Denke an unseren alten Freund Franz Huber: “ . . . ich hatte meine Seele der Droge verkauft.“

„Blick hinunter, blick jene Straße des Opiats hinunter, bevor Du sie entlang reist und Dich mit den falschen Haufen einläßt.“
William S. Burroughs

Mir war mein Leben egal:
In das Leben hineingeboren und schon gestorben; war mir egal, was kommen würde.

Janis Joplin sagte einmal:
„Lebe schnell, liebe intensiv und sterbe jung.“

Diese Aussage wurde das Leitmotiv meines Lebens. Und umgekehrt wurde mein Leben dieser Aussage immer ähnlicher. Ich akzeptierte keine Autorität über mir, auch nicht die meiner Mutter.
„No future“ – keine Zukunft! Warum sollte ich denn arbeiten? Ich konnte nirgends einen Sinn sehen. Selten fühlte ich mich wohl und angenommen. Meist kam ich mir unterdrückt und unverstanden vor. Die Folge davon war, daß ich meine Metzgerlehre nach kurzer Zeit abbrach.
Gerade zu diesem Zeitpunkt wurden dann die Rolling Stones bekannt. Ihre Lieder, ihre Botschaften fielen in meinem Herzen auf fruchtbaren Boden:

I can’t get no satisfaction
Ich finde einfach keine Befriedigung
So sehr ich es auch versuch‘ und versuch‘ und versuch‘,
Ich find‘ einfach keine… Ich find’einfach keine. Wenn ich vor meinem Fernseher sitze.
Und dieser Mann tritt auf und erzählt mir, wie weiß meine Hemden sein können.
Na, das kann kein richtiger Mann sein,
der raucht ja nicht mal die gleiche Zigarette wie ich.
Wenn ich um die ganze Welt fahre.
Und da was mache und dort was unterschreibe. Ich find‘ einfach keine Befriedigung . . .

So suchte ich meinen Weg, oder den „Sinn des Lebens“ bei den Gammlern, Beatniks und bei den Zukunftslosen. Ich fand es interessant, mit den Leuten am Rande der Gesellschaft zu sprechen. Sex, Drugs und Rock’n’Roll fesselten mich, und doch war ich einsam. Und der Schrei nach Liebe ging unter in Marihuana- und Haschischrauch. Die Tage vergingen sinnlos, sinnentleert. Ich sagte: „Ich bin frei“, und merkte nicht, wie gefesselt ich war. Auf den Straßen rief man nach Frieden, und auch mein Herz schrie nach Frieden. Dennoch fand ich ihn nicht und rutschte tiefer in den Drogenkonsum hinein. „Am Morgen einen Joint und der Tag ist dein Freund.“ Das war für mich die Welt der rosaroten Brille, wo doch alles andere so dunkel und aussichtslos war.

Die Rolling Stones sangen „Sister Morphine“:

Hier lieg‘ ich in meinem Krankenhausbett.
Sag‘, Schwester Morphium, wann kommst
du wieder vorbei?
Oh, ich glaub‘ nicht, daß ich so lang‘ warten kann! Oh, du siehst doch, wie groß meine Schmerzen sind! Sag‘, Schwester Morphium, wie lang‘ lieg‘
ich schon hier?
Was hab‘ ich hier verloren?
Warum hat der Doktor kein Gesicht?
Oh, ich schaff’s nicht, über den Boden zu kriechen. Siehst du nicht, Schwester Morphium, ich versuch‘ bloß, einen Schuß zu kriegen.
Bitte, Schwester Morphium, hol‘ mich aus meinem Alptraum heraus!
Oh, ich kann nicht schlafen ohne einen Schuß. Und dieser Schuß muß in die Venen gehen!
Bitte, Cousine Kokain, leg‘ mir deine kühlen Hände auf die Stirn.
Du, Schwester Morphium, mach‘ schon mal mein Bett zurecht.
Wir wissen beide, daß ich morgen tot sein werde. Yeah, und du kannst dabeisitzen und zusehen, wie die weißen Laken sich rot färben.

Nun, warum wird ein Mensch rauschgiftsüchtig?

