Postevangelikalismus – Was ist das? Ist das der von der Bibel angekündigte Abfall vom Glauben in der Endzeit?

“Als „postevangelikal“ (lat. post = nach) werden Menschen bezeichnet die zwar eine evangelikale Geschichte haben, sich aber von wesentlichen Charakterzügen des Evangelikalismus abwenden. Evangelikale verstehen sich meistens als bibeltreu, Jesus-zentriert und missionarisch. Sie sehen sich in der Tradition der Reformation, des Pietismus und der Erweckungsbewegung und grenzen sich in der Regel klar gegen liberale Theologie und Bibelkritik ab. Bekehrung, lebendige Nachfolge und Mission sind hingegen Kernthemen.

In Abgrenzung dazu kritisieren Postevangelikale ein konservatives Schriftverständnis und sind, insbesondere bei den Themen der ewigen Verdammnis und der Sexualethik bereit die Bibel anders auszulegen oder ihr direkt zu widersprechen. Dabei bezeichnen sich Postevangelikale selbst gerne als „Dekonstruierende“. Sie verweisen damit auf einen Prozess, während dem sie ihren evangelikalen Glauben hinterfragt, auseinandergenommen und wieder neu zusammengesetzt haben.

Dieser neu zusammengesetzte Glaube beinhaltet meistens eine Offenheit für bibelkritische Theologie, eine liberale Sexualethik und ein relativistisches Wahrheitsverständnis und kann in diesem Sinne als postmodern bezeichnet werden. Dabei treten Postevangelikale meist als scharfe Kritiker der evangelikalen Bewegung und Gemeinden auf und bezeichnen deren Theologie und Glaubenspraxis als diskriminierend, angstmachend und toxisch. Gleichzeitig sind aber viele von ihnen noch Teil evangelikaler Verbände und Institutionen und prägen diese mit. Postevangelikalismus ist kein rein deutsches Phänomen. Viele bekannte Postevangelikale kommen aus den Vereinigten Staaten von Amerika und wirken auch in den deutschen Raum hinein. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der ehemalige Pastor Joshua Harris. Mit dem Buch „I kissed Dating goodbye“ (zu Deutsch „Ungeküsst und doch kein Frosch“) wurde er in den späten 90ern in Amerika und Deutschland bekannt. achdem er mit seinen Büchern lange Zeit als prominente Stimme für evangelikales Beziehungsleben galt, gab er 2019 die Trennung von seiner Frau bekannt und wenige Tage später den Verlust seines christlichen Glaubens. In diesem Zug entschuldigte er sich bei der LGBTQ-Bewegung für seine früheren Bücher und nahm zwischenzeitlich auch am Christopher-Street-Day teil. In Deutschland war die Geschichte von Torsten Hebel ein Anstoß für die Debatte um Postevangelikalismus und die Ausrichtung evangelikaler und pietistischer Werke. Hebel, der als Moderator für evangelistische Formate wie „Jesus House“ bekannt war, sorgte mit seinem Buch „Freischwimmer“, in dem er seine Abwendung vom evangelikalen Glauben bekannt gab, für Aufruhr in der evangelikalen Welt in Deutschland. In seinem Buch und in folgenden Interviews distanzierte er sich vom negativen Menschenbild der Bibel und stellte den Glauben an Gott generell in Frage.

Eine noch größere Debatte löste allerdings ein Interview in der Tageszeitung „Die Welt“ des damaligen Präses des pietistischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz Michael Diener aus. Diener, der mit den genannten Ämtern einer der wichtigsten Repräsentanten der deutschen Evangelikalen war, übte starke Kritik an den eigenen Reihen und gab sich verständnisvoll und tolerant gegenüber Pfarrern, die in homosexuellen Partnerschaften leben. Dieses Interview trat einen Streit los, der sich nicht nur über den Umgang mit Homosexualität, sondern bald generell über das grundlegende Bibelverständnis der Evangelikalen drehte. Besonders die Vertreter postevangelikaler Theologie vertraten ihre Positionen immer profilierter und deutlicher. So gab bspw. Michael Diener später an, dass sich seine Position zu Homosexualität etc. deutlich verändert habe und entwickelte sich, nachdem er sein Amt als Präses des Gnadauer Verbandes abgegeben hatte, zu einem polemischen Kritiker des konservativen und evangelikalen Christentums.

Ein anderes Beispiel ist der Theologe Thorsten Dietz, der sich als ehemals evangelikaler Theologe und Dozent an der pietistischen Hochschule Tabor 2022 soweit entwickelt hatte, den Ausspruch „Gott ist queer“ zu verteidigen und zu unterstützen und sein Buch zur Sexualethik, dass er gemeinsam mit Tobias Faix geschrieben hat, „in der Spannung zwischen der evangelisch-reformatorischen Tradition und (…) feministischer und queerer Theologie“ einordnet.

„Und erbarmt euch derer, die zweifeln“ Judas 22

Der Postevangelikalismus ist eine geistliche Herausforderung, die uns durchaus nahegehen kann. Leicht fühlt man sich von den kritischen Fragen und moralischen Anklagen bedrängt und ist versucht sich zurückzuziehen oder abweisend zu reagieren. Hier ist es wichtig zu beachten, dass es sich oft um zweifelnde Geschwister handelt, die um Orientierung ringen. Sie brauchen unser Gebet, offene Ohren und geduldige Gesprächspartner, die Zeit, Kraft und Hirnschmalz in sie investieren. Sie brauchen einen Ort, an dem sie sich mit ihren Fragen ernst genommen fühlen, und müssen die Erfahrung machen, dass der christliche Glaube und die Gemeinde diese Fragen aushält und ihnen standhält.

Am Ende ist die Auseinandersetzung mit dem Postevangelikalismus und der Postmoderne nicht nur eine Frage des Intellekts, sondern auch ein geistlicher Kampf, ein Ringen um Umkehr, Erweckung und geistliche Erneuerung statt bloßer Anpassung in einer fragilen und turbulenten Zeit. Dafür sind wir, immer wieder neu, auf das machtvolle Handeln unseres Vaters im Himmel und unseres Herrn Jesus Christus durch den Heiligen Geist angewiesen.” Tobias Kolb (Jg 1993) Gemeindenetzwerk.de

Die Vorhersagen der Bibel erfüllen sich in unseren Tagen:

Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung gebraucht werden von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen. (1Tim 4,1-3)

Es gab aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die heimlich verderbliche Sekten einführen, indem sie sogar den Herrn, der sie erkauft hat, verleugnen; und sie werden ein schnelles Verderben über sich selbst bringen. Und viele werden ihren verderblichen Wegen nachfolgen, und um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden. (2Pt 2,1-2)

Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon am Wirken, nur muß der, welcher jetzt zurückhält, erst aus dem Weg sein; und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr verzehren wird durch den Hauch seines Mundes, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft beseitigen wird, ihn, dessen Kommen aufgrund der Wirkung des Satans erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte, Zeichen und Wunder und aller Verführung der Ungerechtigkeit bei denen, die verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können. Darum wird ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung senden, so daß sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit. (2Thess 2,7-12)

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