von B. steht für viele andere. Ich lernte ihn am Rande einer evangelistischen Woche kennen. Das einzige Kind reicher Geschäftsleute, sah er sich von kleinauf mit Einsamkeit und Sinnlosigkeit konfrontiert. Freunde hatte er keine. Auch in der Schule nicht. Wenn es Menschen gab, die B. verstanden, so immer nur für eine kurze Weile. Oft dachte der Jugendliche über einen Ausstieg aus dem Leben. Wenn er bloß nicht so feige gewesen wäre … Da tauchte auf einmal in seiner Schule M., ein sehr vitales und lebensfrohes und merkwürdig schwarz gekleidete Mädchen auf. Irgendwie hatte sie es auf B. abgesehen. Sie verbrachten immer mehr Zeit zusammen. B. fühlte sich von ihr verstanden, auch wenn er nur wenig aus ihren vertraulichen Mitteilungen über die Powerquellen, kosmischen Energien, etc. verstand. Dann eines Tages folgte die Einladung zu ein „paar Freunden“. Der Weg in den engeren Kreis der Satanisten begann. Satanistische Vorstellungen machten für B. wenig Sinn, aber die enge Gemeinschaft mit den anderen füllte einen Vakuum. Sein Leben schien auf einmal wieder Sinn zu machen und da lohnte es sich auf jeden Fall die Schattenseiten des Geheimkultes in Kauf zu nehmen. Aber Satanismus hinterließ auch bei B. bald dunkle Spuren. Er bekam Angst und landete auf unseren Evangelisation, wo wir dem jungen Mann helfen konnten.
    Werner Küching von der Schulpsychologischen Beratungsstelle in Essen hat Recht, wenn er feststellt, daß Jugendliche dann zu den Mitteln der Magie greifen „… wenn man sich mit üblichen Mitteln nicht mehr in der Lage glaubt, seines Lebens Herr zu werden. Die Jugendlichen leben in einer für sie unsicheren Zeit und versprechen sich durch diese Kulte Macht und Sicherheit.“
    Klassisch ist auch der Fall von Frau G. Ich lernte sie anläßlich einer Evangelisation in Westdeutschland kennen. Wie sie mir berichtete, hatte sie seit ihrer Kindheit ein sehr angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter. Zu allem Unglück hatte sie sich noch kurz vor dem Tod der Mutter mit dieser schwer gestritten und dann nicht mehr versöhnt. Die Mutter verstarb und zurück blieben schwere Gewissensbisse, die schlussendlich zur Depression führten. In ihrer Not wandte sie sich an Ärzte, aber nichts schien zu helfen. Da hörte sie eines Tages von einer Bekannten, daß man ihr ja auch ein Treffen mit der verstorbenen Mutter arrangieren könne. Die Frau griff zu, erhielt dann auch eine vom entsprechenden Medium vermittelte Begegnung mit der Materialisation ihrer angeblichen Mutter, sprach sich aus, und … war seither vom Spiritismus fasziniert. Es dauerte nicht lang und der Weg in den Dschungel des Satanismus begann. Nicht selten wird so und ähnlich das Interesse an okkulten Inhalten in der Schule und im Freundeskreis geweckt.
    Das in Deutschland am weitesten bekanntgewordene Beispiel ist das der Ricarda S.  Auch hier ist der Einstieg in den Satanismus durch die Sehnsucht nach Geborgenheit verursacht. Auch hier sind das die scheinbar harmlosen okkulte Spielchen, die das Interesse wecken und schließlich eine enorme Steigerung des gestörten Selbstwertgefühls verursachen, auch wenn dieses Gefühl von einer grenzenlosen Angst begleitet wird. Doch die Sehnsucht danach verstanden und angenommen zu werden überwiegt. Das Ergebnis ist schrecklich.

