Vor 88 Jahren ist James Brown (Godfather of Funk) geboren.

Wahrscheinlich war er kein gottesfürchtiger Mensch. James Brown, der „Minister Of New Heavy Super Funk“, kam aus einer Zeit, als sich der Soul gerade erst vom Gospel, der religiösen Musik der Schwarzen, abzulösen begann, und als Jugendlicher im Gefängnis hatte er selbst einen
Gospelchor gegründet. Aber für diese Musik fehlte ihm eines: Demut. Durch sein übersteigertes Selbstbewusstsein sprengte er schließlich die Grenzen des Rhythm’n’Blues und bereitete den Weg für neuere schwarze Musikstile wie Disco, Rap und HipHop. Brown war außerdem in den 1950er- und 1960er- Jahren ein äußerst wirksamer Kämpfer für schwarze Bürgerrechte in den USA und zugleich ein gewiefter Geschäftsmann.
Gewöhnlich ließ er sich so ansagen: „It is a great pleasure to present to you at this particular time: international known as the hardest working man
in show business, Mr. Dynamite, the godfather of soul, the amazing Mr. Please-Please, the star of the show – Mr. James Brown and the Famous
Flames!” Er hatte sich von ganz unten hochgearbeitet. Geboren wurde er 1933 in eine zerrüttete Familie in Augusta/Georgia; seine Kindheit verbrachte er teilweise in einem Bordell, das seine Tante betrieb. Mit 16 Jahren landete er im Knast, als er beim Autoaufbrechen erwischt worden war.

Dort knüpfte er erste Kontakte zur Musikszene. 1955 hatte er mit den Famous Flames seinen ersten Hit: „Please please please“. Die Band trat unter anderem im Vorprogramm von Little Richard auf. Dessen Abwendung vom Rock’n’Roll 1957 war für Brown die Chance, einen weiteren großen Karriereschritt zu machen.
Während Little Richard seinen wilden Lebensstil im Musikgeschäft aufgab und Pastor wurde, übernahm Brown die schon vereinbarten Konzerttermine. Er tourte immer – damals höchst ungewöhnlich – mit großer Band und BackgroundChor. Durch seine mitreißende Bühnenshow, bei der er vor allem durch teilweise selbst erfundene Tänze glänzte, kurbelte er schließlich Anfang der 1960er Jahre auch das Plattengeschäft an. Brown entwickelte seine Musik entscheidend weiter. Er reduzierte die Melodien seiner Songs und betonte zunehmend den Rhythmus, bis die
Bläsergruppe nur noch stark akzentuierte rhythmische Einzeltöne hervorstieß. Ähnlich wurden auch Gitarre und Bass behandelt. All das unterstützte Browns tänzerische Performance, mit der er das Publikum jedes Mal gefangen nahm. Seine Nummer „Papa’s got a brand new bag“ von 1965 gilt heute als Übergang vom Soul zum Funk. Erst in den 1980er Jahren ließ Browns Zugkraft nach, wenngleich er mit seinen schweißtreibenden Liveauftritten immer noch zu beeindrucken verstand. Brown hatte zwar einen Manager, behielt aber die Zügel des Geschäfts selbst in der Hand. Er ließ sich nicht von großen Firmen vermarkten, sondern plante den Tourablauf selbstständig und arbeitete mit den örtlichen Discjockeys und Plattenhändlern zusammen, um das Publikum auf seinen nächsten Auftritt aufmerksam zu machen. So konnte er hauptsächlich in die eigene Tasche wirtschaften.
Schließlich besaß er eigene Radiosender. Brown war tatsächlich ein sehr hart arbeitender Showman, wie er sich anpreisen ließ, tourte fleißig, war
zuverlässig und lieferte stets die atemberaubende Show, für die er bekannt war. Er war eine Verkörperung des amerikanischen Traums, hatte es als
Schwarzer durch eigene Anstrengung zu Geld und Ruhm gebracht. Zu dem Film „Rocky IV“ steuerte er den Song „Living in America“ bei. Erst viel später präsentierten sich schwarze Stars lieber als „Gangstas“.
Seinen Erfolg versuchte Brown auf die zwar seit kurzem gesetzlich gleichgestellten, aber häufig noch immer benachteiligten Afroamerikaner zu übertragen. Er engagierte sich in der Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King und versuchte, den Schwarzen Selbstbewusstsein zu vermitteln, etwa durch seinen 1969er- Hit: „Say it loud: I’m black and proud“. Das war zu dieser Zeit ein ganz neuer Ton. Er weigerte sich aufzutreten, wenn in den Südstaaten Weiße und Schwarze im Publikum getrennt waren. 1986 wurde er in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen. Durch Disco, Rap und House wurde Browns Stil schließlich deutlich überholt. Er büßte seine Kreativität ein und verwandelte sich in ein Denkmal seiner selbst.
Privat war Brown eine problematische Persönlichkeit. Seine angestellten Musiker, darunter Maceo Parker und Bootsy Collins, schikanierte er und feuerte sie, wenn sie in seiner Show mal nicht wie gewünscht funktionierten. Es heißt, er sei tablettenabhängig gewesen. 1988 musste er
noch einmal ins Gefängnis, nachdem er sich mit der Polizei angelegt hatte. Ein Autounfall genügte einem sicher nicht ganz fairen Gericht, ihn danach
zu acht Jahren Haft zu verurteilen. Brown war vier Mal verheiratet und am Ende seines Lebens in erbitterte Erbstreitigkeiten verwickelt, die zum Teil noch andauern. Ob Brown sein Vermögen zusammenhalten konnte oder schließlich mit nichts als Schulden dastand, ist umstritten. 100 bis 200
Millionen Dollar soll er auf der hohen Kante gehabt haben. Er musste aber auch Häuser und seine Radiostationen verkaufen, um Steuerforderungen
bezahlen zu können.

2006 stellte ein Arzt bei einer Routineuntersuchung fest, dass Browns Gesundheitszustand, wohl wegen einer nicht auskurierten Lungenentzündung, sehr schlecht war. Kurz nachdem er in Atlanta, Georgia ins Krankenhaus gekommen war, starb er in der Nacht zum Weihnachtstag 2006 an einem Herzinfarkt. Er wurde 73 Jahre alt. Vom
Gotteslob der Gospelmusik, mit der er begonnen hatte, war er Lichtjahre entfernt. „Gospel zu singen, ist eine Art Hilfe für die Seele und macht dich
zufrieden“, hatte er einmal gesagt. Worauf es im Verhältnis zu Gott ankommt, das hat er wohl nie verstanden.

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