Where is the Love?

Interessante Frage, die die Black Eyed Peas da in ihrem neuen Hit stellen. Bemerkenswert, dass es darin gar nicht um die übliche Popsong-Liebe geht, dieses oberflächliche Geschnulze über Eintagsfliegen-Romantik. Nein, es geht den Rappern aus L.A. um Liebe in einer tieferen Bedeutung, schließlich verknüpfen sie die Frage danach mit zeitgenössischen politischen und sozialen Szenerien von Rassismus, Krieg, Terror und zwischenmenschlicher Kälte. Ja, was ist denn das Gegengift gegen all diese schrecklichen Dinge, die das Bild unserer Nachrichtenlandschaft bestimmen? Bessere Technologien vielleicht? Oder bessere politische Systeme und Bündnisse? Oder ein bisschen Zauberei und Esoterik?

Johnny Cash: „keine Angst vor dem Tod“

Am 12. September 2003 starb Johnny Cash im Alter von 71 Jahren nach einem Diabetes-Vorfall in Nashville, Tennessee. Er schrieb in seiner Autobiographie über sein Leiden an einer seltenen Variante der Parkinsonschen Krankheit: „Es ist nicht nur so, dass ich überhaupt keine Angst vor dem Tod habe. Ich habe deswegen keine einzige Minute an Schlaf verloren. Ich bin völlig im Frieden mit mir selbst und mit meinem Gott. Ich akzeptiere diese Krankheit, weil es der Wille Gottes ist; er ist es der in meinem Leben wirkt und wenn er es passend findet mich von dieser Welt hinwegzunehmen werde ich einige gute Leute wiedertreffen, die ich schon für eine ganze Weile nicht mehr gesehen habe.“

Chiemsee Reggae Summer

Einmal im Jahr ist High-Life angesagt für alle, die auf die Kultur und Musik aus Jamaika abfahren. Der Chiemsee Reggae Summer in Übersee, herrlich gelegen in bayerischer Bergkulisse, ist zu einer festen Institution geworden für alle, die den entspannten, alternativen Lebensstil pflegen. Mit der herrlichen Sonne, die der Gott des Himmels (von Rastas bevorzugt „Jah“ genannt) auch diesmal wieder geschenkt hat, den positiven Vibes der Reggae-Musik und den freundlich-beschwipsten (bekifften?) Gesichtern um einen herum scheint alles ok zu sein. Wirklich? Dass das Leben mehr ist als coole Musik, Abhängen und ein bisschen „Naturprodukte“ konsumieren, spüren viele tief in sich. Es geht ihnen gar nicht gut, obwohl äußerlich alles gut scheint. Da ist der ständig betrunkene Nachwuchsmusiker, der nicht glauben kann, dass Gott mit jemandem wie ihm etwas zu tun haben will, der ebenfalls breite Möchtegern-Buddhist, der seinen „kostbaren“ Buddha-Mantel für drei Flasch’ Bier verscherbelt, das Mädchen, das endlich richtige Freunde und eine richtige Beziehung haben will, und uns fast ihr ganzes Leben erzählt oder die Frau, die wissen will, wo ihr Freund, der Selbstmord begangen hat, jetzt ist.

50 Cent – Get Rich Or Die Tryin’

Die Rap-Sensation des Jahres heißt 50 Cent und ist 26 Jahre alt, straight from da hood aus Queens, New York, mit bürgerlichem Namen Curtis Jackson. Bei einem Drive-by shooting bekam er drei Kugeln in den Oberschenkel, jeweils eine in Hand, Schulter und Seite, zwei in die Leiste, eine in den Kiefer. Außerdem wurde er niedergestochen, zusammengeschlagen, in den Knast gesperrt und war an diversen anderen Schießereien beteiligt. Nach dem Tod seiner Mutter führte er ihr Crack-Geschäft weiter. Er machte 5.000 Dollar pro Tag und konnte sich so mit 16 schon einen Mercedes leisten. Auf der anderen Seite muss er nun aber täglich damit rechnen erschossen zu werden …

Herz, Schmerz und Sehnsüchte

Neulich gab es in der Zeitschrift Focus die Liste der „besten Songs aller Zeiten“. Über 100 Titel wurden nach den Verkaufszahlen der letzten 50 Jahre aufgelistet – also die „Hitliste der Hitlisten“. Hochinteressant ist das Spektrum der Inhalte unserer „Greatest Hits“: Sehnsucht, Lust, Frust, Ärger, Verzweiflung und auch Protest kommen zum Ausdruck. Das sind die Botschaften die aus der jungen Generation entspringen und wieder in ihre Herzen hineinschwappen – ein Kreislauf der Hoffnungslosigkeit. Es bleibt bei der unerfüllten Sehnsucht. Diese scheint ein endloser Fundus für Musikpoeten.