    Auf der Suche nach Identität
    Wo Kindern Geborgenheit verweigert wird, ob bewußt oder unbewußt, da sind Zweifel an den eigenen Fähigkeiten vorprogrammiert. Folgerichtig stecken viele, wenn nicht die meisten Satanismus-Einsteiger in Identitätskrisen.  Unfähig selbst Entscheidungen fürs Leben zu treffen und entsprechende Ziele zu setzen, greifen sie zu „höheren Kräften“, wobei Satan als das mächtigste Symbol für diese Kräfte steht.
    Wie wichtig die Identitätsfindung für den Prozeß der Okkultisierung der postmodernen Gesellschaften ist, kann vor allem im nachkommunistischen Osteuropa studiert werden. Gerade hier gewinnen die skurrilsten Kulte ihre Anhänger am leichtesten. Das durch den Zusammenbruch der kommunistischen Weltanschauung entstandene Vakuum wird rapide mit okkulten Inhalten gefüllt, weil man jedem rationalistisch anmutendem System mit großer Skepsis begegnet.
    Der Zusammenbruch der marxistischen Ideologie im Osten mit allen seinen Folgen kann im Westen nur mit dem massenhaften Misstrauen der Menschen den Kirchen gegenüber verglichen werden. Westeuropa lebt in einer nachchristlichen Zeit. Menschen jedes Alters, vor allem aber Jugendliche, verlassen die Kirche und das damit verbundene Christentum, weil sie von hier keinerlei Antworten auf ihre existenziellen Fragen und Bedürfnisse mehr erwarten. Sie suchen diese vielfach ausserhalb ihrer natürlichen Möglichkeiten. Die offizielle Kirche hat aber wenig bis gar nichts an solchen Möglichkeiten anzubieten. Jugendliche drücken das oft unverhüllt offen aus: „Beim Tischerücken kriege ich Antworten – beim Beten keine.“ Hans-Jürgen Ruppert hat Recht, wenn er den Kirchen „eine gewisse Mitschuld“ gibt an der Flucht der Jugendlichen in die Welt des Okkulten.  Anschaulich berichtet Ricarda S. von der völligen Hilflosigkeit der Pfarrer als sie sich ihnen mit ihrem Problem stellte. Sie versuchte einen dieser Pfarrer gar mit einer Pistole dazu zu zwingen Ihr zu helfen.  Vergeblich. Wen wundert es, wenn die junge Frau auch nach ihrem Ausbruch aus dem satanistischen Kult, keinen Zugang zur Kirche findet.
    Die Identitätskrise, die die Menschen in die Fangarme des Satanismus treibt, ist auch und vor allem eine Glaubenskrise. Harald Baer, der Referent für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Katholischen Sozialethischen Beratungsstelle in Hamm folgert daher mit Recht: „Die Okkultexplosion ist ein Protestphänomen gegen ein erstarrtes Christentum.“

    Abenteuer- und Sensationslust
    Zu diesen eher „vernünftigen“ Motiven mischen sich eine Reihe von typischen zeitbedingten Erscheinungen. Wir leben in einer Welt, die unterhalten werden möchte. Sensation, Spannung, Geheimnis, Grusel am Laufband – das sind doch die Elemente aus denen die heutige Unterhaltungsindustrie ihre Produkte strickt. Was ist schon ein Film ohne Mord, ohne Horror, ohne Nervenkitzel? „Fließt da auch genug Blut?“ fragte mich neulich ein Jugendlicher dem ich einen Film empfahl. Wenn nicht, dann lohnt es sich kaum so viel Zeit zu verschwenden. Was aber wenn aber Krimi- und Horrorstreifen nicht mehr „anzutörnen“ vermögen? Wo holt man dann den gewohnten Nervenkitzel her? Bietet da die geheimnisvolle Welt des Übernatürlichen nicht in der Tat eine Lösung? Hat nicht gerade der okkulte Nervenkitzel Schauder zu bieten, der unter die Haut geht? Spannung, Unterhaltung, Mutproben und dann immer wieder Erfahrung, die nirgendwo zu kaufen geht. Eigene Erfahrung. Selbst konsumiert. Auch wenn dabei die Folgen nicht zu übersehen sind. Was macht es schon aus – gerade die Unberechenbarkeit des Okkulten macht den eigentlichen Reiz aus.

    Die alte Frage nach Gott
    Warum werden also Menschen Satanisten? Was motiviert sie dazu? Harald Wiesendanger fasst seine gut fundierten Ausführungen dazu wie folgt zusammen: „Wieso ein Jugendlicher überhaupt für Okkultismus ´anfällig´ werden kann, ähnelt insofern der Frage, wieso einer der Durst hat, Wasser trinkt. Bestimmt hat´s ihm schon jemand vorgemacht, vielleicht sucht er darin Ersatz für eine andere Flüssigkeit, womöglich fasziniert ihn auch dieses durchsichtige kühle Nass. Doch in erster Linie trinkt er Wasser, weil aus Erfahrung weiß, daß es den Durst löscht. Was einen Großteil der Jugendlichen in den Okkultismus treibt, ist Wissensdurst: Gibt es übersinnliche Kräfte und Mächte in und über mir? Kann ich sie beeinflussen? Kontrollieren? Nutzen?“  In den Amtskirchen erhalten sie, wie übrigens auch viele Erwachsenen auf diese Fragen nur selten ein Antwort. Man spricht hier zwar über den Geist Gottes, behauptet sogar aus dem Geist zu sprechen, aber wie und was dieser Geist darstellt, darauf hat man nur sehr komplizierte theologische Formeln, die von den Menschen auf der Strasse nicht verstanden werden. Die einfachen Vorstellungen der Vertreter satanischer Kulte dagegen sind leicht zu verstehen. Und wenn sie dann noch funktionieren, dann ist die Verführung perfekt.

