Hilfe, wir werden aufgefressen!

Einmal war Jesus bei dem Schwesternpaar Martha und Maria zu Besuch. Nachdem Martha höflicherweise einige Worte mit dem Herrn gewechselt hatte, entschuldigte sie sich rasch für ein paar Minuten, weil aus dem benachbarten Arbeitszimmer ein Piepsen gedrungen war, das ihr anzeigte, dass sie neue e-Mails erhalten hatte. Maria blieb bei Jesus sitzen und hörte zu, was er zu erzählen hatte.

Derweil beantwortete Martha die angekommenen Mails, warf kurz einen Blick auf spiegel- und bild-online, um auf dem Laufenden zu bleiben, besuchte noch eben die wichtigsten Blogs, die sie regelmäßig verfolgte, aktualisierte ihren Facebook-Account, schrieb eine SMS, speicherte, weil sie gerade dabei war, die neuesten Fotos von ihrem Handy auf der Festplatte und twitterte schließlich, was sie soeben alles erledigt hatte. Auf Handygespräche mit ihren besten Freundinnen verzichtete sie, da sie ja gerade Besuch hatte. Stattdessen kehrte sie nach einer guten halben Stunde ins Wohnzimmer zurück und wurde sauer, als sie sah, wie ihre Schwester Maria dort immer noch einfach so herumsaß.

„Guck dir Maria an“, sagte sie aufgebracht zu Jesus, „sie verträumt die Zeit. Sag du ihr, dass sie sich endlich auch mal wieder an ihren PC setzen sollte, bevor ihre Mailbox völlig verstopft ist – auf mich hört sie ja nicht!“ Aber Jesus schüttelte den Kopf: „Martha, Martha, du machst dir Sorgen um viele Dinge. Dabei müsstest du dich vor allem um eines kümmern, so wie Maria das tut. Sie hat eine gute Entscheidung getroffen, und die solltest du ihr nicht madig machen.“

So berichtet es der Evangelist Lukas, und jetzt ist auch die FAZ auf diese Erkenntnis gekommen: In seinem neuen Buch „Payback“ warnt Feuilletonchef Frank Schirrmacher davor, dass unsere Zeit von den digitalen Kommunikationsmedien aufgefressen wird. Zudem seien wir immer weniger in der Lage, uns in dem ständig weiter wachsenden Informations-Überangebot zurechtzufinden. Das führe zu der dauernden Angst, einmal eine entscheidende Neuigkeit zu verpassen. Nach einiger Zeit erlahme jedoch die Aufmerksamkeit, und schließlich komme es zur totalen „Ich-Erschöpfung“.

Schirrmacher verkennt, dass die Menschen viel vertragen und hart im Nehmen sind. Die Zahl der völlig erschöpften Informations-Junkies dürfte sich im Rahmen halten. Freilich sollte sich jeder einmal gründlich überlegen, ob die täglich im Internet verbrachten Stunden vielleicht nur der Ablenkung dienen. Wenn wir uns mit belanglosen Mitteilungen, die früher bestimmt in keinen Brief Eingang gefunden hätten, oder nichtssagenden Nachrichten aus dem Bereich Entertainment, aus wissenschaftlichen Studien oder demoskopischen Umfragen beschäftigen, müssen wir nicht über wichtige Lebensfragen nachdenken wie etwa: Welches Ziel hat mein Leben? Welches Verhältnis habe ich zu Gott? Wie kann ich meine Schuld bewältigen?

Jesus hatte dazu eine Botschaft: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannesevangelium, Kapitel 3, Vers 16). Martha hatte keine Zeit, sich das anzuhören, aber Maria war für diese Nachricht, für die man keinen DSL-Anschluss und keine Flatrate braucht, aufgeschlossen.

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