Fleischbeschau – die Nachlese

„Fleischbeschau im Pop“ war einer der erfolgreichsten Artikel auf Soulsaver bisher. Das zeigt mir, dass es sich hier um ein sehr brisantes Thema handelt. Die vielen Mailbestellungen der Antworten aus Gottes Wort freuen mich ganz besonders, da uns Gott in diesem Bereich sehr viel zu sagen hat. Das moralische Schiff ist am Sinken. Der moralische Verfall ist für jeden sichtbar. Aber die Menschen wollen das eigentlich gar nicht. Durch meine langjährige Arbeit in der Musik- und Medienindustrie kenne ich die Mechanismen der Massensteuerung sehr genau. Wir werden systematisch manipuliert, um noch mehr zu verbrauchen. Dies ist das Ziel der Industrie. Sex sells ist ein altbekannter und bewährter Verkaufsmechanismus. Um Produkte besser zu verkaufen, werden einfach hübsche Damen an die Seite der Produkte gestellt.

Fleischbeschau im Pop

Schon vor Wochen, als die Gerüchte der Affäre durchs Münchner Nachtleben schwirrten, hätte man stutzig werden können. Der Weltfußballer Oliver Kahn sei einer Barfrau verfallen, hieß es da, die „exakt so aussieht wie Christina Aguilera.“ Das klang wenig glaubwürdig – doch jetzt, wo diese Barfrau auf allen Titelseiten prangt, muss man der Wahrheit ins Auge sehen: Verena K., 21, das „wilde Partyluder“, steht für größere popkulturelle Zusammenhänge. Und eine Affäre, die sonst nicht der Rede wert wäre, gewinnt klare Relevanz in Sachen kultureller Ikonografie.

Porträt einer Familie

In „Family Portrait“ zeichnet die amerikanische Popsängerin Pink aus der Sicht eines leidenden Kindes das Porträt einer zerbrechenden Familie. Erstaunlich, ja beängstigend lebendig erscheinen einem die in dem Lied geschilderten Eindrücke. Wer hat sich als Kind noch nie im Bett vor den sich gegenseitig anschreienden Eltern verkrochen? Wer kann leugnen, dass Kinder heutzutage oft viel mehr Zeit mit Computer oder Playstation verbringen als in gesunder Gemeinschaft mit Gleichaltrigen? Wer will sich noch länger vormachen, dass Familienglück oft nicht mehr als eine Fassade ist?

The Sex Pistols

Kaum eine Band, die nur etwa zwei Jahre existierte, hinterließ so einen tiefen Eindruck auf uns, wie die Sex Pistols. Sie wollten schocken und dem Bürgertum eins auf die Fresse hauen. Etwas völlig Neues (es war 1975 – vergleichbares gab es bisher noch nicht) musste von Johnny Rotten & Co. erst einmal erfunden werden; ihr Slogan: „I wanna destroy, possibly“. Die Band entstand nicht durch die beiden schillernden Mitglieder Johnny Rotten (Gesang) und Sid Vicious (Bass), sondern wurde von Steve Jones, Paul Cook und Glen Matlock gegründet.

Die Geschichte des HipHop

In den frühen 70er Jahren war in den Ghettos der amerikanischen Großstädte Ablenkung angesagt, um die Not ein wenig zu vergessen. Ein Typ namens African Bambaata, ein innovativer Partyveranstalter begann damals, mit Drum-Computern, Synthesizern und Turntables einen individuellen Sound zu gestalten. Der legendäre DJ Cool Herc aus Jamaika war es, der erstmals die Percussion Breaks der gängigen Funk-Hits mit der Musik von einem zweiten Plattenspieler mischte und dazu einen MC rappen ließ. Der entstandene HipHop und später auch Electric-Sound ließ natürlich die Jungs nicht kalt. So wurde bald der variantenreiche Breakdance aufs Parkett gelegt.