Heinrich Deichmann, Chef von Europas größtem Schuhhändler, lässt sich von der Bibel leiten.

“Es ist das Werk von Max Weber, das das Wirken in der Essener Zentrale des Familienunternehmens Deichmann prägt. In seinen berühmten Studien über die protestantische Ethik und den Geist des Kapitalismus hat Weber, der große Soziologe, zu Anfang des 20. Jahrhunderts behauptet, biblische Lebensführung einerseits und rationale Unternehmensführung andererseits hätten gemeinsam den Siegeszug des Kapitalismus erst möglich gemacht. Und wenn es noch eines Beweises dieser Theorie bedürft hätte, dann würde ihn die Familie Deichmann liefern.
 
Wie schon Vater Heinz-Horst Deichmann (85) lebt nun auch Sohn und Konzernchef Heinrich (49) strikt nach den Regeln der Bibel. So haben sich die Deichmanns mit 3200 Filialen und 32 500 Angestellten in 22 Ländern zu Europas größtem Schuhhändler entwickelt. 2011 verkaufte Deichmann über 156 Millionen Paar. Weil die Firma bei Erlösen von vier Milliarden Euro zudem sehr auskömmlich arbeitet, sind die Deichmanns zu Wohlstand gekommen. Dieser bereitet ihnen aber kein schlechtes Gewissen, da sie ihren Reichtum teilen und Hilfsprojekte fördern.
 
Herr Deichmann, Sie gehören zu den Reicheren unter den Deutschen. Ist das immer ein schönes Gefühl? Oder manchmal auch ein belastendes?
 
Zunächst einmal: Unser Vermögen steckt in der Firma. Und wir haben in all den vielen Jahren nie für private Zwecke ausgeschüttet, sondern haben alles, was erwirtschaftet wurde, in der Firma belassen oder investiert. Das hat den Effekt, dass wir bankenunabhängig sind. Wir können unser Wachstum aus eigener Kraft gestalten. Diese Unabhängigkeit ist unsere Philosophie. Die größten Nicht-Firmen-Ausgaben sind die Spenden. Das sind erkleckliche Beträge in all den Jahren gewesen. Aber natürlich bin ich nicht arm. Ich kann mir das leisten, was ich mir leisten möchte.” https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/heinrich-deichmann-wie-die-bibel-den-schuhgrosshaendler-leitet/6344046.html
Von dieser Einstellung sollten sich rücksichtslose Abzocker-Prototypen vom Formate eines Josef Ackermann, Anshu Jain (Deutsche Bank), Ermotti (UBS), Dougan (Credit Suisse), Winterkorn (VW), Vasella (Novartis) u.v.a. eine Scheibe abschneiden. Es fällt nicht nur dem Gottesmanne auf, dass ein bisschen mehr von diesem Geiste einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Lösung eines Grossteils der Zeitprobleme bringen könnte. Die Tatsache, dass sich das Gedankengut der vorgenannten Egomanen, Profilneurotiker und Renditefetischisten mit ihren unendlich tiefen Taschen ähnlich einem Krebsgeschwür im Grossteil der Grossbetriebs-Vorstandsetagen verbreitet hat, relativiert allerdings die Hoffnung auf Einsicht und Besserung beträchtlich.

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