    IV. Verführer haben viele Gesichter
    Wie werden Menschen Satanisten? Was sind die Einfallstore des Satans in das Leben der Menschen im einst so christlichen Europa? Eine einfache Antwort ist hier sicher fehl am Platz. Und doch machen die Motive der Einsteiger, wie wir sie oben besprochen haben, deutlich, daß Satanismus nur deshalb eine so schnelle Verbreitung findet, weil die Menschen auf der einen Seite ihre religiösen Sehnsüchte in der Familie und Kirche nicht gestillt bekommen. Wenigstens glauben sie das. Satanisten dagegen versprechen Taten, Action. Das ist es auch, was besonders jungen Leute am Ende den Einstieg in den Dunstkreis des Satanismus ermöglicht. Ricarda S. beschreibt ihre Erfahrungen mit Worten: „Die Meute hing mir an den Lippen, und die kriegten große Kinderaugen, wenn ich ihnen von den schwarzen Messen erzählte, was da alles passierte und schon passiert war. Wie Tische durch die Luft geflogen waren, das manchmal Blut aus der Wand lief und ER selbst unzweifelhaft anwesend gewesen war. Ich schmückte meine Erzählungen immer ein bisschen aus, und wenn ich wirklich gut war, wußte ich selbst nicht mehr genau, was tatsächlich passiert war und was dabei nur Ausschmückung war. Die Hauptsache war doch, die Meute war fasziniert, und man motivierte sie für die Dienste an SATAN.“  An welchen Lippen hängen nun die Menschen in Europa? Wer sind die Verführer und welche Kanäle benutzen sie?

    Satanistische Kultur als Motivationsfaktor
    Satanistisches Gedankengut findet heute eine schnelle Verbreitung. Schuld daran haben weniger die sich zum Satanismus direkt bekennenden Gruppen, sondern eine vom teuflischer Faszination getragene Kultur, vor allem in Film und Musik. Okkultes, esoterisches und ausgesprochen satanistisches Gedankengut gehört mittlerweile nahezu zu jeder Produktion Hollywoods und anderer westlicher Filmstudios. Filme wie Ingmar Bergmanns Das Teufelsauge (1960), Roman Polanskis Rosemarys Baby (1968), Ken Russels Der Teufel (1970), William Friedkins Der Exorzist (1973), Richard Donners Das Omen (1976), Kenneth Angers Angel Heart (1986) und andere. Sicherlich ist nicht jeder Filmregisseur der satanistische Motive aufnimmt, Satanist. Ähnlich wie in der darstellenden Kunst, wird hier versucht das Prinzip des Bösen oder auch Rebellischen künstlerisch umzusetzen und findet im Satan das dafür am besten geeignete Symbol. Aber diese Darstellungen werden in der sonst so magisch-empfänglichen populären Kultur nicht immer intellektuell ausgedeutet, sondern konkret in den Erfahrungshorizont übertragen. So wird aus der Besinnung, magisches Experiment und aus der Kunst – Religion.
    Andere, allen voran Roman Polanski suchten mit ihrem Film bewußt satanistische Inhalte zu vermitteln. In Polanski´s Film Rosemary´s Baby spielte die Rolle des Satans nicht von ungefähr Anton LaVey selbst. Und die Gründung des Satanskirche am 30.04.1966 fiel auf den gleichen Monat in dem Polanski und Sharon Tate (spielte Rosemary) sich liierten. Ein Jahr später wurde Tate Opfer eines satanistischen Ritualmordes. Polanski´s Film verhalf dem Satanismus zur weltweiten Publizität.
    Auch Kenneth Anger, der seit seiner Jugend ein Schüler Aleister Crowley´s ist, vermittelt mit seinen Filmen ganz bewußt satanistische Inhalte.
    Die herausragende Bedeutung der Massenmedien für die Verbreitung okkulter und satanischer Vorstellungen ist seit Jahren bekannt. Schon 1988 wies das Landespresse- und Informationsamt der Landesregierung in Nordrhein-Westfallen darauf hin, daß die okkulte Medienschwemme vor allem für die wachsenden Probleme im Bereich des Jugendspiritismus verantwortlich gemacht werden muß.  Nach Kultusminister Schwier scheuen einschlägige Verlage „weder Mittel noch Geld, um einen bedrohlichen Kampf gegen die Vernunft zu führen.“
    Die Warnungen des Ministers, so scheint es nach mehr als zehn Jahren, verhallten ungehört. Mehr denn je zuvor konzentrieren sich die Massenmedien heute auf mystische, okkulte, ja gar direkt satanische Inhalte.
    Nicht direkt satanisch, aber auf jeden Fall als ein wichtiges Vorzimmer für satanistische Lust an Grausamkeit stellen die Horrorfilme dar. Die in diesen Filmen gezeigte Bestialität senkt die Verachtung des Menschen vor Mord und Lust am Mord und gaukelt dem Zuschauer einen über jede Kreatur erhabenen Menschentypen vor, der sich zum Herren über Leben und Tod erhebt. In der Regel fließt neben viel Blut in solchen Filmen auch eine unendliche Kette von übersinnlichen Ereignissen, die die abscheulichsten Verwandlungen von Personen und Tieren in Monster und Drachen der übelsten Art ermöglicht. Dieses Gemisch von Blut, Angst und Okkultismus macht heute etwa 20% aller im Handel und Verleih verfügbaren Videos aus.  Der Zusammenhang zwischen Rituellem Missbrauch im Satanismus und der Horrorfilmindustrie liegt auf der Hand.

