Er war einst Kapitän auf einem Sklavenschiff.
Später schrieb er das Lied „Amazing Grace“.
London, 1725. Ein Junge namens John Newton. Eine betende Mutter, die ihm die Heilige Schrift beibrachte und ihm von Christus erzählte.
Sie starb, als er sieben Jahre alt war.
Etwas in ihm geriet aus den Fugen.
Als Teenager war er gotteslästerlich, rebellisch und lief vor dem Gott, den sie liebte, davon.
Dann kam der Sklavenhandel.
Er driftete nicht nur in dessen Nähe.
Er schloss sich ihm an.
Er hörte Ketten.
Er hörte Weinen.
Er verzeichnete Menschen als Fracht statt als Seelen. Mit der Zeit beruhigte sich sein Gewissen.
Dann kam der Sturm.
März 1748. Der Atlantik wogte wie Berge. Das Schiff ächzte. Die Männer fürchteten um ihr Leben.
Und John Newton – Gotteslästerer, Sklavenhändler, Abtrünniger – rief:
„Herr, erbarme dich!“
Der Sturm zog vorbei.
Er überlebte.
Er wurde nicht über Nacht zum Heiligen.
So wirkt Gnade oft nicht.
Er segelte noch eine Zeit lang weiter.
Aber etwas war aufgebrochen.
Die Ketten klangen nun anders.
Die Schreie blieben ihm im Gedächtnis. Langsam. Schmerzhaft. Ehrlich.
Er wandte sich vom Sklavenhandel ab.
Er wurde Pfarrer.
Und in einer kleinen englischen Gemeinde schrieb er Worte für eine Predigt, die um die Welt gehen sollten:
Erstaunliche Gnade, wie süß der Klang,
der einen Elenden wie mich gerettet hat…
Nicht, weil er immer gerecht gewesen war.
Sondern weil er wusste, dass er verloren gewesen war.
Später bekannte er sich öffentlich zu seiner Vergangenheit, schrieb aus eigener Erfahrung gegen den Sklavenhandel und trug gemeinsam mit William Wilberforce dazu bei, die wachsende Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei zu stärken.
Gegen Ende seines Lebens, als sein Gedächtnis nachließ, sagte Newton:
„Ich erinnere mich an zwei Dinge: dass ich ein großer Sünder bin und dass Christus ein großer Erlöser ist.“
Viele wissen, was es heißt, zu fliehen.
Das zu betäuben, was man eigentlich fühlen sollte.
Einen Sturm zu brauchen, bevor man aufblickt. John Newtons Leben erinnert uns daran, dass ein Scheitern nicht das letzte Kapitel sein muss.
Der Mann, der einst anderen Ketten anlegte,
verbrachte den Rest seines Lebens damit, von Freiheit zu sprechen.
Und jedes Mal, wenn dieses Kirchenlied gesungen wird,
hallt sein Zeugnis noch immer nach.