Es ist nicht so, daß man eines Morgens aufwacht und es beschließt. Ich verstrickte mich immer mehr in den Rauschgiftgenuß, nahm Speed, Marihuana, Haschisch, Halluzinogene wie LSD, STP, Meskalin und Psilocybin. Später nahm ich Rauschgifte wie Morphium, Polamydon, Jetrin und Kokain. So wachte ich eines Morgens auf mit einem körperlichen Verlangen. Jetzt hatte ich einen „Affen“ (Entzug). Von da an brauchte ich täglich Geld für neuen „Stoff“! Es verstrich ein Monat nach dem anderen, ein Jahr nach dem anderen. Ich hastete durch die Straßen, brach Autos auf, ging in Kaufhäuser zum Stehlen und verkaufte unechtes Haschisch und falsche LSD-Trips. Auch fälschte ich Rezepte oder stahl sie und brach in Apotheken ein. Auf den Toiletten vieler Cafes war ich zuhause, um mir einen Schuß zu setzen.

Eines Morgens erwachte ich mit schweren Entzugserscheinungen und hatte nichts zu ‚Schießen. In der Junkykommune war der Stoff ausgegangen . . . Eine entsetzliche Hoffnungslosigkeit breitete sich unter uns aus. „Ohne Dope, no Hope!“ Schmerzen, Schmerzen als ob mein ganzer Körper nur aus Schmerzen bestehen würde. Ich warf mich auf meinem Bett hin und her, krümmte mich und meine Augen tränten.

Da klingelte es. Ein Junky stand vor der Tür und hatte Morphium. Doch er gab nur meiner Freundin einen Schuß und ließ mich links liegen. – Da klinkte ich aus, riß ihm die Spritze aus der Hand, rollte meinen Hemdsärmel hoch und setzte mir den langersehnten Schuß. Welch eine Erleichterung, als ich den Affen „Entzug“ loswurde. So durchströmte nun das Gift meinen Körper. Schmerzlosigkeit – alles schien mir die Droge zu geben.

Mein Leben war damals ein einziger Wirbel von Verbrechen, Verderbtheit und sinnlicher Begierde; ein Wechsel zwischen „Freiheit“, Knast und Psychiatrie. Immerwieder ein Anfang, aber doch nur ein neues Ende. Dieser Kreislauf brachte mich von Zeit zu Zeit in psychiatrische Behandlung mit therapeutischer Betreuung. Die Therapien sahen immer gleich aus: arbeiten, sonst nichts. Dach über’m Kopf und beim Ausgang Haschisch besorgt. Welch eine „Freiheit“, welch eine Lüge!

Die Drogen bestimmten meinen Abstieg. Ja, ich hatte es eilig auf dem Weg zur Hölle. Immer öfter fuhr ich nach Amsterdam und lebte auch ein paar Jahre dort. Mein Leben war nur noch auf mich selbst ausgerichtet. Ich wollte nur nehmen und nichts geben. Amsterdam – Einbahnstraße der Junkies. Und da stand ich nun auf dieser Straße, mit einem Herzen voll Einsamkeit und der Lebensphilosophie: „Macht kaputt, was euch kaputt macht.“ Und die gesuchte Liebe ging unter im Drogenkonsum. Wie Lou Redd in einem Lied singt: „Heroin, it’s my life and my wife.“ – „Heroin, das ist mein Leben und meine Frau.“ Freunde, Freundinnen, zuletzt waren auch sie alle auf der Nadel. Meine Not steigerte sich immer mehr, und bei einem Drogenentzug sah ich im Selbstmord den einzig noch verbleibenden Ausweg. Ich hatte solche Entzugsschmerzen, daß ich mir fünf Milliliter Luft in die Vene spritzte, um mir das Leben durch eine Luftembolie zu nehmen. Aber ich überlebte. Und hastete weiter durch die Straßen von München und Amsterdam.

Ich hatte alle moralischen Maßstäbe verloren. Arbeiten – nein danke, da hatte ich keinen Bock zu. Und mit Leben und Liebe war freie Sexualität gemeint.