    Mehr als nur Teenie-Spaß
    Eine herausragende Rolle bei der Verbreitung satanistischer Inhalte unter Jugendlichen spielen die Jugendzeitschriften wie „Bravo“, „Mädchen“, „Bravo Girl“, „Coupe“ und andere. Seit Mitte Achtziger führen diese Zeitschriften eine regelrechte okkulte Aufklärung der Jugendlichen durch. So stellte die Zeitschrift „Mädchen“ in ihrer November 1986 dreizehn Okkultpraktiken vor. Und „Bravo“ versorgte ihre jungen Leser mit Themen wie „So empfangt ihr Botschaften aus dem Jenseits – Tischerücken“; „Das Pendel sagt die Wahrheit“; „Blitzkurs im Kartenlegen – Blickt in eure Zukunft.“ Als besonders raffinierte Masche erwiesen sich die hier veröffentlichten Foto-Love-Storys, obskure Pseudoreportagen, die aus dem Leben und der Praxis der Hexen, Kartenleger und sonstigen okkulten Praktikern berichten. Welche verheerende Wirkung solche Veröffentlichungen auf ihre jungen Leser haben, dokumentieren die Journalisten Grandt anschaulich.  Immer wieder erlebe auch ich im Gespräch mit Jugendlichen, daß sie Ihr Interesse für okkulte Phänomene der Lektüre solcher Veröffentlichungen verdanken.
    Warum ziehen solche Darstellungen die Aufmerksamkeit der Jugendlichen auf sich? Es ist die Faszination des Übernatürlichen, des erfahrbaren Übernatürlichen, die hier am Werke ist. Weitergegeben wird sie nicht zuletzt von solchen Lebenserinnerungen, wie sie in den Zeitschriften veröffentlicht werden, auch dann wenn diese Veröffentlichungen auf authentische Erfahrungen zurückgreifen, wie es am Beispiel der Aussteigerin Ricarda S. deutlich wird. Man brauch nur einmal die Internetseiten konsultieren, um zusehen, wie hoch solche Berichte von den Satanisten gehandelt werden.

    Rock my soul in die Hände Satans
    Ähnliches muß auch von der seit den 60er Jahren die Jugendkultur dominierende Rockmusik gesagt werden. Hier waren es vor allem Mick Jagger und seine Rolling Stones, die beeinflußt von Kenneth Anger, 1967 mit dem Titel „Their Satanic Majestic Request“ und dem späteren „Sympathy for the Devil“ eine fatale Entwicklung anstießen. Viele Konzerte, vor allem im Bereich der Hardrocks sind seither zu okkulten und satanischen Happenings degradiert worden. Eigene Musikrichtungen, wie Black-, Trash-, und Death-Metal entwickelten sich. Musiker und Gruppen wie Black Sabbath, Black Widow, Ozzy Osborne, Living Death, Slayer,  AC/DC,  Demon Eyes, Iron Maiden, Alice Cooper, Venom und andere haben eine eigene okkult-satanische Kultur geschaffen, die heute kaum wegzudenken ist.
    Nicht immer sind die satanistischen Musiker auch wirklich Satanisten, wie das am Beispiel von den Musikern der Black-Metal Gruppe Slayer deutlich wird. Bob Larson berichtet von einer Konzerttournee der Gruppe durch Deutschland, die er als christlicher Journalist begleitete. Dabei fiel ihm die tiefe Kluft zwischen den dämonischgeladenen Konzerten und dem konzertfreien Alltag der Gruppe auf.  Slayer-Musiker seien keine Satanisten, stellte der Journalist am Ende der Tournee fest. Die satanischen Inhalte ihrer Lieder ist für sie nur eine Antwort auf ein entsprechendes Interesse der Jugend heute und somit ein Weg gutes Geld zu verdienen. Klingt harmlos, die Folgen bei den so bedienten Jugendlichen, sind jedoch nicht zu übersehen. Bob Larson führt in seinem Buch Fälle von Jugendlichen an, die gerade über Slayer zur bewussten Satansverehrung gekommen sind.
    Oft verstehen sich die jeweiligen Musiker auch als Missionare einer bestimmten Satanismus-Richtung wie folgendes Zitat eines Venom-Mitglieds anschaulich beweist. Auf die Frage, warum sie sich ein Satans-Image geben, antwortete er: „Unsere Texte sind vor allem beeinflußt durch ein Buch von Anton LaVey. Er gründete in Amerika die ´Church of Satan´ und das Buch heißt „In a Satanic Bible´  Dieses Buch ist mit Recht die Bibel des Satanismus. Wir verwenden keine Zitate aus diesem Buch, aber wir werden davon stark beeinflußt.“
    Besonders im Jugendspiritismus und -satanismus stellt diese Kultur einen besonderen Einstiegpool für den Jugendlichen dar.
    Erzieher als Verführer
    In seiner bereits oben erwähnten Presseerklärung warnte Minister Schwier die Lehrer in den Schulen davor, ihre Zöglinge leichtfertig mit okkulten Inhalten zu konfrontieren.  Der Verdacht des Ministers war keineswegs aus der Luft gegriffen. Im Oktober 1987 berichtete Der Spiegel von einem spiritistischen Kreis im Raum Bielefeld, der nur aus Pädagogen bestand.  Im gleichen Zeitraum kam es zu einer direkten Konfrontation zwischen eine Reihe von Eltern und einem Religionslehrer im Gymnasium Oerlinghausen, in der Nähe Bielefelds, weil diese die Schüler im Unterricht zum Pendeln und anderen okkulten Praktiken anleitete. Als Pastor einer evangelischen Freikirche in der Gegend war ich damals unmittelbar in die Ereignisse involviert. Auch aus anderen Orten wurden ähnliche Vorkommen bekannt.

