Es ist nicht alles Gott, was glänzt

Haben die Menschen noch Götzen? Nein, sagt der Aufgeklärte. Antike Statuen sind längst in den Museen der Welt verschwunden und zeichnen nur noch die Spuren verlorener Kulturen, längst verloren und vergessen. Timothy Keller, amerikanischer Theologe und Autor, meint dazu folgendes:

„Jede Kultur hat ihre eigenen Götzen, hat ihre Priester, ihre Schutzgeister und Rituale. Jede Gesellschaft hat ihre Tempel –  seien es nun Bürohochhäuser, Wellness-Oasen oder Fitnesscenter, Studios oder Stadien. Dort werden die Opfer gebracht, die erforderlich sind, um Anspruch auf ein gutes Leben zu erwerben und Unglück fernzuhalten.“

Die Formen der Anbetung verändern sich, es sind keine Bilder mehr, vor denen wir uns niederwerfen, aber wie viele junge Frauen sind so besessen von ihrem Streben nach Schönheit, dass sie Depressionen und Essstörungen bekommen, wenn ihr Körper nicht den eigenen, oder denen der Gesellschaft, entspricht?

Als ich das letzte Mal in Frankfurt im Stadion war, stand mit dicken Lettern am Eingang: „Fußball ist Religion. Willkommen in der Kirche.“ Ein passender Wahlspruch zum Thema. Keiner wird irgendeiner Artemisfigur Opfer darbringen, doch wieviele Opfern selbst ihre Kinder für das Streben nach Geld und Erfolg? Wenn wir unsere Kinder in Kinderkrippen abgeben oder sie gar töten, ist das nicht sogar ein Menschenopfer für unseren Karrierengott?

Überall dort, wo Gott kein Platz in dem Herzen eines Menschen findet, dort rückt eine andere Sache als Ersatzgott auf. Doch falsche Götzen führen immer in die Enttäuschung, oft auch in die Zerstörung. Die ersehnte Freiheit und Sicherheit bleibt aus.

Wem der Beruf zu wichtig wird, der ordnet ihm alles unter, bis er krank wird, oder verstößt sogar gegen die Gesetze seines Landes, um beruflich voranzukommen. Wer sich der Liebe verschrieben hat, erlaubt seiner Geliebten, ihn auszunutzen und zu missbrauchen, oder er ist vollkommen blind für alle krankhaften Elemente einer Beziehung. Um den Ansprüchen eines Götzen gerecht zu werden, verdrehen wir die Wahrheit, brechen wir Versprechen, hintergehen wir unsere Freunde und überschreiten Grenzen, die wir normalerweise respektieren würden. Götzendienst ist nichts anderes als Sklaverei, und keiner von uns ist davon ausgenommen.

Einer der häufigsten Götzen unserer Kultur ist die Liebe, die dem Sex gleichgestellt wird. Doch ohne die Verbindung zu diesem liebenden Gott laufen Beziehungen in Gefahr, aufgrund überzogener Erwartungen und Bedürfnissen zu zerbrechen. Wie wahr, schauen wir uns nur einmal Scheidungszahlen oder die Statistiken über unsere ach so treuen Beziehungen an. Du wirst davon sehr enttäuscht sein. Wer seinen Partner in der Hoffnung hat, dass er so zufriedengestellt wird, wie allein Gott es kann, der wird zwangsläufig enttäuscht werden.

Keller sagt weiter, Jesus habe die Menschen viel häufiger gewarnt vor Habsucht als vor Sex. „Wenn die Gier nach Geld dein Herz ergreift, dann wird der Mensch blind für alle Folgen seines Verhaltens. Mit Ängsten und Lust beherrscht das Geld die Person und bringt sie dazu, alles andere als zweitrangig zu betrachten.“

In jeder Kultur, wo die Menschen versuchen, ohne Gott auszukommen, werden Geld, Sex und Macht die Leere ausfüllen, die die Menschen im Innersten quält. Auch deine und meine.

Du sollst keinen anderen Gott haben neben mir!

Wie werden wir unsere Götzen wieder los? Das Fazit ist nüchtern. Es nützt nichts, dagegen anzukämpfen, denn das menschliche Herz ist eine Götzenfabrik, die ständig neue Götzen produziert. Man kann die Götzen nur ersetzen – durch etwas Größeres. Dazu nochmal Keller:

„Es mag wohl möglich sein, die menschliche Sehnsucht nach einem bestimmten wertvollen Götzen zu überwinden. Aber kein Mensch kann leben, ohne irgendetwas Besonderes zum Mittelpunkt seines Lebens zu machen – und dieses Etwas wird ihn beherrschen. Nur wenn wir erkennen, was Jesus, der große leidende Diener, für uns getan hat, werden wir letztlich verstehen, dass wir gar nichts leisten müssen, um gerettet zu werden. Wir brauchen nichts zuwege zu bringen. Jesus hat das Besondere getan und er liebt uns – damit ist das Leben sinnvoll und wertvoll und sehr bedeutsam. wenn wir das glauben, was er für uns getan hat, und wenn unsere Seele davon berührt wird, dann wird diese Sucht nach Erfolg um jeden Preis ihren Einfluss auf uns verlieren.“

Götzendienst ist mehr als Ungehorsam gegen Gott. Es geht um ein Herz, das auf etwas ausgerichtet ist, was ihm wichtiger ist als Gott. Schuldeinsicht und Bekenntnis reichen nicht aus. Die Lösung ist unsere Konzentration auf den Sohn Gottes: „Jesus muss für unsere Fantasie schöner sein als jeder Götze. Für unser Herz muss er viel anziehender sein als alles, was in uns herrschen möchte. Dann werden die falschen Götzen weichen. Wer einen Götzen nur aus seinem Herzensboden reißt und versäumt, die Liebe Christi an die frei gewordene Stelle zu pflanzen, wird sich wundern, wie schnell der Götze wieder nachwächst.“

Glücklich der Mensch, der die Gedanken Hiobs als seine eigenen annehmen kann. Als er alles genommen bekommt und nichts mehr vergöttern konnte, als Gesundheit, Familie, Geld und Freunde nicht mehr da waren, da ruft er aus (Hiob 19, 25):

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.“

Hiob spricht hier von Jesus Christus. Ich wünsche jedem, dass er das einmal sagen kann! Ob unser Leben nun den gewünschten Lauf nimmt, oder eben nicht: Ihm gebürt der erste Platz. Es gibt keinen anderen Gott, außer ihn! Ein Lied zum Abschluss:

Blessed be Your name
When the sun’s shining down on me
When the world’s ‘all as it should be’
Blessed be Your name

Blessed be Your name
On the road marked with suffering
Though there’s pain in the offering
Blessed be Your name

Every blessing You pour out
I’ll turn back to praise
When the darkness closes in, Lord
Still I will say

Blessed be the name of the Lord

Dieser Artikel wurde angeregt durch das Buch von Timothy Keller: „Es ist nicht alles Gott, was glänzt“

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