Vor 31 Jahren starben 39 Menschen im Heysel-Stadion beim Europapokal-Endspiel Juventus Turin gegen den FC Liverpool.

Vor fast 31 Jahren mussten 39 Menschen bei einem Europapokal-Finale ihr Leben lassen

Der 29. Mai 1985 hat die Fußballwelt verändert. Damals starben 39 Menschen im stark sanierungsbedürftigen Heysel-Stadion in Brüssel, die eigentlich das Endspiel im Europapokal der Landesmeister – seit 1993 abgelöst durch die Champions League – zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool miterleben wollten. Als das Spiel angepfiffen wurde, waren die 31 Italiener, sieben Belgier und ein Franzose bereits tot. 454 Fußballfans wurden verletzt. Heute sehen Fußballstadien anders aus. Die Katastrophe von Brüssel ist trotzdem nicht die letzte ihrer Art geblieben.

Britische Hooligans haben die Tragödie ausgelöst. Hooligan ist das englische Wort für Raufbold. Darunter werden Fußballfans verstanden, die Fußballspiele in Wahrheit nur als Anlass nutzen, um sich, meist alkoholisiert, mit gegnerischen Fans zu prügeln. Beim Europacup-Endspiel 1985 hatten sich Anhänger von Liverpool wie auch von Turin schon Stunden vor Spielbeginn für die große Abreibung heiß gemacht. Britische Hooligans randalierten in der Innenstadt von Brüssel. Juve-Fans warteten mit Gewaltausbrüchen, bis sie im Stadion waren. Dort bewarfen sie Polizisten mit Steinen und schossen Leuchtraketen auf sie ab. Zwei Italiener stürmten das Spielfeld. Das empfanden die Liverpooler wiederum als Provokation.

Zwar wurden die gegnerischen Fans schon damals im Stadion sicherheitshalber voneinander getrennt, doch war das Heysel-Stadion dafür baulich denkbar schlecht geeignet. Im Block Z, wohin die Juve-Fans gelotst worden waren, schirmte sie nur ein Drahtzaun von den Briten ab. Eine neutrale Zone gab es nicht. Polizei war im Block Z nicht präsent.

Als fatal erwies sich die Baufälligkeit des Stadions. Noch bevor das Spiel begann, gelang es britischen Hooligans, den Zaun niederzureißen und in Block Z einzudringen. Dort befanden sich keine gegnerischen Hooligans, sondern „normale“ Zuschauer, meist italienische Gastarbeiter – das kümmerte die Liverpooler allerdings wenig. Im Block entstand eine Panik. Menschen wurden gegen eine marode Mauer gedrückt, die darauf einstürzte und sie unter sich begrub. Andere wurden in der Massenflucht zu Tode getrampelt.

Wie sich später herausstellte, erfüllte das Heysel-Stadion die baulichen Anforderungen der UEFA (europäischer Fußballverband) nicht. Die Organisatoren hatten Block Z zwar ursprünglich als neutrale Zone vorgesehen, in der sich weder Engländer noch Italiener aufhalten sollten. Ein UEFA-Verantwortlicher hatte jedoch die Eintrittskarten unter der Hand an ein italienisches Reisebüro verkauft.

Nach dem entsetzlichen Zwischenfall herrschte Chaos im Heysel-Stadion – zumeist live übertragen von europäischen Fernsehsendern, in Deutschland vom ZDF. Die Mainzer beendeten zwar ihre Sendung vorzeitig, aber erst zu dem Zeitpunkt, als das Endspiel planmäßig zu Ende gewesen wäre. Die Veranstalter entschieden sich indessen, das Spiel mit rund eineinhalbstündiger Verspätung noch anzupfeifen. Die Spieler, die in ihren Kabinen saßen, wollten zwar verständlicherweise den Platz nicht betreten, aber die UEFA, Brüssels Bürgermeister und der Polizeichef setzten sie unter Druck: „Wenn ihr nicht spielt, gibt es da draußen nicht 30 Tote, sondern 100.“ Ein „Bürgerkrieg“ werde ausbrechen.