    Ein Spiel mit dem Feuer
    Als eine der stärksten Verführungsmechanismen unter Jugendlichen erweisen sich heute die Fantasy-Rollenspiele, die seit der Amerikaner Gary Gygax Anfang des Siebziger Jahre das Prinzip erfand, heute den Spielemarkt überall in der westlichen Welt beherrschen. „Dungeons and Dragons“, ein Phantasiespiel für 2-6 Personen, daß die Teilnehmer durch eine Reihe von mystische Erfahrungen leitet und dabei eine breite Palette okkulter Praktiken ganz nebenbei vorstellt, ist seit seiner Erscheinung im Frühjahr 1974 immer noch ein Hit unter den Jugendlichen.  Und vor allem unter den Jugendlichen, wie entsprechende Studien in der Bundesrepublik Deutschland beweisen.  Gerade diese Altersgruppe vermag noch nicht immer zwischen der Wirklichkeit und der Fantasy-Welt unterscheiden. Die übernommene Rolle wird hier immer wieder in der realen Welt weitergelebt. Bob Larson zitiert einen der vielen Jugendlichen, der seine Erfahrungen auf den Punkt bringt: „Es bereitete mir geradezu ein sadistisches Vergnügen, meine Gegner zu töten. Wenn mich eine böse Gestalt bedrohte, behandelte ich sie unbewußt so, wie mich einer dieser Yuppies in der Schule fertiggemacht hatte. Ich benutzte das Spiel, um meine wirklichen Probleme in der Fantasie zu lösen. In dieser Welt hatte ich die Möglichkeiten, die Ereignisse zu beeinflussen.“
    Der Versuch Fantasy-Rollenspiele solcher Machart als harmlose Freizeitbeschäftigung für Jung und Alt darzustellen muß entschieden zurückgewiesen werden. Gygax warnt die Spieler: „Die Beschwörungs- und Zauberformeln sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Spiels. Sie müssen unbedingt laut gesprochen werden.“ Er rät sie daher auswendig zu lernen.  In der Tat „D & D läßt sich nur dann mit Erfolg spielen, wenn man den Spielern erlaubt, Gewalt und Magie anzuwenden.“
    Fantasy-Rollenspiele führen den Spieler in eine Faszination des Okkulten ein, stellen ohne weiterer Erklärung okkulte Praktiken vor und zwingen die Teilnehmer in ihrer Fantasie zum Mitmachen. Die scheinbar harmlosen Begegnungen mit Dämonen entpupen sich jedoch bald als Realitäten und das magische Instrumentarium als willkommenes Instrument sich solcher Kräfte auch in der Realität zu bedienen. Der Einstieg in eine Beziehung mit satanischen Mächten beginnt.
    Neben den Fantasyspielen werden seit längerem auch direkt spiritistische Utesilien in Form von Spiel vermarktet. Das Ouija-Board ist dafür ein klassisches Beispiel. Aufgebaut auf dem Prinzip des Gläserrückens, werden hier Geister herausgerufen und zu verschiedenen Themen befragt. Gerade über das Gläserrücken kommen heute viele Jugendlichen in den Dunstkreis des Satanismus.

