Ol’ Dirty Bastard – Der Shimmy Shimmy Ya Party Hero

Ol´ Dirty Bastard, Big Baby Jesus, Joe Bannanas, Cyrus, Unique Ason, Dirt Dog, Osirus und Dirt McGirt – viele Namen, ein Mann: Russell Tyrone Jones, einer der Rapper, die ihren HipHop-Lifestyle nicht überlebten. Der US-amerikanischer Musiker wurde am 15. November 1968 in Brooklyn geboren und starb im Alter von nur 36 Jahren in New York.
Ol´ Dirty Bastard (nachfolgend O.D.B. genannt) errang zusammen mit den anderen Mitgliedern der HipHop-Formation Wu-Tang Clan den Status eines Rap-Weltstars. Er gründete zusammen mit seinen Cousins GZA und RZA zunächst das Trio Force Of The Imperial Master, später waren die drei auch die Gründungsmitglieder des legendären Wu-Tang Clans. Bald gesellten sich noch sechs weitere Musiker der Gruppe hinzu, und 1993 brachten sie das Debutalbum „Enter the Wu-Tang: The 36 Chambers“ heraus. Es war ein Meisterwerk des sogenannten New School-HipHop. In den Songs wurden Sounds aus alten Kung Fu-Filmen zusammen mit schlampigen Beats gemixt. Das ganze hatte Konzeptcharakter und wirkte sehr „underground“. Die Platte gilt auch heute noch als der Inbegriff des HipHop der 1990er Jahre.
Die Mitglieder des Clans behaupteten, Wu-Tang wäre eine Lebenseinstellung, die man nicht mehr aufgeben kann. Sie stellten eine verschworene Gemeinschaft, eine Art Geheimbund des Rap, dar. Der markanteste unter den Clan-Mitgliedern war O.D.B. Sein Stil – mehr nuscheln, als rappen, mehr schreien als singen – war einzigartig. Seine obszönen Texte, die er mit frechem Humor vortrug, schockierten das Establishment und begeisterten die Kids. Ein Mythos war geboren.
Method Man war der erste aus der Gruppe, der 1994 ein Soloalbum veröffentlichte. Ein Jahr später zog O.D.B. nach, und brachte mit „Return to the 36 Chambers: The Dirty Version“ sein erstes Soloprojekt heraus. Zwei Singles, „Brooklyn Zoo“ und „Shimmy Shimmy Ya“ wurden Hits. Das Album selbst gewann Gold. Für O.D.B. schien es steil bergauf zu gehen. Er wurde pausenlos interviewt, fotografiert und von den Fans gefeiert. Auch sein Bankkonto füllte sich beträchtlich. Er selbst half immer tatkräftig mit, um seinen Ruf als ebenso fieses wie verrücktes Genie zu untermauern. MTV brachte in dieser Zeit eine Reportage über den Star aus Brooklyn, bei der er zusammen mit zwei seiner 13 unehelichen Kindern in einer Limousine zum Welfare-Büro fuhr, um sich seine Sozialhilfe abzuholen. Diese und viele andere Aktionen machten ihn umso berühmter und schon bald galt er als der neue schwarze Rebell.
Drogen, Alkohol und Sex ließen ihn immer verschrobener und unberechenbarer werden. Auf dem nächsten Wu-Tang-Album war er auch nicht mehr so oft zu hören – er rappte nur noch auf zwei Tracks. Bei den Grammy-Awards 1998 leistete er sich einen peinlichen Auftritt, als er während der Preisverleihung die Bühne stürmte und sich darüber beschwerte, dass er keinen Preis erhielt. Er hätte sich extra einen teuren Anzug geleistet, um an diesem Abend gefeiert zu werden. Sein Verhalten wurde vielen, die ihn anfangs verehrten zu extrem. Sein Lebensstil war nur noch destruktiv und für viele Fans war der Spaß vorbei.
Im April 1998 änderte er seinen Künstlernamen in Big Baby Jesus, allerdings setzte sich der Name bei der Presse nicht durch. O.D.B. behauptete oft von sich, Gott zu sein – eine irre Vorstellung, die seiner rassistischen Theorie, die Schwarzen seien alle Götter, die Weißen seien die Teufel, entsprang.
1999 veröffentlichte er sein zweites Album „Nigga Please“, das unter anderem von den Neptunes produziert wurde. 2001 kam er wegen illegalem Drogenbesitzes für 16 Monate ins Gefängnis. Auf behördliche Anordnung wurde sein physischer und psychischer Zustand untersucht.
Es sah nicht gut aus für Jones. Seine damalige Plattenfirma Elektra brachte ohne seine aktive Teilnahme ein Best-of-Album heraus. Sie wollten damit von dem Trubel um O.D.B. profitieren, aber auch den laufenden Vertrag mit ihrem kriminellem Star beenden. Das nächste Album – ebenfalls ohne direkte Beteiligung Jones´ – kam bereits bei einem anderen Label heraus. Bei dieser Platte wurde nur älteres, bisher unveröffentlichtes Material von O.D.B. benutzt. Wieder ein Erfolg: Es gab immer noch genügend Fans, die diesen verrückten Kerl liebten.
2003 kam er endgültig aus dem Knast und lebte von da ab unter Hausarrest bei seiner Mutter. VH1 produzierte eine Reality Show, die seinen Alltag zeigte. Er fasste neue Pläne und arbeitete unermüdlich an neuem Material.
Ein neues Album konnte er aber nicht mehr fertig stellen: Zwei Tage vor seinem 36. Geburtstag verstarb Ol´ Dirty Bastard im November 2004 in einem Studio in Manhattan. Ein paar Stunden vor seinem Tod klagte Jones über stechende Schmerzen in der Brust. Freunde rieten ihm, zum Arzt zu gehen, doch er schlug jeden Rat aus. Am 15. November ergab der Authopsiebefund, dass O.D.B. an einer Überdosis Drogen starb. In seinem Magen wurde Kokain und Tramadol, ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel, gefunden. Dieser Drogenkoktail war die Ursache für den tödlichen Herzinfarkt. Er hinterließ seine Frau Icelene und 13 Kinder.
Russel Jones war ein kreativer Musiker und begabter Entertainer. Leider war der „Treibstoff“ der falsche. Seine Kunst war hauptsächlich von Drogen und Sex beeinflusst. Er lebte dies auf extreme Weise und bis zum Äußersten aus. Größenwahn, Rassismus und Sexismus waren konsequente Früchte dieses Lebens, und an dessen Ende ein tragischer Tod. „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden“ – ein biblisches Prinzip, das ewig gültig ist. O.D.B. ist leider ein weiteres Beispiel für diese harte Wahrheit.

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