Geburtstagsparty für Frauen auf dem Strich.

Vor einiger Zeit ereignete sich folgendes: Campolo flog nach Hawaii, um auf einer Konferenz zu sprechen. Nach dem Einchecken im Hotel versuchte er, ein bisschen zu schlafen. Gegen drei Uhr morgens weckt ihn jedoch seine biologische Uhr wegen der Zeitverschiebung. Campolo berichtet: «Die Nacht ist dunkel, die Strassen sind still, die Welt schläft tief und fest, ich dagegen bin hellwach und mein Magen rumort.» Er steht auf und macht sich auf, um in der Stadt einen Ort zu finden, wo er zu früher Stunde ein Frühstück mit Eiern und Schinken bekommen kann. Alles hat geschlossen, ausser einer heruntergekommenen Bistrokneipe in einer Seitengasse. Er tritt ein und setzt sich. Der Wirt hinter der Theke kommt herüber und fragt: «Was darf es sein?» Campolo ist gar nicht mehr so hungrig als er nur ein paar Donuts unter einer Plastikhaube erspäht. Er sagt: «Einen davon und einen schwarzen Kaffee, bitte.» Es ist mittlerweile halb vier, als acht oder neun aufgedrehte Prostituierte lautstark eintreten, die gerade ihre nächtliche Tätigkeit beendet haben. Sie lassen sich auf die Sitze an der Theke fallen und Campolo sieht sich unangenehm umzingelt von dieser Gruppe. Er beeilt sich mit seiner Tasse Kaffee und sinnt auf einen raschen Abgang. Dann sagt die ihm am nächsten sitzende Frau zu ihrer Freundin: «Stell Dir vor, morgen habe ich Geburtstag. Ich werde 39.» Worauf ihre Freundin zynisch reagiert: «So, so, und was willste dann von mir? Wohl eine Geburtstagsparty? Soll ich Dir Kuchen backen und Happy Birthday singen?»

Darauf entgegnet die erste Frau: «Warum musst Du so gemein sein? Warum musst Du mir gleich so über den Mund fahren? Ich sage ja nur, dass ich Geburtstag habe. Ich will ja gar nichts von Dir. Warum sollte ich überhaupt eine Geburtstagsparty bekommen? Ich hab in meinem ganzen Leben noch keine Geburtstagsparty gehabt. Warum sollte ich dann jetzt eine kriegen?» Als Tony das hört, ist er geschockt. Er wartet bis alle Frauen das Lokal wieder verlassen haben, dann fragt er den Wirt hinter der Theke: «Kommen die hier jede Nacht rein?» «Ja», kommt die kurze Entgegnung. «Und die, die gleich neben mir sass?» fragt Tony, «kommt die auch jede Nacht?» «Ja, das ist Agnes. Sie schaut hier jede Nacht vorbei, seit Jahren. Warum wollen Sie das wissen?» «Nun, weil sie gerade gesagt hat, dass morgen ihr Geburtstag ist. Was meinen Sie? Könnten wir hier im Saal eine kleine Geburtstagsparty für sie arrangieren?» Ein freundlich verschmitztes Lächeln stiehlt sich auf die Wangen des Mannes. «Das hört sich toll an, ja Mann, das gefällt mir!» Er dreht sich um in Richtung Küche und ruft seiner Frau zu: «He, komm doch mal raus zu uns. Dieser Typ hat eine tolle Idee. Morgen ist der Geburtstag von Agnes und er will hier im Saal eine Party für sie steigen lassen.» «Das ist fantastisch!» sagt seine Frau beim Herauskommen aus der Küche. «Agnes, müssen Sie wissen, ist wirklich sehr nett. Immer versucht sie anderen zu helfen, aber keiner tut ihr irgendeinen Gefallen.» So fangen sie zu planen an. Tony verspricht, am nächsten Morgen um halb drei mit ein paar Dekorationen wieder zu kommen. Am nächsten Morgen ist Campolo um halb drei wieder da, mit Krepppapier und anderen Dekorationen, sowie einem Plakat aus grossen Bögen Karton auf dem «Happy Birthday, Agnes!» steht. Sie schmücken den Saal von einem Ende zum anderen bis es richtig toll ausschaut. Dank dem Wirt hat sich die geplante Party auf den Strassen herumgesprochen und gegen viertel nach drei schaut es so aus, als ob jede einzelne von Honolulus Prostituierten sich im Saal eingefunden hätte. Genau um halb vier geht die Türe auf und Agnes kommt mit ihrer Freundin herein spaziert. Alle rufen und schreien: «Alles Gute zum Geburtstag, Agnes!» Agnes fehlen die Worte, sie ist absolut platt. Ihre Kinnlade fällt herunter, ihre Knie geben nach und sie fällt fast um. Doch als die Geburtstagstorte mit all den Kerzen hereingetragen wird, gibt es kein Halten mehr. Sie fängt zu Schluchzen und Weinen an. Der Wirt ist es nicht gewohnt, diese Frauen weinen zu sehen und murmelt schroff: «Na, puste doch endlich die Kerzen aus, Agnes, und schneid die Torte an.»

«So eine Kirche gibt es nicht»

Agnes rappelt sich von ihrem Barhocker auf, nimmt die Torte und trägt sie stolz vor sich her, als sei es der heilige Gral. In schweigender Stille schaut ihr jeder verblüfft zu, und als sich die Tür hinter ihr schliesst, scheint keiner so recht zu wissen, was man machen soll.
Sie schauen sich gegenseitig an. Dann schauen sie zu Campolo. Er erhebt sich schliesslich vom Stuhl und schlägt vor: «Was haltet Ihr davon, wenn wir zusammen beten?» Da sind sie nun in dieser heruntergekommenen Bistrokneipe mit der Hälfte von Honolulus Prostituierten und hören um halb vier zu, wie Tony für Agnes betet, für ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Errettung. Tony erinnert sich: «Ich betete, dass sich ihr Leben verändern würde und dass Gott gut zu ihr sein möge.»
Als er fertig ist, lehnt sich der Wirt vor und sagt mit etwas gereizter Stimme: «He, Campolo, ich dachte, Sie seien ein Soziologe. Aber das stimmt nicht, Sie sind ein Prediger! Was für einer Art Kirche gehören Sie an?» «Ich gehöre zu einer Kirche, die Geburtstagspartys für Frauen auf dem Strich um halb vier in der Früh steigen lassen,» erwidert Campolo. Dann denkt der Wirt ein Moment nach und sagt: «Glaub ich nicht! So eine Kirche gibt es nicht. Wenn es sie gäbe, würde ich ihr beitreten!» (Jesus.ch)

www.goforjesus.de/szene/rahabshope/

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