    V. Ein Vertrag mit dem Satan

    Nicht jeder Mensch, der sich mit okkulten Inhalten auseinandersetzt, ja gar Okkultismus praktiziert wird notwendigerweise zum Satanisten. Aber jeder der Satanist wird beschäftigt sich auch mit okkulten Praktiken. Was ist nun der Weg von bloßer Neugier zur Mitgliedschaft in schwarzen Kultgemeinschaften? Vereinfacht kann hierfür die berühmte Formel Marilyn Fergusons, der amerikanischen New Age Prophetin angewandt werden. Die Einweihung geschieht, nach Ferguson, nach einem Vier  Stufen-Plan. Die einzelnen Stufen werden als
    EINSTIEG,
    ERFORSCHUNG,
    INTEGRATION,
    VERSCHWÖRUNG
    bezeichnet. Es ist eine Art Selbstheilungs- oder Selbsterlösungsweg. Ferguson schreibt dazu: “Während der transformativen Entwicklung werden wir zu den Künstlern unseres eigenen Lebens”. Mit der vierten Stufe hat der Mensch dann die “Vollendung”, oder auch die totale “Selbstverwirklichung” erreicht. Er wird durchströmt vom neuen, nie vorher gekannten Bewußtsein  und Fähigkeit. Nach dem Willen der New Age Propheten hat er nun seine “Göttlichkeit” wieder erreicht.
    Hier schließt sich der Kreis  um die alte Lüge der Schlange im Paradies mit der sie Eva und Adam erfolgreich  zu Fall brachte. Auch die Schlange hatte behauptet: “Ihr werdet sein wie Gott”(1.Mo.3,15). Der Weg der Transformation ist daher ein schlau ausgeklüngelter Weg der Versuchung, der seine verführerische Schlagkraft bereits unzählige Male bewiesen hat. Ihn zu kennen, bedeutet die Gefahr rechtzeitig zu erkennen und somit fähig zu werden sich dagegen wehren.
    Der sanfte Einstieg in die Hölle
    In den seltensten Fällen beginnen Menschen ihre satanistische Karriere als Kinder von Satanisten. Natürlich gibt es diese Fälle auch, aber heute gilt immer noch, daß die große Mehrheit der praktizierenden Satanisten zum Satanismus konvertieren, sprich aus der grauen Masse der „Meute“, wie Ricarda S. sie nennt  dazugewonnen werden. Über Wege und Mittel der Verführung haben wurde bereits gesprochen.  Nicht selten die ersten Erfahrungen eher harmlos. Wer aber dann Interesse an mehr Nervenkitzel zeigt, gerät bald in die geschickten Hände der Verführer und der Weg nach unten beginnt.
    Mit gesteigerten Interesse zum Sinneswandel
    Was mit Gläserrücken beginnt, weckt schnell Lust auf mehr. Wer einmal die übersinnlichen Kräfte gespürt hat, der wird ständig versucht sein, sie besser beherrschen zu können. Wer einmal mit dem Jenseits Kontakt hatte, hat einen Spalt im Fenster geöffnet, der immer weiter wird. So und ähnlich beschreiben Menschen, die sich mit okkulten Phänomenen beschäftigen, ihre Erfahrungen. „Ich hatte immer wahnsinnige Angst vor den Begegnungen mit den Geistern, aber es ist wie eine Sucht“, sagte mir eine praktizierende Magierin, „je mehr du die von dort kennst, desto stärker wird der Zug.“ Und informieren kann man sich heute an jeder Ecke. Ein Meer an okkulter und spiritistischer Literatur ist bereits offen zugänglich. Das Internet bringt durch einen Mausklick detallierte Anleitungen in die Einsamkeit der Wohnstuben. Viele der hier beschriebenen satanischen Gruppierungen sind offiziell registrierte religiöse Vereine, die offen und ungeschminkt ihre düstere Propaganda verbreiten dürfen. Interessierte Leute haben schnell Kontakt gefunden. Und der Weg nach unten setzt sich fort.

    Jetzt gehörst Du zu uns
    Okkulte Erfahrungen, intensiver Austausch über satanische Verehrung, ermächtigt noch niemand zur Mitgliedschaft in einer satanistischen Gruppe. Im Fall Sandro Beyer handelte es sich offensichtlich um einen okkult interessierte jungen Mann, der jedoch keinen Zugang in die Gruppe fand. Je „satanistischer“ eine Gruppe, je mörderischer die Rituale, desto schwieriger der Zugang. Das bestätigen alle Berichte. In der Regel gelangt man nicht gleich auf eine schwarze Messe, sondern wird über eine Reihe von Erfahrungen dahin geführt. Erst wenn das Vertrauen hergestellt ist, gelangt man in den inneren Kreis der Gruppe. Die Aufklärungsjournalisten Guido und Michael Grandt weisen ausdrücklich darauf hin, daß der Zugang zu den inneren Zirkeln des satanistischen Treibens sehr schwer ist und nur über Vertrauen gelingt.  Ist aber ein solches Vertrauen aufgebaut, so beginnt der Weg nach innen, der über Satansweihen, verbunden mit Rituellem Missbrauch, Altarsex, bis hin zum Blutvertrag mit Satan geht.

    Vertrag mit dem Satan
    Im Gespräch mit Menschen, die sich auf satanistische Rituale eingelassen haben, fällt mir seit einigen Jahren auf, daß diese Menschen eine Art Vertrag mit dem Teufel geschlossen haben, der ihnen den Einstieg in den Satanismus ermöglicht. Auch wenn die Vertragstexte in den Wortformulierungen variieren mögen, ihr Inhalt orientiert sich meist an aus dem Mittelalter stammenden Teufelspakten, wie die Haacks mit Recht bemerken.  Folgende Grundmerkmale sind charakteristisch:
    Der Vertrag wird mit eigenem Blut geschrieben, oder wenigstens unterschrieben.
    Der Vertrag sieht vor, daß man Christus und seiner christlichen Kirche abschwört und sich bewußt von den sakramentalen Handlungen der Kirche, so z.B. der Taufe, lossagt.
    Der Unterzeichnende verspricht dem Satan blinden Gehorsam, wobei dieses Versprechen oft mit konkreten Verpflichtungen satanische Sabbate und Schwarze Messen zu besuchen, Opfergaben dem Satans zu bringen und anderes mehr, verbunden ist. In einigen dieser Verträge findet sich gar das Versprechen, jeden Monat ein Kind dem Satan zu Opfern.
    Der Unterzeichnende verpflichtet sich so viele wie möglich Menschen dem Satansdienst zu zuführen.
    Als Zeichen der Unterordnung bringen Satans Vertragspartner gewisse Symbole an ihrem Körper an, an Augenlidern, in den Achselhöhlen, auf den Lippen, den Schultern oder auf dem Gesäß und bei den Frauen auf den Brüsten und den Schamlippen.
    Verträge dieser Art müssen sowohl in der Seelsorge als auch generell sehr Ernst genommen werden, weil sie gegebenenfalls, besonders unter Einwirkung von Drogen und Alkohol zu Verbrechen führen können.