Hier nun das Lied „Lady Jane“ von den Rolling Stones. Dieses Lied klingt wie eine Liebeserklärung an eine Frau. Allerdings ist mit Lady Jane die Droge Marihuana gemeint. An dem folgenden Auszug kann man die Zweideutigkeit erkennen:

Meine reizende Lady Jane,
wenn ich dich wiedersehe, will ich dein Diener sein. Und immer in Demut bleiben.
Hör‘ meinen Schwur, Geliebte.
Auf meinen Knien, Geliebte:
Ewige Treue schwöre ich Lady Jane.
Das Spiel ist zu Ende, Geliebte,
deine Zeit ist gekommen, Geliebte.
Meine Seele verpfände ich Lady Jane.
Bei Lady Jane hab‘ ich ein sorgloses Leben.
Erleben – „verleben“ – lebe dich aus! – welch ein Leben! Tue, was du willst und das Chaos zieht bei dir ein.

So konnte ich mich auch nicht unterordnen. Nach einem unfreiwilligen Entzug im Knast versuchte ich, wie so oft, ein neues Leben anzufangen. Ich nahm sogar eine Arbeitsstelle an; doch bei der kleinsten Belastung warf ich sofort den Löffel. Ich war sehr stolz, akzeptierte keinen Chef: „Also bitte nicht mit mir, machen Sie mal halblang.“ So waren die Phasen, während derer ich arbeitete nur sehr kurz nach einer Haftentlassung. Es war ein Labyrinth der Verkommenheit. „Ich habe meine Seele der Droge verkauft. Alles für die Droge…“

So lief ich durch die Straßen wie ein „Ferngesteuerter“, getrieben von der Droge, nur an den Entzug denkend, der kommen würde, wenn ich mir kein Heroin besorgte. Eine rote Blutspur des Hasses hinter mir, so lief ich Hand in Hand mit mir entlang auf der Straße des Heroins.

Vom Knast – entlassen, von der Nervenklinik – entlassen, Therapie – abgebrochen. Es gab keine Hilfe; ich wurde immer und immer wieder rückfällig.

Die Rolling Stones sangen:

„Torn and Frayed“ – Zerfetzt und abgewetzt. Joe hat ’nen Husten, klingt ziemlich schlimm Yeah, und das Codein dafür, das verschreibt der Doktor.
Die Apotheke schiebt’s rüber.
Aber wer hilft ihm,
von dem Zeug runterzukommen?

In Amsterdam erzählte mir ein Freund von Christen, die ein Haus hätten, um Drogensüchtigen zu helfen. Ich nahm dieses Angebot nicht an und rutschte weiter in die Abhängigkeit hinein. Schließlich blieben diese Christen meine einzige Hoffnung. Vollgepumpt mit Drogen ging ich zu ihnen und sprach mit ihnen über einen möglichen Entzug. Und einer dieser Leute sagte mir, daß nur der Herr Jesus mir helfen könne. Er bezeugte mir, daß er selbst auch heroinsüchtig gewesen war.

Bei den Leuten in Amsterdam blieb ich zwei Nächte. Längst hatte ich wieder einen „Affen“ auf dem Rücken, der Entzug hatte mich wieder am Schopf gepackt. Immer, wenn sie mir von Jesus erzählten, war ich wie geteilt. Einesteils wollte ich es hören, doch dann aber auch wieder nicht. Sie sagten mir Stellen aus der Bibel. Eine beeindruckte mich besonders:

„Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hoffet völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird bei der Offenbarung Jesu Christi.“ (1. Petr. 1,13)

Endlich war ich entschlossen, einen Entzug zu machen. Ich war wie ein Krug, der in tausend Scherben zerbrach. Von Amsterdam fuhr ich auf’s Land, wurde von den Christen zum Bahnhof gebracht und auch am Ziel wieder von Christen abgeholt um im Norden von Holland in einem christlichen Auffangzentrum für Drogensüchtige eine Zeit zu bleiben. Ich war mir darüber klar, daß ich auf dem besten Weg war, als einer von vielen, in einer Nervenklinik zu enden. Und eben da, als ich total am Ende war, griff der Herr Jesus Christus ein. Ich machte den Heroin-Entzug, und nach Wochen in diesem Auffangzentrum wurde mir klar, daß Gott von mir eine totale und radikale Umkehr erwartete. Ich zog Bilanz in Bezug auf mein bisheriges Leben und erschrak über die Dinge, die mir da ins Gedächtnis kamen. Meine ganze Schuld stand vor mir: Heroin, Lüge, Betrug, Diebstahl, Raub und Selbstzerstörung durch Drogen. Aber nicht nur meine schlechten Taten und Verhaltensweisen, auch mein böses Wesen, meine Sündhaftigkeit standen in ihrer ganzen Schwärze vor meinen Augen.

