Alle wollen für Schumacher beten. «Not lehrt beten», heißt es ja im Volksmund.

Plötzliches Unglück ist doch eine existenzielle Erfahrung von Millionen von Menschen. Notlagen fordern heraus uns müssen nicht einfach hingenommen werden, sondern es gibt einen Ausweg, eine Instanz, an die man sich wenden kann. Und die höchste Instanz, die man anrufen kann, ist unser Gott. Beten ist ja nicht einfach eine fromme Pflicht, sondern ein oft ein innerer Aufschrei. Auch wenn man sich als nicht gläubig bezeichnet, ergreift man doch aus völliger Verzweiflung und Ohnmacht nach jedem sich bietenden Strohhalm. Viele erinnern sich dann plötzlich an Gott und rufen ihn um Hilfe an. Bedenken wir dabei aber auch: Was würden wir zu unseren Feuerwehrleuten sagen, wenn die, statt ab und zu mal eine Übung oder einen Lehrgang zu besuchen, immer nur feiern und faulenzen würden und würden auch noch zu uns sagen: „Not lehrt löschen? Not lehrt retten?“ Nein: Ich muss in den guten Zeiten meines Lebens die Fertigkeiten erwerben, die mich auch in schweren Zeiten dann tragen können. Ich darf mich im Leben nicht darauf verlassen, dass ich in der Not dann spontan schon alles hinkriegen werde, dass es mir in den Schoß fällt. Und genauso ist das auch mit dem Beten. Beten ist reden mit Gott, und das muss ich lernen, das muss ich üben, das fällt mir nicht in der Not automatisch zu.
Gott ist kein Automat, Gott ist eine gnädige Person, der eine innige Liebesbeziehung zu jedem Menschen möchte. Hast du diese Beziehung? Dann kannst du beten und zu ihm reden. Auch für Michael Schumacher.

Kommentare

  1. ali

    Siehe, des HERRN Arm ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht taub geworden, daß er nicht hören könnte; sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen das Angesicht vor euch, daß ihr nicht gehört werdet. Denn eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Verschuldung; eure Lippen reden Falsches, eure Zunge spricht Bosheit.
    Jesaja 59,1-3
    Es sagte jemand: »Gebet ist weniger ein Problemlöser als vielmehr ein Beziehungsverstärker. Wenn Gott uns ins Gebet ruft, dann will er wahrscheinlich nicht, dass wir eine neue Gebetstechnik lernen, sondern dass wir der Beziehung zu ihm (wieder) mehr Aufmerksamkeit widmen.«

  2. Lenz

    Hallo Ali!

    Muss ich beten wirklich gelernt haben, um in der Not zu Gott rufen zu können? Ist es wichtig, welche Worte ich wie verwende und welche Qualität meine Beziehung zu Gott hat? Ist es überhaupt endtscheidend, eine Beziehung zu Gott zu haben, um mich im Gebet an ihn zu wenden?

    Gott sieht das Herz eines jeden Menschen an, denn sagen kann ich viel. Wie ich ein Gebet wirklich meine, lässt sich nicht unbedingt aus meinen Gebetsworten heraushören. Kein Mensch kann es mit Sicherheit sagen, denn niemand außer Gott sieht mein Herz. Rufe ich zu Gott und bitte ich ihn um etwas mit ungeformten Worten eines mühevollen und unsicheren Gebets in der Ungewissheit, ob es diesen Gott überhaupt gibt, aber bewegt mich dabei ein aufrichtiges Herz, eine wahre Verzweiflung, echte Sorge oder Angst, dann wird Gott es sehen und sich nicht vor mir verschließen. Lieber das stotternde Gebet eines gebrochenen Zöllners in der hintersten Ecke als die wohlgewählten Gebetsworte des Pharisäers aus der ersten Reihe.
    Gott macht sich nichts aus Formulierungen. Es gibt ohnehin keine rhetorischen Künste die ihn beeindrucken könnten. Gott lässt sich höchstens durch ein gewaltiges Gottvertrauen beeindrucken (vgl. Hauptmann von Kapernaum), dass nicht nur durch Worte, sondern vor allem durch das Herz selbst offenbart wird.
    Ein ungekonntes, aber ernsthaftes Gebet trifft bei Gott deshalb nicht auf taube Ohren.

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