    VI. Was glauben Satanisten?

    Dogmatischer Anarchismus als Prinzip
    Was glauben Satanisten? Eine Antwort auf diese Frage würde Bücher füllen, da gemeinsame Glaubensvorstellungen dem Satanismus, der sich prinzipiell individualistisch und ikonoklastisch gibt, fremd sind. Im Satanismus herrscht in der Tat so etwas wie ein dogmatischer Anarchismus, der sich nicht zuletzt aus Crowleys Gesetz des Teleme ergibt. Nur sehr wenige Ansichten der Satanisten können als Allgemeingut der meisten Vertreter des Teufelskults gelten. Andere Ansichten, die von führenden Satanisten wie LaVey und Manson vertreten werden, sind zwar nicht allgemein akzeptiert, finden aber große Verbreitung. Und diese wenigen Grundsätze soll es nun hier gehen.
    Ein Buch der Offenbarung gibt es nicht
    Das Christentum so wie andere Weltreligionen sind Schriftreligionen, d.h. sie bauen ihre Vorstellungen auf einem Text, der als autoritative Basis allen Glaubens gesehen wird. Nicht so im Satanismus. Mit der Ablehnung Gottes als letztgültigen Autorität, lehnen sie auch jede Offenbarung ab, die eine solche Autorität beansprucht. Das gilt nicht nur im Bezug auf die Heilige Schrift, sondern auch im Bezug auf die von LaVey verfasste Satanische Bibel  oder den in satanistischen Kreisen so verbreiteten Schriften Crowleys.
    Die Satanische Bibel wurde, ähnlich der in Rußland von J. Jaroslavskij verfassten Bibel für Gläubige und Ungläubige, vor allem geschrieben, um sich über das Christentum und seine Glaubensvorstellungen lustig zu machen. Erst an zweiter Stelle bietet die Satanische Bibel Grundlagen zum Glauben und Leben eines Satanisten. Diese finden allesamt in der Förderung der Eigeninteressen des Einzelnen ihre Zuspitzung. Crowley´s Grundgesetz wird hier in aller Schärfe angewandt. Wollte also jemand die Anweisung der Satansbibel ernstnehmen und danach leben, so mußte er bald die Autorität dessen, was dieses Buch besagt, in Frage stellen und sich gegen diese und jede andere Autorität erheben.
    Gott ist …
    Wer jede Offenbarung ablehnt, wer so anarchistisch denkt, kann sich natürlich auch kein Absolut vorstellen. Auch wenn die satanistischen Gottesverständnisse sehr unterschiedlich ausfallen, so scheinen sich doch vier Grundtendenzen doch deutlich abzuzeichnen.
    1. Es gibt keinen Gott. Burton H. Wolfe schreibt: „Es gibt keinen Gott. Es gibt keine absolute, allmächtige Gottheit im Himmel die sich da um die Geschicke der Menschen kümmert. Da oben gibt es niemand der dir auch nur ein Stück Scheiße gäbe. Der Mensch ist der einzige Gott. Der Mensch muß belehrt werden sich vor sich selbst und den anderen Menschen für seine Taten zu verantworten.“
    2. Gott ist die Macht der Natur, eine unpersönliche Urwirklichkeit. LaVey schreibt dazu: „Es ist ein weitverbreitetes Missverständnis, daß der Satanist nicht an Gott glaube. Die Vorstellung von einem ´Gott´, wie die Menschen es verstanden haben, hat sich im Laufe der Zeit so oft geändert, so daß der Satanist meist die Definition akzeptiert, die ihm am besten persönlich passt. Menschen haben immer ihre eigenen Götter geschaffen, viel eher als das ihre Götter sie gemacht hätten. … Für einen Satanisten ist ´Gott´ – mit welchem Namen er auch immer genannt wird, oder auch überhaupt ohne jeglichen Namen – eine ausgleichenden Kraft in der Natur, und nicht ein Wesen daß sich mit dem Leid beschäftigt. Diese mächtige Kraft die das Universum durchzieht und ausgleicht ist viel zu unpersönlich um sich für das Glück oder Misere der aus Fleisch und Blut bestehenden Kreaturen auf diesem Ball aus Dreck, auf dem wir leben, zu kümmern.“
    3. Gott ist das eigene ich. LaVey schreibt: „Ich bin ein Satanist! Verbeuge dich, denn ich bin die höchste Verkörperung menschlichen Lebens.“  Unumwunden bekennt der Leiter der Satanskirche Gott zu sein. Hendrik M., einer der Mörder von Sandro Beyer aus Sondershausen, schrieb aus dem Gefängnis an seine Freunde: „… Böse sein bedeutet noch viel mehr, als nur ein anderes Image zu haben. Es ist eine Lebenseinstellung … was wäre dazu angebrachter als eine Religion. So viele Menschen bekennen sich zu irgendwelchen lächerlichen Religionen, warum nicht auch wir. Warum sich nicht zur stärksten Religion bekennen, eine Religion mit sich selbst als Gott, eine Religion, die wirklich Macht und Kraft verleiht …“
    4. Satan ist Gott. Diese Vorstellung findet sich so in den wenigsten Dokumenten der Satanisten wieder. Im Jugendsatanismus dagegen wird Satan oft göttliche Verehrung zuteil.