Es gab jedoch Tage, da dachte ich, ich werde nicht alt bei den Christen. Die mit ihrem Jesus, die haben doch alle eine fromme Macke. Beten, Bibelstunde: das alles paßte mir nicht so recht. So sagte ich mir: wenn ich meinen Entzug hinter mir habe, werde ich dieses Haus verlassen. Aber es kam anders. Ich hatte meinen Entzug vorbei und war immer noch da.

Die entscheidende Wende kam, als ich eines Tages las:
„Wer zu mir kommt, den stoße ich nicht hinaus“ (Joh. 6,37).

Welch ein Versprechen gibt uns da der Herr Jesus! So habe ich zum ersten Mal in meinem Leben gebetet. Ich habe in diesem Gebet dem Herrn Jesus Christus mein Herz ausgeschüttet, habe Ihm gesagt: „Ich kann nicht mehr, heile Du meine Wunden, zeige Du Dich mir und ich will Dir nachfolgen.“

Ich übergab Ihm mein Leben und bat Ihn, es in Seine Hand zu nehmen. Und Er hat mich freigemacht. Kein Arzt, kein Psychiater oder Psychologe, sondern Er, der Herr Jesus Christus.

„An dem Tage, da ich rief, antwortetest du mir; du hast mich ermutigt; in meiner Seele war Kraft“ (Ps. 138,3).

Ob nun die Eskalation der Gewalt und des Verbrechens ihren Fortgang nehmen, ob sich neue weltweite atomare und sonstige kriegerische Auseinandersetzungen anbahnen – nachdem ich zu Jesus Christus gekommen und Sein Eigentum geworden bin, brauche ich nicht mehr weiter in erdrückender Angst zu leben. Nein, ich bin als Kind Gottes wirklich geborgen in der Hand des Herrn.

Jesus Christus sagt:
„Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren ewiglich, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben“

(Joh. 10,27-29).

Noch keine Stunde habe ich bisher über diesen entscheidenden Lebensschritt getrauert. Im Gegenteil! Mein Leben hat Sinn und Ziel bekommen. Der Herr Jesus hat mir eine Arbeitsstelle gegeben, ja, Er hat mir zu meiner Arbeit sogar die Freude dazu geliefert. Ich darf frei sein von Drogen und anderen Gebundenheiten. Er hat mir ein Zuhause gegeben. Ich weiß mich geliebt und behütet von meinem wunderbaren Gott: von Jesus Christus, der alle Seine Versprechen, die Er gibt, auch hält.

Ich will hier jeden warnen, der sich mit Drogen einläßt, egal, ob es sich nun um Kokain oder „nur“ um einen Joint handelt, oder um sonst irgend etwas anderes. Ich bin mir sicher, daß dahinter der Teufel steht, der der Mörder von Anfang ist. Doch durch Jesus gibt es Sieg. Freund, der Herr Jesus ist gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören. Er hat durch Seinen Tod den zunichte gemacht, der die Macht des Todes hatte, das ist den Teufel.

Er hat sich als lebendige Person, ja, als der lebendige Gott erwiesen, indem Er aus den Toten auferstanden ist. Und Er ist nicht nur eine lebendige, sondern auch eine „lebendig-machende“ Person. Er hat mir, und noch so vielen anderen, die auch schon halbtot waren, neues, ewiges Leben geschenkt. Jesus Christus ist imstande, aus jeder Gebundenheit zu befreien, wirklichen Frieden und echte Freude zu geben. Wen der Sohn Gottes freimacht, der ist wirklich frei.

„Auch wenn ich wanderte im Tale des Todesschattens, fürchte ich nichts Übles, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich“ (Ps. 23,4).

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