Der Nordsudanese Yassir Eric war militanter Islamist, wünschte Juden und Christen den Tod.

„Zuerst nahmen wir unsere Gewehrkolben und droschen auf seinen Körper [Anm. d. Red.: auf christlichen Mitschüler] ein. Dann drehten wir die Waffen um und stachen mit den Messerklingen am Lauf der Gewehre in seinen Rücken, seine Beine und Arme. Zakarias dumpfe Schreie wurden immer schwächer, bis sie ganz verstummten.“ Mit dieser brutalen Szene steigt Yassir Eric in seine Biografie „Hass gelernt, Liebe erfahren. Vom Islamisten zum Brückenbauer“ ein. Der im Nordsudan geborene Autor lernte bereits als Kind zu Hause von seinem Vater, aber auch in der Koranschule, alle Andersgläubigen zu hassen. In ihm keimt dieses Gefühl bereits in frühen Jahren. Als Jugendlicher verübt er einen Mordanschlag auf seinen christlichen Mitschüler Zakaria.

Eric wächst in einer angesehenen, wohlhabenden und sehr traditionellen Familie im sudanesischen Khartum auf. Sie war wie ein patriarchalischer Clan, den Erics Großvater leitete, gefolgt von Erics Vater. Ein Verwandter war etwa maßgeblich für die Einführung der Scharia im Sudan verantwortlich. Erics Vater gehörte zu einem der ersten Muslimbrüder im Land. Bereits als Kind reiste Eric durch den Sudan und warb mit Radikalen für den Dschihad. Umso unglaublicher ist Erics Lebenswandel, den der Leser auf ergreifende Weise mitverfolgt.

Zu seinem Onkel Khaled, auch ein radikaler Muslim, hatte Eric eine besonders tiefe Beziehung. Dieser arbeitete für den sudanesischen Geheimdienst. Während seiner Arbeit wollte Khaled gegen eine internationale Pastorenkonferenz vorgehen und einen der Leiter töten. Doch statt ihn zu ermorden, kommt der Onkel mit dem Wort Gottes in Kontakt und wird schließlich Christ. Allein zu dieser Geschichte, die Eric packend schildert, müsste ein ganzes Buch geschrieben werden. Als Khaled dem Clan seine Konversion offenbart, wird dieser aus der Familie verstoßen und kommt ins Gefängnis. Eric ist entsetzt über den Schritt seines Onkels, gleichzeitig fragt er sich, was am christlichen Glauben dran ist, wenn sich sein geliebter Onkel dafür entschieden hat. So besorgt sich Eric eine Bibel. Nur dadurch könne er die Lügen der Bibel entlarven und seinen Onkel überzeugen, zum Islam zurückzukehren. Doch es kommt anders: Je mehr er in der Bibel liest, desto stärker ergreift ihn das Wort.

Dann erlebt Eric ein Wunder, das sein Leben für immer verändern soll. Sein kleiner Cousin, Onkel Khaleds Sohn, liegt seit vier Wochen im Koma, die Ärzte hatten ihn schon abgeschrieben. Koptische Christen kommen in das Krankenhaus und beten in Anwesenheit Erics für den Jungen. Dieser wacht aus dem Koma auf. Dieses Erlebnis, Gespräche mit einem der Kopten und die Lektüre der Bibel prägen Eric so stark, dass er zum Glauben an Jesus kommt.

Als er seine Konversion nicht mehr verheimlichen will, berichtet er der Familie von seinem neuen Glauben. Die ist entsetzt, will ihn dazu bewegen, zum Islam zurückzukehren. Doch diesen Weg will Eric nicht gehen. So verstößt ihn sein Vater aus der Familie, enterbt ihn. Er sei nicht länger sein Sohn. Damit verliert Eric all die Privilegien seiner wohlhabenden Sippe und noch schlimmer – er verliert seine Familie. In seinem Heimatland wird er verfolgt, ist auf der Flucht, der Geheimdienst nimmt ihn immer wieder fest. Er steckt ihn in ein „Geisterhaus“, wo er sieben Wochen lang Höllenqualen erlebt. Dort stinkt es widerlich nach Leichen, kein Tageslicht dringt in die Zellen, Eric hört qualvolle Schreie anderer Gefangener. Er erleidet viel Misshandlung. Diese Schilderungen gehen beim Lesen durch Mark und Bein. Die Erlebnisse verfolgen Eric bis heute.“ https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/08/31/wie-dieser-islamist-christ-wurde/

Yassir Eric: „Hass gelernt, Liebe erfahren. Vom Islamisten zum Brückenbauer“, adeo, 224 Seiten, 18 Euro, ISBN: 9783863341770

Kommentar verfassen