    Satan – ein Mittel zum Zweck
    Auch in ihrem Satansverständnis unterscheiden sich die Satanisten von einander. Vier Vorstellungen dominieren allerdings:
    1. Die einen stellen sich den Satan als eine natürliche, nicht-materielle Kraft oder Wirklichkeit vor, die entweder neutral, oder auch grundsätzlich schwarz gedacht wird. Burton H. Wolfe beschreibt ihn „nicht als einen stereotypen Genossen, gekleidet in roten Überhang, mit Hörner, Schwanz und Mistgabel, sondern als  schwarze Kräfte in der Natur, die die Menschen erst beginnen zu erfassen.“  Diese Kräfte lernen die Satanisten für sich zu instrumentalisieren, weil sie „ein Reservoir“ von Kraft darstellen, die bis jetzt der Menschheit verschlossen geblieben sind.
    2. Andere beziehen die Bezeichnung Satan auf sich selbst. So hat sich Aleister Crowley als die Inkarnation Satans verstanden, weil das die logische Folgerung seiner Philosophie der Selbstverwirklichung zu sein schien. Bob & Gretchen Passantino erwähnen einen Fall, wo ein Satanist, gefragt, ob er jemals zu Satan gesprochen habe, antwortete: „Sie sehen Satan gerade an und sprechen zu ihm“.
    3. Wieder andere, sehr oft Jugendliche, die mit dem Satanismus spielen, glauben an den Satan so wie er in der Bibel vorgestellt wird, jedoch mit der einen Ausnahme, daß sie ihm alle Qualitäten zuschreiben, die die Heilige Schrift Jesus zuerkennt. Ich erinnere mich noch gut, wie mich zwei völlig in Schwarz gekleidete Jugendliche besuchten und sich als Priester des Satans vorstellten. Gefragt, ob sie denn noch nie die Bibel gelesen haben und nicht wüssten, was die Heilige Schrift solchen Menschen in Aussicht stellt, die sich mit

  4. A. Crowley

    herzlichen glückwunsch

    hey, gibt´s hier keine erfahrungsberichte über bekehrte david hasselhoff- oder daniel küblböck-fans? und was “stimmen hören” angeht: die meisten begeben sich in so einem fall in psychiatrische behandlung.

  5. ali

    das könnte ja eine  anzeige wegen dem verstoss gegen das high-mittel-gesetz nach sich ziehen, herr dr..
    denn weder kissmusik, noch alk und schon auf gar keinen fall drogen eignen sich zur behandlung dieses problems.

    wir dagegen empfehlen bei dämonischer belastung das befreiungsgebet zu dem allmächtigen gott. damit haben wir gute erfahrungen.

    wen der sohn freimacht, der ist recht frei.

    mit befreiendem gruss
    ali

  6. Dr. Mumpgrön

    Ein Satanist kommt zu Jesus

    Sehr verehrte Soulsavergemeinde,

    durch reinen Zufall traf ich auf Ihre Internetseite und muss gestehen, dass Sie mich neugierig gemacht haben.

    Ich bin 43 Jahre alt und arbeite als Musikheilpädagoge in der Ex-DDR. Der geschilderte Bericht über einen ehemaligen Satanisten, der zu Jesus findet, ist mir nicht gänzlich unbekannt.

    Durch meine berufliche Tätigkeit habe auch ich zeitweilen Kontakt zu Menschen, die an eine übersinnliche dämonische Kraft glauben, die sie für sich nutzen können. Meine Erfahrung bestätigt mir, das Geschilderte in diesem Bericht.

    Einige Patienten, die sich in meine Behandlung begeben, setzten in mir die Hoffnung, die einst gehorsamen Dämonen durch Musik aus ihrem mentalen Sein zu vertreiben.

    Hierbei gehe ich folgendermaßen vor:

    Alkohl und Drogen spielen in der Musiktherapie für angewandte Dämonenaustreibung in kleinen Maßen eine gewisse Rolle.

    Durch ein Glas Single-Malt-Whiskey in Zimmertemperatur (!kein Eis!) oder durch den Konsum von Canabis versetze ich betroffene Patienten zunächst in eine Art Trancezustand. Hierbei kann man auch auf bewährte legale chemische Beruhigungsmittel setzen, allerdings bin ich eher mit der Natur – also mit Gott – verbunden.

    Ist im Körper des Probanten der Zustand einer Ruhephase erreicht, beginne ich mit der Behandlung.

    Durch Klassiker wie “I was made for loving you” oder gregorianischen Chorgesang untermalt mit Vogelgezwitscher und Meeresrauschen komplementiere ich den Vorgang zur einer Symbiose absoluten Glück und Überlegenheit Gottes. Er Erfolg ist garantiert.

    Mit freundlichem Gruß
    Dr. Mumpgrön

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