Turin gewann das Spiel durch ein Elfmetertor von Michel Platini in der 55. Minute. Es war ein bedeutungsloser Sieg. Platini drehte nach seinem Torschuss wortlos und ohne Jubel ab. Für den „Spiegel“ war es die „schwärzeste Stunde des europäischen Fußballs“.

Die britische Premierministerin Margret Thatcher beauftragte den Richter Sir Popplewell mit der Untersuchung des Unglücks. Er sah die hauptsächliche Schuld auf Seiten der britischen Fans. Für fünf Jahre wurden alle englischen Fußballclubs von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen, der FC Liverpool für sieben Jahre. Die UEFA verhängte aber auch gegen Juventus Turin und den belgischen Fußballverband Strafen. Belgien zahlte den Hinterbliebenen der Toten insgesamt rund 1,25 Millionen Euro Entschädigung. Von 26 ermittelten britischen Hooligans wurden 14 zu Haftstrafen bis zu drei Jahren verurteilt. Das Heysel-Stadion wurde abgerissen und neu aufgebaut. Es heißt heute König-Baudouin-Stadion und wurde 1995 eingeweiht.

Nach der Heysel-Katastrophe wurden viele Fußballstadien umgebaut, insbesondere diejenigen, in denen internationale Turniere ausgetragen werden. Es gibt jetzt keine Absperrungen zum Spielfeld hin mehr. Stehplatzbereiche wurden zunehmend abgeschafft. Mancherorts kann man überhaupt nur noch Sitzplatz-Tickets erhalten, die natürlich teurer sind – auch auf diese Weise versucht man, Hooligans aus den Stadien fernzuhalten. Das umworbene Publikum sind heute Familien und wohlhabendere Bürger. Die Kehrseite dieser Entwicklung ist, dass die Fanstimmung in den Stadien verloren geht. Das bürgerliche Publikum feuert seine Mannschaft nicht bis zum Letzten an, sondern neigt eher dazu, die Arena vorzeitig zu verlassen, wenn sie auf der Verliererstraße ist.

Man hat es freilich auch nicht geschafft, Unglücksfälle wie in Brüssel seitdem zu vermeiden und den Hooliganismus auszurotten. So wurden 1989 im Hillsborough-Stadion in Sheffield 96 Fans zu Tode gedrückt. Erst am 29. März dieses Jahres stürzte bei der WM-Qualifikation Elfenbeinküste – Malawi eine Stadionmauer ein, was in der anschließenden Panik 19 Menschen das Leben kostete.

Auch Hooligans gibt es nach wie vor. Sie verabreden sich jetzt zu ihren Gewalt-Ritualen bei niederklassigen Begegnungen – die Polizei kann nicht überall sein –, oder sie prügeln sich gleich außerhalb des Stadions. Das Fußballspiel ist für sie ja ohnehin von untergeordneter Bedeutung. Viele Vereine versuchen, mit Hilfe von Fanprojekten die Hooligans auf andere Gedanken zu bringen und zu resozialisieren. Eine letztlich aussichtslose Aufgabe.

„Fußball ist unser Leben“, hieß mal ein Promotionsong der deutschen Fußball-Nationalmannschaft von 1974. Bill Shankley, einst Trainer des FC Liverpool, sagte sogar: „Einige Leute halten Fußball für einen Kampf auf Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es weit ernster ist.“ Sie haben dabei gewiss nicht die Katastrophe im Heysel-Stadion – oder ähnliche Unglücksfälle – in Betracht gezogen. Aber der Fußball-Fanatismus zeigt, wie leicht Menschen irregehen, wenn sie ihren Lebensinhalt im Falschen suchen.

Wo aber finde ich den Sinn, das gültige Ziel meines Lebens? Jesus Christus sagt: „Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ (Lukasevangelium, Kapitel 19) Und er verspricht: „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen.“ (Johannesevangelium, Kapitel 5) Nichts spricht dagegen, ein Fußballspiel zu besuchen und sich von einer spannenden Partie mitreißen zu lassen. Aber das, was für Dich wirklich wesentlich ist, findest Du nicht dort, sondern in der Bibel und in dem, von dem sie kündet: Jesus Christus.

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